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Willibrordus-Oktave 2008
Das einfache Leben entspricht dem Glauben
Pilgermesse der Dekanate Esch/Alzette und Bettembourg
Lesung: Ex 3, 1-3 Evangelium: Mt 19, 13-15 Viele biblische Texte weisen unmissverständlich darauf hin: das Reich Gottes richtet sich an alle und gibt dabei den Armen und Schwachen die Priorität. Ja, die armen und einfachen Menschen, angefangen bei den Kindern, sind das Urmodell der Empfänglichkeit für das neue Reich. Ihre Hoffnung auf das gute Leben ist das breite Eingangstor für die Heilsverkündigung Christi. Dass diese Grundhoffnung vieler Menschen auf ein besseres und verändertes Leben anfällig für Illusionen und Machtversprechen ist, wird uns im Alltag und in der Politik von gestern, heute und morgen immer wieder anschaulich vor Augen geführt. Welchen Heilsversprechen darf ich trauen? Die Wirtschaft lockt mit Reichtum; die Medizin mit gesundem und langem Leben; die Religionen mit dem Jenseits; die Politik mit Macht. Für das angebotene Gut ist der Mensch bereit, Anstrengung und Verzicht auf sich zu nehmen. Der in Aussicht gestellte Gewinn ist es wert. Dieses Spiel mit der Hoffnung beginnt bereits bei den kleinsten Kindern. Mit Versprechen werden sie gelockt, die bittere Pille der Erziehungsanforderungen zu schlucken. Sie sollen heute gehorchen für morgen. Verzicht und Leiden werden nicht als Weg und Lernorte der Hoffnung dargestellt, sondern als deren Preis. Ist einmal die nächste Etappe erreicht und der Preis bezahlt, kann man die negative Erfahrung getrost vergessen und verdrängen. In der Erziehung der Welt und in der Welt der Erziehung taucht dieses Negative oft lediglich noch als Drohung auf. Demgegenüber setzt christliche Hoffnung anders ein. Das ganze Leben ist es wert, durchlebt zu werden. Nichts braucht vergessen oder abgelegt zu werden. Keine Erfahrung ist so negativ, dass sie nicht noch einmal ins Leben integriert werden könnte. Einfach leben und Mut am Leben fassen, lautet die Einladung für das Leben. Das Wunder des Lebens ist seine Verfasstheit in Gott. Das Leben, der einzelne Mensch sind gewollt in der Liebe Gottes. Gewollt ist, dass der Mensch dieses Leben in Fülle habe. Wie nun aber verträgt sich dieses Heilsversprechen eines Lebens in Fülle mit der gleichzeitigen Einladung, einfach zu leben und mit allen zu teilen? Müsste der Christ nicht zuerst Reichtum schaffen und diesen genießen? Warum soll er vielmehr seinen Beruf stehen und liegen lassen, um Jesus nachzufolgen? Versteht der Christ sich als Teil der einen Menschheitsfamilie und sich selber als authentischen Zeugen der erfahrenen Liebe Gottes, bekommt das einfache Leben in Gott seinen Sinn. Zusammen mit den vielen nimmt er Teil an der einen Liebe, dem einen Leben. Er verbraucht sich, seine Mit- und Umwelt nur in dem Maße, wie er keinem anderen etwas wegnimmt und schadet. Nicht die Freiheit ist die letzte Grenze des Menschen, sondern sein Leben. In Analogie zum bekannten Diktum: „Deine Freiheit endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt“ könnte man im Sinne des Prinzips Verantwortung formulieren: „Dein Leben soll weder das Leben noch die Lebensqualität anderer einschränken oder beeinträchtigen.“ Das hier gemeinte einfache Leben ist ein Verzicht auf Verschwendung bei gleichzeitiger Einladung zum Leben in Fülle. Viele Orden haben das einfache Leben zu ihrer Lebensmaxime gemacht. Dass dieses einfache Leben nicht im Gegensatz zu einer Kultur des Bauens, Essens und Trinkens, Feierns und Lebens beigetragen hat, bezeugen die mannigfaltigen Kulturgüter, die von Menschen geschaffen wurden. Auch Willibrord war dem einfachen und mönchischen Leben verpflichtet. In einem Brief, den der heilige Bonifatius, der etwa 30 Monate mit Willibrord zusammengearbeitet hatte, an Papst Stephan III. schrieb, bezeichnete er Willibrord als „Priester von erstaunlicher Genügsamkeit und Heiligkeit“. [1] [1] Pierre Kauthen: De Willibrord, e Pilger op engem laange Wee, Konferenz gehale beim „Info-Vi Erny GILLEN
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