Walter Kasper: Wegweiser Ökumene und Spiritualität.
Walter Kasper: Wegweiser Ökumene und Spiritualität.
Freiburg: Herder Verlag. - 95 S.
Immer wieder wird ein gewisser Stillstand in der Ökumene beklagt. In dieser Situation darf der vom Präsidenten des „Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen“, Kardinal Walter Kasper, verfasste „Wegweiser Ökumene und Spiritualität“ durchaus als ein ermutigender und hilfreicher Schritt im ökumenischen Prozess aufgefasst werden. Dieser Wegweiser stellt zum einen wieder deutlich heraus, dass die Mitte und der Motor der Ökumene – jenseits aller Theologenkommissionen und jenseits aller noch bestehenden konkreten Probleme – die spirituelle Dimension des gemeinsamen christlichen Glaubens ist, aus der heraus die Trennung erst als Schmerz erfahren und die Sehnsucht nach Versöhnung und Gemeinschaft empfunden wird. Zum anderen formuliert er aber nicht nur persönliche Wünsche und Vorschläge eines einzelnen – wenn auch prominenten – Theologen, sondern entwickelt auf der Basis der entsprechenden Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils und verschiedener päpstlicher und vatikanischer Dokumente, was im Sinne einer „geistlichen Ökumene“ bereits wirklich erreicht ist bzw. inwiefern alle, die an Christus glauben, aufgefordert sind, in der Gemeinschaft weiter zu wachsen.
In drei Abschnitten, „Vertiefung des christlichen Glaubens“, „Gebet und Gottesdienst“ sowie „Diakonie und Zeugnis“, werden die Wurzeln einer allen Christen gemeinsamen Spiritualität betrachtet und erläutert – aus katholischer Perspektive, aber eben mit dem Blick auf eine „geistliche Ökumene“. Dabei geht es vor allem um das Wort Gottes in der Heiligen Schrift und um die Zeugen dieses Wortes (Christus, Maria, Märtyrer und Heilige), um das persönliche und das gemeinsame Gebet, die Feier der Sakramente und der Festtage des liturgischen Jahres, um die ökumenische Begegnung auf der Ebene der Pfarreien und Ortsgemeinden, aber auch in den verschiedenen geistlichen Bewegungen und Gemeinschaften (wobei vor allem die Jugend eine große Rolle spielt). Zu all diesen Grundvollzügen christlicher Spiritualität werden in sehr kompakter Form die großen Übereinstimmungen der verschiedenen christlichen Konfessionen, aber auch die noch trennenden unterschiedlichen Sichtweisen aufgezeigt. Auf diesem theoretischen Fundament gibt es dann jeweils ganz konkrete Vorschläge zur praktischen Förderung der Ökumene unter dem Stichwort „Was Christinnen und Christen gemeinsam tun können“ – eine Fülle von Anregungen, die längst schon mögliche spirituelle Gemeinschaft auch tatsächlich zu verwirklichen. So wird dieser kleine „Wegweiser Ökumene und Spiritualität“ in der Tat zu einer überzeugenden Einladung zur Förderung der ökumenischen Praxis.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)