Das Reich Gottes beschreibt die liebende Gegenwart Gottes
Kommentar zum 17. Sonntag im Jahreskreis A - Soeur Danièle Faltz (26.07.2026)
Im Sonntagsevangelium erzählt Jesus zwei Gleichnisse, die sich auf den ersten Blick sehr ähneln. Er will uns das Reich Gottes näherbringen. Das Reich Gottes – oder, wie Matthäus es nennt, das Himmelreich – beschreibt die liebende Gegenwart Gottes, die Jesus allen Menschen eröffnet und die in ihm bereits Wirklichkeit geworden ist.
Dennoch schildern die beiden Gleichnisse ganz unterschiedliche Situationen. Da ist zum einen der Mann, der auf einem fremden Acker ganz unerwartet einen verborgenen Schatz entdeckt. Zum anderen begegnen wir dem Perlenhändler, der beruflich auf der Suche nach kostbaren Perlen ist und schließlich eine Perle von unvergleichlichem Wert findet.
Beide verkaufen alles, was sie besitzen, um den Schatz, um die kostbare Perle zu erwerben.
Die eigentliche Botschaft dieser Gleichnisse besteht jedoch nicht darin, dass wir auf alles verzichten müssten, um Gott zu finden. Das wäre eine allzu moralische Verkürzung.
Entscheidend ist vielmehr der Akzent, den Jesus auf die Freude legt. Der erste Mann freut sich über den unerwarteten Fund – der Schatz ist ihm gleichsam geschenkt worden, ohne dass er gezielt danach gesucht hätte. Der andere freut sich darüber, dass seine lange und beharrliche Suche endlich ihr Ziel erreicht hat.
Ähnlich ist es auch auf unserem Weg mit Gott. Manche Menschen werden von Gott ganz überraschend angesprochen. Unerwartet und ohne Vorbedingungen tritt er in ihr Leben ein und verändert es von Grund auf. Denken wir an Paulus. Andere suchen lange, stellen Fragen, warten und ringen – wie Augustinus – bis auch sie ihm schließlich begegnen. In beiden Fällen geht die Initiative letztlich von Gott aus. Das Reich Gottes ist und bleibt Geschenk und Gnade.
Darum ist die Freude übergroß und es fällt nicht schwer, auf das zu verzichten, was uns von Gott trennt. „Alles verkaufen“ ist keine Bedingung, um Gott zu finden, sondern die natürliche Folge einer tiefen Gotteserfahrung. Vielleicht könnte man diesen Ausdruck noch treffender übersetzen mit: „Alles in Gott finden.“ Es geht darum, Raum für Gott zu schaffen, das weniger Wichtige, das Unwesentliche loszulassen, damit Herz und Leben frei werden für das, was wirklich trägt.
Genau das bezeugen viele große Heilige. Charles de Foucauld und Ignatius von Loyola gaben ihre bisherigen Lebenspläne, ihre Karriere und ihren Reichtum auf, um Christus nachzufolgen. Teresa von Ávila bringt diese Erfahrung mit den schlichten Worten auf den Punkt: „Dios solo basta“ – „Gott allein genügt“.
Ist Jesus Christus für mich, ist er für uns Christen, der kostbare Schatz, die wertvolle Perle, die die tiefste Sehnsucht des menschlichen Herzens nach Liebe, Annahme und erfülltem Leben endgültig stillen?
Wenn wir diese Frage mit „Ja“ beantworten, dann muss diese Überzeugung in unserem Leben sichtbar werden: im Dienst an den Menschen, im Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit und im konkreten, alltäglichen Bemühen, das Himmelreich, d.h. die gelebte Liebe Gottes, mitten unter uns wachsen zu lassen. Liebe kann nur mit Liebe beantwortet werden. Weil Jesus sich ausdrücklich mit unseren Nächsten identifiziert hat, kann unsere Liebe zu Gott ihren Ausdruck nur finden in der Liebe zu den Menschen und in unserem Engagement für sie. Auch sie sollten Schatz und Perle für uns werden, so wie sie es für Gott sind.
Vielleicht möchte uns das dritte Gleichnis des Sonntagsevangeliums genau daran erinnern.