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Regard protestant, orthodoxe, israélite  
20. Januar 2018

100 Jahre Finnland

Regard Protestant von Katri Oldenorff (21.1.2018)

Finnland wurde vergangenes Jahr 100 Jahre alt. Dieses besondere Ereignis wurde das ganze Jahr hindurch mit größeren und kleineren Veranstaltungen gebührend gefeiert, auch von den hier in Luxemburg lebenden Finnen. Den Höhepunkt erreichten die Festlichkeiten am 6. Dezember 2017, an diesem Tag im Jahr 1017 erklärte Finnland seine Unabhängigkeit – von Russland.

Auch das Jahr 2018 steht im Zeichen finnischer Geschichte, vor allem im Zeichen ihrer Aufarbeitung. Es jährt sich zum 100. Mal die Erinnerung an den Bürgerkrieg, der 1918 tiefe Wunden in die Seele der finnischen Gesellschaft riss und auch zum Tod von ca. 30 000 Menschen führte. Es wird dieses Jahr sicher mehr diskutiert und weniger gefeiert. Die Schatten des Bürgerkrieges zwischen den Roten und Weißen reichen bis weit ins 20. Jahrhundert, teils auch bis heute.

Aber sowohl 1917 als auch 1918 geht es um Finnland. Darum, dass sich die Menschen als Finnen verstanden, sich mit der Idee eines eigenen, unabhängigen Finnlands identifizierten. Ein Prozess der gut 100 Jahre früher begonnen hatte, denn erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts fingen die Finnen an, sich als eine eigene Nation zu verstehen. Sie fühlten sich nicht mehr dem Königreich Schweden zugehörig, dessen östlichste Provinz Finnland seit dem frühen Mittelalter war, auch nicht dem Zarenreich Russland, dessen autonomes Großfürstentum Finnland 1809 nach einem Krieg zwischen Schweden und Russland wurde. Die Romantik verhalf dem schlummernden Nationalgefühl auf die Beine. Es begann eine vorsichtige kulturelle, philosophische, später auch politische Bewegung, die 1917 in die Unabhängigkeit mündete und auch vor dem kirchlichen Selbstverständnis nicht haltmachte.

Der Tradition der Romantik folgend, brauchte jede Nation einen eigenen Schutzheiligen. Dieser Gedanke erstarkte auch in Finnland, dem autonomen Großfürstentum Russlands, mit seiner durch und durch evangelisch-lutheranischen Kirche. So erfuhr der sagenumwobene Bischof Heinrich, der der Legende nach im 12. Jahrhundert die Finnen christianisierte, eine Renaissance als Schutzheiliger der Finnen. Er gehörte schon im Mittelalter zu den Schutzheiligen Schwedens, geriet aber durch die Reformation in den Hintergrund. Er wurde weiterhin als historische Persönlichkeit, Märtyrer und erster Bischof in Finnland in Ehren gehalten. Attribute übrigens, die in der heutigen Geschichtsforschung sehr kritisch hinterfragt werden. Sein Andenken hatte sich in den Herzen der Menschen erhalten. Im finnischen, lutherischen Kirchenkalender steht ihm daher bis heute ein Gedenktag zu, der 19. Januar.

Der Tag erinnert an Heinrich, aber auch daran, dass durch ihn – oder durch das, was er repräsentiert – die vor 800 Jahren spärlich besiedelte Landzunge, die sich heute Finnland nennt, in den westlichen, katholischen Kirchen- und Kulturkreis einbezogen wurde: in den Schutz und unter den Segen Gottes, ganz im Sinne der Ökumenischen Gebetswoche, die wir gerade vom 18.  bis  zum 25. Januar begehen: „Deine rechte Hand, Herr, ist herrlich an Stärke“ (2 Mose 15,6).

Katri Oldenorff

 
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