„Et ass e Kräiz!“
Kommentar zum 22. Sonntag im Jahreskreis A - Christine Bußhardt, Pastoralreferentin (30.08.2026)
So kommentiert man im Luxemburgischen gerne mal das Wetter, die Tagespolitik, familiäre oder berufliche Sorgen, die großen oder kleinen Zipperlein, also kurzgesagt - einfach alles, was einem gerade Angst oder Übellaunigkeit beschert.
Dass dieser Ausdruck aus der Bibel stammt, lässt sich beim Lesen des Auszugs aus dem Matthäusevangelium von heute leicht erkennen. Jede und jeder von uns muss sein eigenes Kreuz zu tragen, kann man dort lesen. So wurde das Kreuz zu einer Metapher.
Matthäus spricht von Selbstverleugnung und Verlust des eigenen Lebens. Jesus selbst hat diesen radikalen Weg gewählt.
Und sicherlich haben wir im Lauf unseres Lebens immer wieder mit Herausforderungen, Hürden und Schicksalsschlägen zu kämpfen. Dann wird der persönliche Glaube auf die Probe gestellt. Es heißt Lösungen zu finden, bewährte Strategien abzurufen und gegebenenfalls Altes loszulassen und neu zu beginnen.
Das Kreuz als unumgängliches Schicksal jedes Menschen
Dass eine derartige Botschaft Menschen bis heute faszinieren kann, versteht man nur, wenn man mehrere Deutungen der Metapher Kreuz in Betracht zieht.
In einem bekannten Kehrvers singen Christen am Karfreitag: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Auferstehung.“
Das Kreuz verbindet somit zwei Erfahrungen. Der Querbalken verkörpert die Last, die uns das Leben auf die Schultern legt. Der vertikale Stamm des Kreuzes steht dagegen für die Verbindung von Himmel und Erde, von menschlicher und göttlicher Welt, die Heil und Leben durch den Glauben an die Auferstehung verheißt.
Hier kommt das Vorbild Jesu ins Spiel, seine Botschaft vom Reich Gottes. Jesus spricht vom Frieden und der Versöhnung. Und er setzt in seinem Leben bis zum Tod am Kreuz deutliche Zeichen, die Heilung, Umkehr und Neuanfang möglich machen.
Das Kreuz verbindet also die harte Realität des irdischen Lebens mit der Hoffnung und der Zusage auf Heil und Leben bei Gott. Und so betet ein Priester unserer Pfarrei regelmäßig ein kleines Hoffnungsgebet im Rahmen der Beerdigungsfeiern für die Verstorbenen und ihre Angehörigen:
„Herr Jesus Christus,
auch Du bist als Mensch am Kreuz gestorben und bist nicht im Tod geblieben.
Du hast den Tod überwunden und bekamst ein neues Leben geschenkt. Daraus nehmen wir unsere christliche Hoffnung auf ein neues Leben nach dem Tod, ein Leben bei Gott. …“
Nun stellt sich die Frage, was wir selbst tun können, um uns mit dem Heil, das uns von Gott her zugesagt ist, zu verbinden? Und mehr noch: Für wen gilt diese Zusage überhaupt?
Todos, todos, todos … deklamierte Papst Franziskus immer wieder auf den Weltjugendtagen 2023 in Lissabon. Dies entspricht auch der Botschaft des Matthäusevangeliums. Am Ende wird nochmal zusammengefasst, was durch das Kreuz Jesu vermittelt werden soll: eine universelle Heilszusage, Rettung und Heil von Gott für alle Völker.
Die Antwort darauf ist allein unsere Hoffnung und unser Glaube. Der Glaube an einen gütigen und menschenfreundlichen Gott. Ein Gott, der verzeiht, der ermutigt und der die Last von den Schultern derer nimmt, die müde und beladen zu ihm kommen.
Das Kreuz ist Zeichen der Hoffnung, die der Liebe von Gott her den Weg bahnt.
Wer so glauben kann, bahnt der Hoffnung und der Liebe den Weg. Denn wer glaubt, nimmt sein Kreuz auf sich und folgt Jesus nach. So die Logik des Matthäus. Mit Nachfolge ist immer liebende Zuwendung zu Gott und den Menschen gemeint und besonders zu denen, die unserer Hilfe und Unterstützung bedürfen.
So eröffnet sich eine weitere Deutung des Kreuzes: es wird zum Zeichen der Begegnung, der Solidarität, des Segens, des Friedens, des Schutzes und der Ökumene.
Vielleicht können wir uns daran erinnern, wenn wir das nächste Mal in den Bergen von einem Gipfelkreuz freundlich empfangen werden.