Den Glauben der Katholischen Kirche für Jugendliche in einer zeitgemäßen Form darzustellen ist zweifellos eine große Herausforderung. Um nicht an den Jugendlichen vorbeizureden – müsste man da nicht eigentlich Jugendliche bereits in den Entstehungsprozess eines Jugendkatechismus einbeziehen ? Aus genau dieser Idee heraus entstand der „YOUCAT“, der schon durch seinen Titel ein ganz neues Konzept für einen Katechismus zum Ausdruck bringt. Die vier Autoren des Katechismus haben 65 Jugendliche, die sich nach dem Weltjugendtag in Köln für das Projekt begeistern ließen, in die Arbeit eingebunden, ihre Fragen und Formulierungsvorschläge aufgenommen und sie an der äußeren Gestaltung des Buches beteiligt. Das Ergebnis dieser Arbeiten ist aber auch vom Vatikan bzw. in den unterschiedlichen Sprachen von den jeweiligen Bischofskonferenzen geprüft und approbiert, so dass man wirklich von einem „offiziellen“ Jugendkatechismus der Katholischen Kirche sprechen darf.
Im Aufbau und in der Grundform folgt der YOUCAT allerdings der traditionellen Art eines Katechismus : Untergliedert in die vier Bereiche „Was wir glauben“, „Wie wir die christlichen Mysterien feiern“, „Wie wir in Christus das Leben haben“ und „Wie wir beten sollen“ werden 527 durchgezählte Fragen gestellt und in knapper oder auch etwas ausführlicherer Form beantwortet. Zu jeder Frage gibt es auch Verweise auf die detaillierten Antworten des großen „Katechismus der Katholischen Kirche“. Über ein Stichwortregister kann man auch gezielt thematisch nachschlagen. Fotos und kleine Zeichnungen lockern den Textfluss auf, in einer Randspalte werden auf jeder Seite Zitate aus der Heiligen Schrift, von Heiligen oder berühmten Frauen und Männern zu den im Text behandelten Themen angegeben, um Näheres zu erklären oder weiteres Nachdenken oder Gespräche anzuregen.
Da auch der Jugendkatechismus zuallererst den Anspruch hat, die verbindliche Lehre der Katholischen Kirche wiederzugeben, kann man inhaltlich natürlich nichts „Neues“ erwarten – neuartig ist aber vielfach die Art, die Glaubensinhalte in einer so weit wie möglich einfachen und anschaulichen Sprache auszudrücken und durch Beispiele und Kommentare zu verdeutlichen. Bei manchen theologischen Sachverhalten (wie etwa der Trinitätslehre) stößt dieses Bemühen sicher auch an Grenzen, oft gelingt aber ein überraschend neuer Blick, der nur scheinbar „antiquierte“ Vorstellungen ins rechte Licht rückt – wie etwa in der Erklärung, was es bedeutet, zum sonntäglichen Besuch der Heiligen Messe „verpflichtet“ zu sein : „Eigentlich ist ‚Sonntagspflicht‘ für einen echten Christen ein ebenso unpassendes Wort wie ‚Kusspflicht‘ für einen richtig Verliebten.“ (Nr. 219)
Der Jugendkatechismus wird noch in diesem Jahr weltweit in 15 Sprachen erscheinen, nächstes Jahr werden zwanzig weitere Sprachen dazukommen, beim Weltjugendtag im August in Madrid soll er eine wichtige Rolle spielen. Papst Benedikt XVI. hat für den YOUCAT ein Vorwort geschrieben, in dem er die Jugendlichen bittet, diesen Katechismus zu studieren und sich darüber mit anderen Jugendlichen auszutauschen : „Ihr müsst wissen, was Ihr glaubt.“ Man sollte durch eine weite Verbreitung dieses Buches wenigstens die Möglichkeit dazu schaffen, dass dieser Wunsch auch Wirklichkeit werden kann.
YOUCAT. Jugendkatechismus der Katholischen Kirche.
München : Pattloch Verlag,
2011. – 305 S.
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)