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Jahr B (2020-2021)  
16. Januar 2021

„Kommt, und ihr werdet sehen“

Kommentar zum 2. Sonntag im Jahreskreis von P. Jean-Jacques Flammang SCJ (17.01.2021)

Christus und die tiefsten Bedürfnisse des Menschen

„Ich erinnere mich noch genau an den Tag und an die Stunde...“ So reden jene, die etwas sehr Wichtiges erlebt haben, wie heute im Evangelium die beiden Männer, Andreas und der andere. Sie hatten sich nicht gescheut auf Johannes‘ Wort hin, mit Jesus Kontakt aufzunehmen.
„Was sucht ihr?“ hatte sie der Herr gefragt, und etwas verlegen antworteten sie: „Meister – wo wohnst Du?“ Das klang damals so ähnlich wie: Meister, wo kommst du her, wer bist du, was willst du? Und Jesus lud sie ein: „Kommt, und ihr werdet sehen.“ Es war um die zehnte Stunde, also gegen vier Uhr nachmittags. Diese erste Begegnung mit Jesus musste den beiden sehr wichtig gewesen sein, da sie sich noch genau an die Zeit erinnerten, und auch daran, wie Jesus sie aufgenommen hatte.
Wer verstehen und begreifen will, wer Jesus ist, muss mit ihm ein Stück Lebensweg gehen, bei ihm verweilen und sich auf sein Evangelium einlassen. Hier hat die Kirche die demütige, aber entscheidende Rolle des Johannes zu übernehmen: Menschen zu Jesus hinzuführen. Denn Jesus und sein Evangelium sind von unschätzbarem Wert bei der Suche nach Leben und Wahrheit, nach Verständnis und Sinn.
Johannes der Täufer hatte damals geahnt, dass Jesus die Menschen in einem neuen Geist taufen würde, nicht in jenem vernichtenden Ungeist, dem so viele folgen in Erwartung irdischer Macht und Güter, sondern im Heiligen Geist, der weltverändernd Mauern niederreißt und geschwisterliches Miteinander ermöglicht und fördert. Christliche Taufe und Firmung sind zu sakramentalen Zeichen dieses Wirkens des Geistes geworden, der uns durch Christus mit Gott dem Vater verbindet.
In seinem ersten apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium ermuntert Papst Franziskus die Christen dazu auf, immer neu mit Christus Kontakt aufzunehmen, und zwar so ähnlich wie damals die beiden ersten Jünger. Aus eigener Erfahrung weiß er um die ansteckende Freude, die aus dem Kontakt mit Jesus erwächst. Bemerkt er zuerst objektiv und fast nüchtern: „Es ist nicht das Gleiche, zu versuchen, die Welt mit seinem Evangelium aufzubauen oder es nur mit dem eigenen Verstand zu tun“, so lässt Papst Franziskus uns aber auch wissen, dass das Evangelium auf die tiefsten Bedürfnisse der Menschen antwortet. „Denn – so Evangelii Gaudium weiter– wir alle wurden für das erschaffen, was das Evangelium uns anbietet: die Freundschaft mit Jesus und die geschwisterliche Liebe.“
Tiefe Freude hatte Andreas sicher schon bei der ersten Begegnung mit Jesus erfahren, da er das Erlebte nicht für sich behalten konnte. Unentwegt teilte er alles seinem Bruder Petrus mit und überzeugte diesen, ebenfalls mit Jesus Kontakt aufzunehmen: „Komm doch mit, und du wirst sehen!“
Solange es Menschen gibt, die durch die Begegnung mit dem Evangelium Jesu eine so tiefe Freude erfahren, dass sie unbedingt andere Menschen ansprechen und sie, wie Menschenfischer, um das Gute sammeln, sind wir nicht verloren. Mit ihnen wird der Welt ein Gut bewahrt und mitgeteilt, das sie menschlicher und friedfertiger gestalten kann.

Jean-Jacques FLAMMANG s.c.j.
 
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