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Regard protestant, orthodoxe, israélite  
10. Juni 2017

„Der Platz der Religion ist mitten in dieser Welt“

Regard protestant von Volker Strauss (11.6.2017)

Eben komme ich vom Kirchentag in Berlin zurück. Viel gab es zu hören und zu sehen, zu erleben und zu erfahren. Obama, Merkel, Israel, Muslime, Terrorismus, Politik und Glaube, und immer wieder fragten Christen nach der Einheit ihrer Christenheit.

Auch auf dem Reformationsfest in Wittenberg wird von Mai bis September über Gerechtigkeit, Frieden, die Schöpfung und die Ökumene verhandelt: Margot Käßmann und Kardinal Koch sprachen dort letzte Woche.

Wer die führenden Politiker und Geistlichen dieser Welt nur in den wenigen vergangenen Wochen gehört und erlebt hat, der kann diese Fragen nicht mehr hören. Man versteht sie auch nicht mehr – denn wir reden doch schon immer, immer noch und schon wieder von Religion.

Wer angesichts kraftvoller Feste, die von Protestanten und Katholiken mittlerweile gemeinsam gefeiert werden, wer angesichts von sichtbar gelebtem christlichem Glauben und der Vielfalt anderer Religionen so fragt, muss sich fragen lassen, ob er denn die Wirklichkeit der Welt und die Vielfalt des Glaubens wirklich nicht wahrnimmt oder einfach nur nicht ernst nehmen will?

Wenn Hunderttausende sich für ihren Glauben in Bewegung setzen, gleich ob wegen eines Papstes oder eines Protestantentreffens, und sich von der Angst vor Anschlägen, Gewalt und Terrorismus nicht besiegen lassen, wenn Religion im öffentlichen Raum nicht nur in Berlin sondern auch in Ägypten und Mekka sichtbar friedlich gefeiert wird, wenn ein amerikanischer Präsident vor hunderttausend Menschen von seinem Glauben und seiner Religion berichtet, wenn die kriegerische Auseinandersetzung muslimischer Konfessionen die arabische Welt teilt – wer will da noch allen Ernstes behaupten, die Religion sei Privatsache und würde aus der Öffentlichkeit zurückgedrängt?

Der Platz der Religion ist mitten in dieser Welt, und ihr Einfluss auf die Gestaltung der Gesellschaft, der Welt, auch durch die Mittel der Politik, der ist unbestreitbar. Worüber man sich trefflich streiten kann, ist, warum die christlichen Kirchen so verschieden sind und sich in vielen Fragen nicht eins sind. Gilt das nicht auch für die UNO-Vollversammlung oder die Parlamente? Aus der Ökumene können wir lernen, dass versöhnte Gemeinschaft lange dauert, aber immerhin möglich ist, dass vorher verfeindete Konfessionen versöhnt Einheit in der Verschiedenheit leben können – garantiert ist die Einheit aber nicht. Sie muss wohl in jeder Generation neu errungen werden, um als Errungenschaft zu gelten.

Die ökumenische Bewegung ist sich wohl manchmal selber nicht darüber im Klaren, welchen Schatz sie der Menschheit geschenkt hat, nämlich die Besinnung auf das Wesentliche: die eine Taufe, das Bekenntnis zu dem einen Herrn der Kirche, und den Willen zu mehr Gemeinsamkeit und Toleranz.

Aus längst vergangenen Zeiten ragt die eine Taufe in unsere Gegenwart hinein, sperrig und so ganz anders. Jede Taufe ist Anlass zur Freude, aber ist uns klar, dass es nicht auf die rosa Bonbons ankommt oder das getaufte Kind wie ein Siegeszeichen der Gemeinde entgegenzuhalten und diese gerührt applaudiert? Sie ist vielmehr ein Bekenntnis, und ein klares: „dazu steh ich! – dafür steh ich ein!“ Es kommt – wie oben schon angedeutet – wohl sehr darauf an, dass wir die Wirklichkeit und all die Meinungen, und Ansichten, alle unsere Eindrücke in die richtigen Kanäle leiten. Wenn Gott mitten in den Bedrohungen des Terrors und der Unsicherheit den Ruf des Evangeliums zu seinem Reich in der Taufe ergehen lässt, dann wird damit völlig klar, was dieses Reich Gottes ist und will.

Wenn wir in Gedanken an die Unsicherheit und Gewalt in dieser Welt nur den Tod sehen, so unterschätzen wir die mannigfaltigen Möglichkeiten der Wege Gottes – nämlich Menschen auf unterschiedliche Weise in Konfessionen durch die eine Taufe in seinen Dienst zu rufen, und Menschen aller Religionen im Gebet für Frieden und Gerechtigkeit miteinander zu verbinden.

 
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