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Willibrordus-Oktave 2008
Der Völkerapostel Paulus stellt die Weichen neu
Pilgermesse der Pastoralregion Luxemburg

Lesung: Apg 17, 22-34

Evangelium: Mt 28, 16-20

Dieses Jahr feiert die katholische Kirche das zweitausendste Jubiläumsjahr der Geburt des Völkerapostels Paulus. Für die Verbreitung des Glaubens hat der Apostel der Heiden neue Maßstäbe gesetzt. Dennoch war er keiner der Weggefährten von Jesus von Nazaret. Der auferstandene Christus hingegen hat sich in seiner Damaskusbekehrung tief in sein Leben eingemischt.

Die Bekehrung Pauli durch den Herrn selber öffnet ein neues Kapitel in der Entwicklungsgeschichte des Christentums. So wie Gott selber kann auch der auferweckte Gottesmensch direkt in die Geschichte eines Menschen einbrechen. In der Geburt Jesu Christi und in seiner Auferstehung treffen sich Himmel und Erde. Für einen Augenblick lang scheint der Himmel auf die Erde durch. Für einen Augenblick öffnet sich der Himmel für die Erfahrungen der Welt und der Menschen.

Das für Paulus geschichtliche Ereignis am Rande der Geschichte wird zum Wendepunkt seines Lebens und gleichzeitig zu einem Wendepunkt für die Verbreitung des Glaubens. Der Glaube an Jesus Christus ist universal. Er übertrifft die Begegnungen während seines irdischen Lebens genauso wie die Tradition, der er verwurzelt war: das Judentum.

Himmel und Erde sind erfüllt von seiner Herrlichkeit. In Seinem und Gottes heiligem Geist sind im Glauben Begegnungen mit Christus Jesus in allen Zeiten und über alle Zeiten hinaus möglich. Damit wird der Glaube selber zum Herzstück des Christentums. Weder die Werke noch das Gesetz können diesen Glauben ersetzen. Somit war der Glaube bedingungslos geworden im doppelten Sinne des Wortes: wer glaubt, braucht keine Vor- und Nachbedingungen zu erfüllen. Bedingungslos aber auch im Sinne eines absoluten Glaubens, der bedingungslos in der Beziehung zu Christus Jesus verankert ist.

So darf es nicht wundern, dass von diesem neuen absoluten und universellen Standpunkt aus, dem bedingungslosen Glauben an den Herrn, ein weltgeschichtlicher Integrationsprozess begann, der seinesgleichen sucht. Alle Kulturen und alle Religionen sowie alle einzelnen Menschen waren zum Glauben berufen. Ihre Erfahrungen vor dem Glauben an Jesus Christus sind diesem Glauben per definitionem nicht fremd. Die gesamte Geschichte ist hingeordnet auf sein Wiederkommen am Ende der Zeiten. Und alle Wege führen auf ihn hin.

Für Paulus auf dem Areopag in Athen war es selbstverständlich, die griechische Hochphilosophie als Vorzeichen für den neuen Philosophen zu deuten. So übernahm er auch die Tugend- und Lasterkataloge aus der hellenistischen Welt in das Corpus christlicher Verkündigung.

Der Völkerapostel verbreitete den Glauben ohne Schwert und ohne Krieg. Vielmehr setzte er auf den vernunftbegabten, glaubensfähigen Menschen. Allein der Glaube macht frei. Er allein überzeugt ohne jedwedes Dazutun. Paulus steht zu seinem verschiedenen Herkünften und Identitäten. Als römischer Staatsbürger, Jude und Grieche. Alles geht ihm im Glauben auf.

Auch der heilige Willibrord setzte auf Integration bei seiner Glaubensverbreitung.

Willibrord gehörte zu diesen Einheitstheoretikern. Über die von Willibrord gegründete Schule in Utrecht schreibt der erfolgreichste Schüler Liudger, ein Friese und der erste Bischof von Münster: Die „Schüler stammten nicht aus einem Volk, sondern waren aus der Blüte aller benachbarten Völker vereint. Sie waren von solchem Vertrauen, solcher Freundlichkeit und geistlichen Freude beseelt, daß man sie in ihrer Einheit sonnenklar als Söhne des einen geistlichen Vaters und der Mutter aller, der Liebe, erkannte. Einige waren aus dem edlen Stamm der Franken, einige aus dem frommen Volk der Angeln, einige aus der neuen Pflanzung Gottes, die erst in unseren Tagen bei den Friesen und Sachsen angelegt wurde. Andere kamen von den Bayern und Schwaben, die dieselbe Religion hatten, oder von welchem Volk und Stamm sie Gott gerade gesandt hatte. Der Niedrigste von diesen bin ich, ein geringer und schwacher Schüler. All diesen, die von überall her wie in einem Schafstall versammelt waren, schenkte der gute Vater und Hirt Gregor [der Nachfolger Willibrords] mit der gleichen frommen Fürsorge sowohl die geistliche Speise der Lehre und des Wortes Gottes als auch die leibliche Nahrung“ [1]. [2]

So wurden frühere Heilsquellen und Orte des Heils umgetauft, um so von nun an auf die eigentliche Quelle, den eigentlichen Ort des Heiles hinzuweisen.

[1] Liudger, Vita Gregorii 11; MGH.SS 15/1, S. 7525; *Lutz E. von Padberg, Die Liudger-Viten in der angelsächsischen Tradition der Missionsarbeit im geistlichen Familienverband, in: Eckhard Freise (Hg.), Die Vita sancti Liudgeri. Text, Übersetzung und Kommentar, Forschungsbeiträge, Graz / Bielefeld 1999, S. 113-126.

[2] Internationales ökumenisches Kolloquium, Echternach Mai 2008, Beitrag Prof. Dr.Dr. Arnold Angenendt

 
Erny GILLEN
 
 
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