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Willibrordus-Oktave 2008
Klimawandel erforderlich
Pilgermesse der Dekanate, Diekirch und Vianden

Lesung: Gen 1, 1-30

Evangelium: Mt 13, 44-46

Schmelzende Gletscher, steigende Meeresspiegel, häufigere und heftigere Stürme werden immer wieder angeführt, um das Bewusstsein der Menschen aufzurütteln, dass das Weltklima dabei ist, sich durch den Einfluss der Menschen zu verändern. Große UNO-Konferenzen, angefangen in Rio, bemühen sich seit Jahrzehnten mittels Verträgen und Abmachungen, dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Bis 2050 dürfe die Erdtemperatur keinesfalls über zwei Grad hinaus ansteigen, ansonsten die Weltbevölkerung mit katastrophalen Folgen konfrontiert würde, die sie später nicht mehr in den Griff bekommen könnte, heißt es.

Diese Hiobsbotschaften werden von immer weniger Menschen nicht mehr beachtet. Die wissenschaftliche Evidenz ist zu groß geworden. Was aber tun? Da die Erdsysteme und –kreisläufe keine geographischen, politischen oder wirtschaftlichen Grenzen kennen, sind alle gefordert.

Neue Gerechtigkeitsfragen stellen sich, wenn es darum geht, unseren Einfluss auf das Klima zu lindern. In welchem Jahr wird die Null-Linie gezogen? Oder anders gefragt: wie viel CO2-Ausstoß wird den Industrieländern geschichtlich angerechnet? Wie viel Toleranz bei den Emissionswerten gilt es gegenüber den Entwicklungs- und Schwellenländern gelten zu lassen? Welche Ausgleichsmechanismen werden als gerecht angesehen? Darf der wirtschaftlich Überlegene sich beim wirtschaftlich Schwächeren mit Klimazertifikaten frei kaufen?

Angewendet auf den Normalbürger lauten die Fragen: Wie viel und welche Mobilität ist verantwortlich? Untergräbt das Nicht-Reisen in Entwicklungsländer und das Nicht-Exportieren letztlich nicht deren eigene Entwicklung? Auf welchen Produkten darf auch der Kleinanleger spekulieren? Sind Agrokraftstoffe eine Gefahr oder stellen sie Teil einer Lösungsstrategie dar?

Gefordert ist ein politischer Klimawandel! So wie die Arbeit, das Zusammenleben der Menschen, wirtschaftliche Entwicklungen und technische Anforderungen im Laufe der Zeit in den Einflussbereich der Politik geraten sind, weil die Verantwortung der einzelnen lokalen und wirtschaftlichen Akteure offensichtlich überfordert war, so trifft dies auch für die Fragen des klimatologischen Klimawandels zu. An diesem Beispiel werden wieder Forderungen nach einer Art Weltregierung verständlich. Globale Probleme können nur global gelöst werden. Die lokalen Lösungen müssen sich einfügen in die größeren globalen Lösungen.

Die Erdverbundenheit der Menschen erinnert den Christen an die Schöpfung. Die ganze Welt und die Welt als Ganze wurde von Gott ins Leben gerufen und den Menschen überantwortet. Das „dominium terrae“ ist der Bibel zutiefst vertraut. Zur Zeit der Entstehung der heiligen Schriften konnten der Mensch und sein Leben nicht losgelöst von der Erde gedacht und gelebt werden. Er war Teil der Natur, auch wenn er als Krone der Schöpfung angesprochen wurde. Dass er die Erde verantwortlich kultivieren sollte, mag auf den ersten Blick erstaunen. Erlebt wurden Welt und Umwelt doch eher als Bedrohung. Der natürliche Reflex war es, sich gegen die Natur zu schützen. Die Natur zu lieben und als Teil der guten Schöpfung Gottes anzuschauen gehört zu den großen Kulturleistungen damaliger Zeit. Diese Liebe der Natur, und nicht niedlich zur Natur, gilt es wieder zu entdecken. Die Natur braucht heute den Menschen als ihren Gärtner und nicht als ihren Ausbeuter. Der erste Schöpfungsbericht möge uns auch heute noch inspirieren.

In Irland wurde Willibrord intensiv mit der altirischen Spiritualität konfrontiert, die ihn sicherlich auch prägte:

Das Hören auf das biblische Zeugnis und die Treue zum keltischen Erbe haben zu einer intensiven Naturverbundenheit geführt, die der altirischen Spiritualität ein charakteristisches Gepräge gegeben hat. (…) Als Willibrord fünf Jahre alt war starb der König Connacht Guaire. Er lebt weiter in einem Gedicht, das seinem Gespräch mit seinem Halbbruder Marbán gewidmet ist. Der Herrscher tut sich schwer, dessen Einsiedlerexistenz zu verstehen. Er fragt ihn:

„Was schläfst du draußen im Freien,

Dein Haupt geschoren nach Mönchesart?“

Der Eremit antwortet:

„Das Leben, das Christus mir hier geschenkt,

Ist kostbarer als das deine …

Ich freu mich in stiller Zufriedenheit

Der Gaben des sanften Christus“

Zu diesen Gaben zählt der Einsiedler alles, was ihm in der Natur begegnet:

„Die Eibe breitet die Äste weit –

Ein vielverheißendes Zeichen.

Der Ort ist lieblich; der Eichenbaum

Ist ein noch schöneres Omen.

Die roten Äpfel am Apfelbaum,

Groß, wie sie bei Feen wachsen;

Gesegneter Platz! Und die kleine Nuss

Wächst direkt an den Haselzweigen.

Frisch ist die Quelle; der Wasserfall

Bricht labend aus dem Felsen;

Die Vogelkirsche, die Eibenfrucht,

Liguster hab’ ich zur Nahrung …

Eine Honigwabe, ein Eiernest,

Nahrung, von Gott gesendet,

Der Heidelbeere würzige Frucht,

Und süße Äpfel ich finde.“

Alle Geschöpfe, denen der Einsiedler begegnet, sind Boten der Liebe Gottes. Sie erhalten und gestalten nicht nur sein leibliches Leben; sie nähren und prägen auch seine Spiritualität. [1]

[1] Internationales ökumenisches Kolloquium, Echternach Mai 2008, Beitrag von Bischof em. Paul-Werner Scheele: Altirische Spiritualität – eine Quelle des Lebens für den heiligen Willibrord und für uns

 
Erny GILLEN
 
 
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