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Regard protestant, orthodoxe, israélite  
24. Juni 2017

„Für Geld nicht zu haben“

Regard protestant von Volker Strauss (25.06.2017)

In Windhuk (Namibia) tagte vor kurzem die Zwölfte Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB), „Befreit durch Gottes Gnade“ war das Leitwort der Tagung, in der aus der Perspektive von drei Unterthemen beleuchtet werden sollte, was „für Geld nicht zu haben“ ist.

Die drei Unterthemen lauten „Erlösung – für Geld nicht zu haben“, „Menschen – für Geld nicht zu haben“ und „Schöpfung – für Geld nicht zu haben“. Mit ihrer Hilfe wurde herausgearbeitet, welche Vorstellungen, Haltungen und Grundsätze durch Gottes Gnade befreite Menschen ablehnen, weil sie unvereinbar sind mit dem Evangelium.

Bei „Erlösung – für Geld nicht zu haben“, stand die zentrale Botschaft der Rechtfertigungslehre im Mittelpunkt – die Botschaft, dass Gott uns die Erlösung ohne Gegenleistung schenkt. Darin eingeschlossen ist eine deutliche Kritik an heutigen Verhaltensweisen und Vorstellungen, die Erlösung als Ware auf dem „Markt der Religionen“ behandeln. Denken wir etwa an das Wohlstandsevangelium, das im klaren Gegensatz steht zu Luthers Kreuzestheologie, oder z. B. auch an die unzähligen Selbsthilfebücher, die Glück und Heil versprechen, wenn wir nur erst lernen, uns selbst zu erlösen.

Menschen – für Geld nicht zu haben“ unterstreicht, dass jeder Mensch als einmaliges Ebenbild Gottes in seiner eigenen Würde und Integrität voll und ganz zu respektieren ist.

„Schöpfung – für Geld nicht zu haben“ zeigte aus theologischer Sicht auf, dass die Natur voll und ganz zu achten und zu schützen ist als Gottes gute Schöpfung, die der Fürsorge des Menschen anvertraut ist. Entsprechend darf der Mensch sie nicht beherrschen oder ihre Ressourcen ausbeuten, als handele es sich bei ihnen um eine Ware. Weiterhin wurden Klimawandel und Klimagerechtigkeit thematisiert als Frage der Gerechtigkeit zwischen Völkern, Generationen und gesellschaftlichen Gruppen.

Die Auseinandersetzung mit diesen Themen ging einher mit ihrer theologischen Reflexion. Beim Thema „Erlösung – für Geld nicht zu haben“ ging es darum, sich zu befassen mit der göttlichen Gnade, die keine Gegenleistung fordert, aber nicht zu verwechseln ist mit einer billigen Gnade. „Menschen – für Geld nicht zu haben“ setzt sich auseinander mit den menschlichen Beschränkungen und der menschlichen Gebrochenheit, die destruktiven Strukturen Vorschub leisten. „Schöpfung – für Geld nicht zu haben“ ist ein Aufruf, nicht mehr nur Gottes Beziehung zu uns Menschen allein, sondern seine Beziehung zur ganzen Schöpfung in den Blick zu nehmen.

Die Tagung endete mit einer Selbstverpflichtung der weltweiten lutherischen Kirchen sich in diesem Sinne in den Gesellschaften vor Ort einzubringen.

Der Autor ist Titularpastor der Protestantischen Kirche von Luxemburg

 
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