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Jahr B (2020-2021)  
12. Februar 2021

Bei Jesus immer an der richtigen Adresse

Kommentar zum 6. Sonntag von P. Théo Klein scj (14.2.2021)

Vor kurzen begegnete ich einem jungen Mann mit verwirrtem Blick. Er erkannte mich als Priester und fragte, ob er mit mir sprechen könne. Er sprach von seiner psychischen Erkrankung, seinen Angstzuständen, die auf schlechte Kindheitserfahrungen zurückzuführen waren und sagte in einem resignierten Ton: „Seien Sie froh, nicht in meiner Haut zu stecken.“ Er wollte von mir nur, dass ich ihm das Gespür vermitteln solle, er sei kein schlechter Kerl, er sei kein Teufel, als was er sich fühlte. Der Mann fühlte sich ausgeschlossen. In diesem Augenblick wurde mir bewusst, wie Christus diesen Mann in seinem Elend liebte, und dass er zu jenen Menschen gehörte, welche die Wunden der Welt tragen müssen. Viele von uns – oder vielleicht fast alle – haben auch schon in größerem und minderem Maße die Erfahrung von Ausgrenzung erleben müssen, haben in einer Situation gespürt: „Ich bin anders als die anderen.“

Im Evangelium geht es um einen Aussätzigen, der von der Gesellschaft gemieden wird. Man fürchtet sich offenbar vor einer Ansteckung. Jesus bleibt nicht auf Distanz: er hat Mitleid mit ihm, berührt und heilt ihn. Diese Heilungsgeschichte ist nicht nur eine Wundergeschichte, sondern sie zeigt den grundlegenden Akzent des Evangeliums, dass Jesus eine Grenze überschreitet.

Diese Lektion gibt Jesus auch der Kirche, nicht nur über die Not zu reden und mit einem Scheck oder einer kleinen Spende zu helfen, sondern vielmehr das Elend der Menschen buchstäblich anzufassen. Große Christen wie Franz von Assisi, Mutter Teresa sowie viele Christen im Verborgenen geben Zeugnis, wie durch Berührung die Ausgrenzung aufgehoben werden kann.

Die wahre Tiefe des Evangeliums wäre allerdings verfehlt, wenn die Adresse, an die der Aussätzige seinen Wunsch ausdrückt „Wenn du willst, kannst du mich rein machen“ einfach übersehen würde. Der Aussätzige, der von Jesus gehört hat, hat die innere Gewissheit, dass er bei Jesus an der richtigen Adresse ist. Jesus kann, was keiner vermag. Der Glaube und das Vertrauen des Aussätzigen rufen bei Jesus Mitleid und Erbarmen hervor. Jesus streckt die Hand, berührt ihn und sagt: „Ich will es – werde rein!“ Durch die Berührung würde Jesus, vom Gesetz her gesehen, unrein – doch genau das Gegenteil ist geschehen – nicht Jesus wird unrein, sondern der Aussätzige wird rein.

So wie der Aussätzige vieles durchmacht, so leidet die Kirche als Volk Gottes und die Missbrauchsopfer an den Verletzungen durch die abscheuliche Unreinheit und dem Schmutz der Kleriker. Die Kirche ist weit entfernt, perfekt im weltlichen Sinne zu sein. Der heilige Ambrosius nannte die Kirche „Casta meretrix – Heilige Hure“. Und dennoch bleibt sie Braut Christi. Erst beim Jüngsten Gericht wird sich dieser Widerspruch auflösen. Es gilt nicht bloß den Dreck samt dessen Verursacher und Vertuscher irgendwann mit der Mistgabel aus der Kirche zu eliminieren, sondern die Stunde der Wahrheit der Kirche besteht im immerwährenden Vertrauen auf Jesus: „Ich will rein werden.“

Théo KLEIN s.c.j.
 
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