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Hoffnung, die trägt

Kommentar zum 6. Ostersonntag Jahres A - Abbé Daniel Graul (10.05.2026)

Das Osterfest liegt bereits einige Wochen zurück. Der Alltag hat uns wieder mit Terminen und den alltäglichen Sorgen fest im Griff. Und so besteht das Risiko, dass die Osterfreude im täglichen Trubel verblasst. Dabei sollten wir Christen doch als Ostermenschen leben. Wie oft appellierte Papst Franziskus an uns Christen, dass wir die Freude nicht verlieren und frohe Christen sein sollen. Desto mehr passt die Zusage Jesu in unsere Zeit und auch als Erinnerung: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch.“ (Joh 14,18) Diese Worte sind mehr als nur eine religiöse Erinnerung aus vergangenen Zeiten. Sie sprechen eine Erfahrung an, die wir zu oft kennen; das Gefühl alleine zu sein mit Fragen, Entscheidungen oder Belastungen. Besonders heute in einer Welt, die immer schneller dreht und damit verbunden die Unsicherheiten, wächst bei uns die Sehnsucht nach Halt und Orientierung. Der christliche Glaube antwortet darauf nicht mit einfachen Lösungen, sondern mit einer BEZIEHUNG. Gott bleibt uns nahe, auch dann, wenn wir ihn nicht wahrnehmen.

Die Apostelgeschichte (Apg 8, 5ff) erzählt uns von den ersten Christen, die ihren Glauben in einem schwierigen Umfeld lebten. Auch sie standen vor schweren Herausforderungen, mussten neue Wege finden und Entscheidungen treffen. Doch sie waren überzeugt, dass Gottes Geist sie begleiten und stärken würde. Dieser Geist ist es, den auch wir alle bei unserer Taufe geschenkt bekamen. Dieser Geist ist nichts Abstraktes, sondern es ist der Heilige Geist, der uns Menschen Mut macht, Vertrauen schenkt und uns hilft Gemeinschaft wachsen zu lassen.

Wir müssen in unserem Leben nicht alles allein tragen. Wir sind begleitet von Gott und von Menschen, die Gott uns schickt. Deshalb lasst uns wieder neu lernen, uns auf diese leise Gegenwart Gottes einzulassen. Vergessen wir nicht, dass Gott sich nicht in großen Ereignissen zeigt, sondern in den vielen kleinen Zeichen in unserem Alltag wie zum Beispiel durch ein gutes Wort von einer anderen Person, einer helfenden Hand oder in einem Moment der Hoffnung. Wer aufmerksam hinschaut, entdeckt Spuren von Vertrauen und Zuversicht auch mitten im Alltag. Ich lade Sie ein, doch mal zurückzublicken und sich selbst zu fragen, wo in Ihrer Vergangenheit Gottes Spuren zu finden sind. Oft entdeckt man sie dort, wo man sie nicht vermutet.

Ostern ist kein einmaliges Fest, das schnell wieder vergeht. Die Botschaft der Auferstehung Christi will unser ganzes Leben prägen und unsere Zukunft mitgestalten. Die Osterbotschaft lautet: Das Leben ist stärker als die Angst, die Hoffnung stärker als die Resignation und die Liebe stärker als alles, was uns entmutigen will.

Darum gilt auch heute die Zusage Jesu, dass wir in dieser Zeit nicht alleine unterwegs sind. Gott geht mit uns, in unseren Fragen, in unseren Entscheidungen und in unseren Hoffnungen. Diese Gewissheit gibt Kraft, den Alltag zu bestehen und mit Zuversicht nach vorne zu gehen.

Wer glaubt, ist nie allein!

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