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Willibrordus-Oktave 2008
Zeugen der Liebe Gottes
Pilgermesse für die älteren Menschen

Lesung: 1. Joh 4, 16-21

Evangelium: Joh 2, 1-12

Als Zeuge der Liebe Gottes war der hl. Willibrord aufgetreten und zu Zeugen der Liebe Gottes wollte er seine neuen Gläubigen machen. Christen sind in der Tat Zeugen - keine Macher. Das Christentum hat man nicht für sich, sondern man lebt es vor Gott für die Welt.

Wie ernsthaft Zeugnis ablegen ist, wird uns bei Gerichtsverfahren bewusst. Bevor man überhaupt aussagen darf, schwört man, dass man die Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagen wird. Zeugnis ablegen ist ernsthaft. Falsches Zeugnis ablegen ist Unrecht. Wer Zeugnis ablegt, greift aktiv in das Geschehen ein. Sein Zeugnis fließt mit ein in den Entscheidungsprozess.

Jesus selber ist als Zeuge aufgetreten und hat Zeichen gesetzt. Die Hochzeit in Kana ist eines der schönsten Beispiele dafür. Sein Zeugnis hat überzeugt in seinen Worten und Taten, letztlich in seiner Person selbst.

Auch der hl. Willibrord hat durch seine Worte seine Taten und seine Person überzeugt.

Er sucht Kontakt zu den weltlichen Herrschern, zu Pippin II., die Schutzmacht im Frankenreich, zum Friesenkönig Radbod, zum grausamen Dänenkönig Onguendus, zu Herzog Heden in Thüringen, und gleichzeitig zum Papst in Rom. Er tritt unerschrocken auf und wird mit Respekt empfangen und entlassen. Seine Wundertaten erinnern an biblische Szenen: wie Moses lässt Willibrord für seine durstigen Gefährten eine Quelle hervorsprudeln, wie Christus verwandelt er Wasser in Wein. Seine Mildtätigkeit für Bettler, Kranke und Behinderte bringt ihm die Gunst und Zuwendung großer Menschenscharen ein. [1]

Dat 3. Wonner erënnert staark un d’Wäiwonner op der Hochzäit zu Kana. De Willibrord ass no enger laanger Rees mat senge Leit an d’Haus vun engem Frënd komm. Hien huet gemierkt, datt de Mann him keng Drëps Wäin offréiere konnt. Dofir huet hie véier kleng Kréi brénge gelooss an huet si geseent. Duerno konnte 40 Männer aus deene Kréi drénken. Den Alkuin erënnert och, datt se „frohen Herzens“ sech un dat Christuswuert erënnert hun, dat seet: „Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen.“ [2]

Wie aber können Christen heute Zeugnis von ihrem Glauben und der Liebe Gottes ablegen? Für das sozialkaritative Engagement hat Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Deus caritas est“ vier Modalitäten des Zeugnisablegens identifiziert: Aufgabe der karitativen Organisationen der Kirche ist es, dieses Bewußtsein in ihren Vertretern zu kräftigen, so daß sie durch ihr Tun wie durch ihr Reden, ihr Schweigen, ihr Beispiel glaubwürdige Zeugen Christi werden. (DCE 31c)

Zeugnis durch das Wort ablegen bleibt unverbindlich und theoretisch, wenn dieses Wort keine Taten deutet. Da Handlungen immer unterschiedlich deutbar sind, bedürfen sie des deutenden Wortes, das ihnen erst eine bestimmte Bedeutung gibt. Die performative Kraft des Wortes vermag die Wirklichkeit zu verändern. Ob beispielsweise ein Kuss mehr Verrat oder mehr Liebe darstellt, hängt von den deutenden Worten ab. Wer also sagt: „In dieser Hilfe für die Armen sehe ich Gottes Liebe am Werk“, der legt Zeugnis für Gott und die Caritas ab.

Wer einer bedürftigen Person hilft, wer einen Kranken besucht, wer Besuchsdienste im Gefängnis abstattet oder wer Hilfsorganisationen materiell unterstützt, legt durch seine Handlung bereits Zeugnis ab. Die Hilfe spricht hier sozusagen für sich selber.

Zeugnis durch sein Leben ablegen richtet sich an die Person und gehört zu den anspruchsvollen Formen des Zeugnisablegens. Der gute Mensch braucht nicht zu sagen, dass er gut ist und auch nichts zu tun, um zu zeigen, dass er gut ist. Die Güte seiner Person ist derart integraler Bestandteil all seines Handelns und Tuns, dass es die Person selber formt und verändert. Güte und Liebe scheinen in seiner Person auf.

Die überraschendste Form des Zeugnisablegens ist aber das Schweigen. Dass der Papst diese Form des Zeugnisablegens eigens erwähnt, hat seinen guten Grund. In glaubensfeindlichen oder ungläubigen gesellschaftlichen Zusammenhängen können christlich deutende Worte zum Gegenteil ihrer Intention werden. Die uneigennützige Liebe ginge verloren, wenn sie expressis verbis in den Zusammenhang christlichen Glaubens gestellt würde. Um dieses Gegenzeugnis zu vermeiden, zieht es der Christ in diesem Fall vor, die Liebe allein und für sich sprechen zu lassen. Hinter dieser Überzeugung steht der unbändige Glaube an den einen Gott, der die Liebe selber ist. „Dort wo die Liebe ist, ist auch er“, sagt es bereits das Lied aus Taizé: Ubi caritas et amor ibi deus est.

Diese vier für karitative Organisationen identifizierten Formen des Zeugnisablegens lassen sich problemlos auf alle Lebens- und Handlungsgebiete des Christen ausdehnen. Worauf es letztendlich ankommt, ist: authentisches Zeugnisablegen in welcher Form auch immer, sei es durch das Wort, das Handeln, das Leben oder das Schweigen.

Die Gelassenheit des Zeugens liegt darin begründet, dass er die Entscheidung nicht zu treffen braucht. Den Glauben und die Entscheidung dazu letztlich schenkt Gott selber.

[1] Internationales ökumenisches Kolloquium, Echternach Mai 2008, Beitrag Pierre Kauthen: Die Verehrung Willibrords in der katholischen Kirche: Verbreitung, Aspekte und Anliegen

[2] Pierre Kauthen: De Willibrord, e Pilger op engem laange Wee, Konferenz gehale beim „Info-Vi
deo-Center“

 
Erny GILLEN
 
 
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