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Willibrordus-Oktave 2008
Die Taufe deutet das Leben neu
Pilgermesse der Dekanate Koerich, Mersch, Ospern

Lesung: Apg 8, 26-40

Evangelium: Joh 9, 1-12

Die Taufe führt ins Geheimnis des Glaubens ein. In die Gemeinschaft der Gläubigen wird ein neues Mitglied aufgenommen – und sei dies ein kleines Kind. Ohne zu wissen und zu ahnen, was dieses neue Mitglied einmal sagen und denken wird, öffnen die Gläubigen ihre Reihen und nehmen den neuen Menschen als Christen auf. Sie beten und glauben an seiner Statt. Die Anstrengung dieser Kindestaufe liegt bei der Gemeinde und der Familie, nicht aber beim Aufzunehmenden.

Der Glaube als Vorschuss und Geschenk steht auch im Zentrum der Erwachsenentaufe. Trotz aller noch so notwendigen Vorbereitungen und Einführungen kann man sich den Glauben nicht erarbeiten und aneignen. Die Vorbereitung dient dazu, den Rahmen für den Glauben zu stecken.

Das Christentum ist nun aber keine reine und persönliche Geistesreligion, der die direkte Gebetsbeziehung zu Gott ausreichen würde. Auch hier zeigt die Taufe, wie das Verhältnis von Handlung und Deutung neu verstanden wird. In der Handlung selber vollzieht sich die Bedeutung. Getauft wird mit Wasser und im Zeichen des Kreuzes. Wer diese Zeichen setzt, tauft gültig. In seinem Gestus vollzieht sich die Aufnahme in die Kirche und ins Christentum. Der Gestus der Taufe wird von den Paten bezeugt und in den Kirchenbüchern dokumentiert.

Vom Tag der Taufe an gehört der Christ seiner neuen Gemeinschaft an. Zusammen mit seiner Gemeinschaft erfüllt er die Pflichten eines Christenmenschen. Auch er wird die Welt von nun an mit anderen Augen sehen und wahrnehmen. Das Wasser der Taufe wäscht den Staub aus den Augen des Ungläubigen. Gott selber am Werk zu sehen in allen Dingen, auch im Unguten und im Leiden, verwandelt die eigene Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. „Es ist wichtig zu wissen: Ich darf immer noch hoffen, auch wenn ich für mein Leben oder für meine Geschichtsstunde augenscheinlich nichts mehr zu erwarten habe. Nur die große Hoffnungsgewissheit, dass trotz allen Scheiterns mein eigenes Leben und die Geschichte im ganzen in einer unzerstörbaren Macht der Liebe geborgen ist und von ihr her, für sie Sinn und Bedeutung hat, kann dann noch Mut zum Wirken und zum Weitergehen schenken.“. (Spe salvi 35) .

Die Taufe gleich dem Glauben integriert alles, was ist, in eine neuen Sinn- und Bedeutungszusammenhang. Im Geheimnis des Glaubens wird alles mit in den Tod Jesu Christi gerissen, um in ihm neu zu leben. Der Getaufte verändert sich nicht nur partiell oder ganz; er wird ein neuer Mensch und die Wirklichkeit wird eine neue Wirklichkeit. Der neue Mensch, die neue Wirklichkeit leben im Modus des Glaubens und verändern aktiv die Welt als angebrochenes Reich Gottes hier auf Erden.

So ist es die Aufgabe der Christen, immer wieder neu hinzuschauen, die Wirklichkeit neu zu ergründen und auf Spurensuche nach Gottes Reich zu gehen. Als Spurensucher des Heils in unheilvoller Welt sind auch heute noch Christen als Optimisten gefragt. Die Wirklichkeit verändert sich unter unseren Blicken. In unseren Deutungen und Undeutungen erwacht sie aus der Erstarrung des Materialismus und der Bedeutungslosigkeit.

Christen sind nicht Opfer der Geschichte; Christen schreiben immer wieder Geschichte neu. Es war diese gestaltende Kraft des Christentums, die Klöster und Kirchen als Boten einer neuen Welt hervorbrachte. Das Beten der Menschen, die Glocken der Kirchen, der Gesang und die Musik der Gläubigen verbreiteten die Kunde einer neuen Herrschaft des Friedens in der gesamten Menschheitsfamilie.

Und so waren denn die Kreuzzüge und gewaltsamen Missionierungen nicht nur ein bedauerlicher Zwischenfall in der Geschichte des Christentums, sondern ein echter Glaubensirrtum. Der Glaube kann nicht erzwungen werden und er kann nicht verteidigt werden: der Glaube ist Geschenk Gottes. Dieses Geschenk macht die Taufe sichtbar.

Taufbrunnen:

Die Willibrordusquellen und -brunnen, welche die Missionswege Willibrords säumten und eine rege Tauftätigkeit bezeugen, wurden vom Volk aufgesucht, um die Heilung von verschiedenen Nervenkrankheiten, besonders bei Kindern, zu erflehen.

(www.willibrord.lu)

 
Erny GILLEN
 
 
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