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Willibrordus-Oktave 2008
Aus dem Glauben leben lernen
Pilgermesse der Dekanate Clervaux und Wiltz
Lesung: Röm 8, 31-39 Evangelium: Mt 23, 1-12 Glaube ist konkret und dient dem Leben. Willibrord und die anderen Missionare sind nicht angetreten, um einen theoretischen Glauben zu verkünden, sondern Glauben als Lebenshilfe. Wer glaubt, versteht und bewältigt sein Leben anders. So wird deutlich, dass der Glaube keine Lebenstheorie oder Lebensphilosophie ist, sondern Deutung und Verständnis des gelebten Lebens. Glaube ist kein Ersatz für das Leben; Glaube setzt vielmehr Leben voraus. Wer den Glauben lernen will, muss leben lernen. Und das heißt: Leben nicht einfach erdulden, sondern gestalten. Die dem Menschen geschenkte Freiheit verlangt diesen Preis eines Lebens in Freiheit und Selbstgestaltung. Selbstverständlich kann der Mensch nicht über alles frei, im Sinne von rücksichtslos, verfügen. Ihm sind naturale und geschichtliche Grenzen gesetzt. Diese Grenzen zu erkennen und anzuerkennen gehört mit zur Klugheit des Lebens dazu. Die dem Menschen verbleibenden Spielräume sind so groß und gewaltig, dass das Gute und das Böse, das Richtige und das Falsche für sein Handeln und Tun offen bleiben. Dort, wo der Mensch Entscheidungen trifft und mit diesen sich selber seine Umwelt und die ganze Welt mit verändert, nimmt er Teil am permanenten Schöpfungsgeschehen. Er entwickelt und „erschafft“ sich selber weiter. Er schreibt seine Geschichte. Mit dieser seiner Geschichte hinterlässt er Spuren und Spurenelemente in der Wirklichkeit. Diese zeugen über ihn hinaus von seinem Vorbeigang. Kinder in die Welt setzen ist wohl das eindrücklichste Beispiel solcher Geschichtsschreibung des Menschen. Die Frage nach Sinn und Bedeutung erschöpft sich nicht mehr einfach in deren Existenz selber. Warum schreiben die Menschen mit ihrem Leben Geschichte und sind nicht einfach Lebewesen, in denen sich mehr das Leben manifestiert als ein Subjekt freien Willens? Genau hier setzt der Glaube als Lebenshilfe und Bewältigung an. Er schreibt die eigene Geschichte in die größere Geschichte mit Gott, dem Herrn, ein. Als Alpha und Omega gibt er dem Leben Sinn auch dort, wo es auf den ersten Blick nur dunkel und kalt ist. Auch im Glauben haben der Tod und das Leiden keinen letzten Sinn. Und dennoch nimmt sich Gott dieses Leidens und dieses Todes greifbar in Jesus Christus an und nimmt sie mit in sein Leben und in seine größere Gerechtigkeit hinein. So kommt auch das Endgericht in den Blick. Begangenes Leid und Unrecht werden nicht einfach zunichte gemacht und aufgehoben. Sein Bestand in mir selber und in der von mir verantworteten Geschichte muss noch einmal vor Gott, dem Allmächtigen, verantwortet werden. So wird meine Geschichte ernst genommen über den Tod hinaus. Das Gute hat Bestand und das Böse wird gesühnt. Diese neue Perspektive für das Leben über den Tod hinaus und in Gott bringt neue Verbindlichkeit und neuen Mut in das zu bewältigende Leben. Es gewinnt Bestand über mich hinaus und ich selber werde aufgenommen in die größere Heils- und Unheilsgeschichte der Menschen. In Jesus Christus hat Gott uns den guten und richtigen Weg vorgezeichnet. Es ist ein offener Weg als Angebot an den freien Menschen. Ein Leben in der Nachfolge Jesu macht Sinn. Es geht auf. Es wird aufgenommen in Gott und erhöht in ihm. Willibrord hat genau diese Perspektive in das Leben der Menschen gebracht. Was Willibrord für die Menschen seiner Zeit war, das heißt ein Mann mit einem standhaften Glauben, einem unerschrockenen Auftreten und einer barmherzigen und gütigen Zuwendung zu den Menschen, das kann sein Vorbild für uns in unserer Zeit sein. Das Beispiel seines Lebens, seine radikale Entscheidung für Gott, indem er auf alles, was ihm im Leben lieb sein konnte, um des Namens Gottes Willen verzichtete, kann uns heute helfen, die Richtung einzuschlagen, die zu einem Umdenken führt. Und wenn wir bedenken, dass er zu seinem 70. Geburtstag in seinem Kalendarium die wichtigsten Etappen seines Lebens aufgezeichnet hat und schlussendlich feststellt, dass dies alles in Dei nomine feliciter geschah (in Gottes Namen glücklich), so ist dies eine große Hoffnung, die er uns hinterlässt. Sie sagt uns, und vor allem den jungen Christen: Wer in Gottes Namen lebt und handelt, der findet, trotz vieler Rückschläge, auch sein Glück. [1] So gewinnt denn der Glaube an Bedeutung für das Leben und über das eigene Leben hinaus. Aufgenommen in Gottes guter Hand lebe ich nicht mir, sondern ihm und Christus. Als Lebensbegleiter und Freund des Lebens garantiert er Leben über das Leben hinaus. Das zugesagte Heil nimmt seinen Anfang und Lauf im Hier und Jetzt. [1] Internationales ökumenisches Kolloquium, Echternach Mai 2008, Beitrag Pierre Kauthen: Die Verehrung Willibrords in der katholischen Kirche: Verbreitung, Aspekte und Anliegen Erny GILLEN
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