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Sprangprëssessioun . Procession dansante  
17. Mai 2016

9.383 Springer, Musikanten, Beter und Prälaten nahmen 2016 an der Springprozession teil

Bildergalerie und Predigt der Eröffnungsandacht mit Festprediger Kardinal Willem Jacobus Eijk, Erzbischof von Utrecht, online

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Teilnehmer 2016

Die Teilnehmerzahlen der Springprozession 2016 sind:
En 2016 ont participé à la procession dansante :

Gesamtzahl / Total: 9.383 Teilnehmer / Participants

- Beter und Sänger / Pèlerins et chanteurs (Groupes A-K): 823
- Musikanten / Musiciens: 1.325
- Springer / Danseurs: 7.182
- Prälaten und Begleiter / Dignitaires ecclésiastiques: 53

Predigt von Kardinal Eijk bei der feierlichen Eröffnungsandacht

Liebe Brüder und Schwestern,

„Denkt an eure Vorsteher (das heißt die christlichen Gemeindeleiter und Seelsorger), die euch das Wort Gottes verkündet haben; schaut auf das Ende ihres Lebens, und ahmt ihren Glauben nach!“, so lesen wir im Brief an die Hebräer (Hebr 13, 7). An welche Gemeinde dieser Brief gerichtet ist, wissen wir nicht. Gleichfalls ist der Schriftsteller unbekannt. Der Hintergrund und der Zweck des Briefes sind aber deutlich: der Schriftseller ist ein Seelsorger, der sich Sorgen macht weil der Glaube in der Gemeinde, an die er seinen Brief richtet, nachlässt. Andere Auffassungen, die dem Evangelium fremd sind, ziehen immer weitere Kreise: „Lasst euch nicht durch mancherlei fremde Lehren irreführen“ (Hebr 13, 8). Um welche Auffassungen es sich handelt, wird nicht erwähnt.

Es ist bemerkenswert, dass der Glaube in dieser noch jungen Gemeinde schon angegriffen worden ist. Der Brief an die Hebräer ist geschrieben worden zwischen den siebziger und dem Anfang der neunziger Jahre des ersten Jahrhunderts, also etwa vierzig bis sechzig Jahre nach der Auferstehung Jesu, dem ersten Pfingstfest und dem Anfang der Verkündigung des Evangeliums von der Kirche. Wenn der Niedergang einmal angefangen hat, geht alles oft schnell. Unwillkürlich erinnert das alles uns an den schnellen Niedergang der Niederländischen Kirchenprovinz in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, der sich danach auch in anderen Ländern Europas manifestiert hat. Dieser Niedergang vollzog sich auch in wenigen Jahren. Wir wurden überflutet von neuen Auffassungen und Ideen, die dem christlichen Glauben widersprachen. Unsere Lage ist in gewisser Hinsicht vergleichbar mit der Gemeinde, an die der Brief an die Hebräer gerichtet ist. Auch für uns gilt der Rat, an unsere Vorsteher zu denken, die uns als Erste das Wort Gottes verkündigt haben.

Lasst uns diesen Rat befolgen. Der Heilige Willibrordus, der der Apostel der Niederlande genannt wird und hier die Abtei von Echternach gegründet hat, war einer der wichtigsten Vorsteher, die uns als erste den christlichen Glauben verkündigt haben. Was wissen wir von ihm? Was kennzeichnete ihn und welches war seine Triebfeder? Wie kann er uns heute inspirieren? Willibrordus wurde 658 in Northumberland (im Norden von England) geboren. Als zwanzigjähriger ging er ins Kloster Rathmelsighi nördlich von Dublin (Irland), um sich auf eine Mission in den Niederlanden vorzubereiten. Dort empfing er während zwölf Jahren eine gründliche Ausbildung. Er lernte die Spiritualität der Iro-schottischen Mönche kennen. 690 zog er mit seinen Gefährten in die Niederlande. Ein Jahr später empfing er von Papst Sergius I. den Auftrag, das Evangelium unter den Friesen zu verkünden. Willibrordus wollte ausdrücklich in Verbundenheit mit Rom missionieren und sich im Ganzen in die Weltkirche einfügen. Bei seinem zweiten Besuch in Rom 695 weihte ihn der Papst zum Erzbischof der Friesen und er empfing das Pallium.

Wenn wir den Geist des heiligen Willibrordus und seine Triebfedern richtig kennen lernen möchten, dann müssen wir etwas über die schon genannte Spiritualität der Iro-Schöttischen Mönche wissen. Diese strebten keiner systematischen Missionierung nach und dachten nicht zunächst an das Zustandebringen von großen Strukturen und das Gründen von Bistümern. Ihre Triebfeder, um den Glauben zu verkünden hatte an erster Stelle mit ihrem Streben nach Selbstheiligung zu tun. Sie hegten ein asketisch-mystisches Ideal: sie wollten unterwegs – ebenso wie Christus in seinem irdischen Leben und seine Aposteln – keinen Ort zu haben, wo sie ihr Haupt niederlegen konnten (Mt 8,20), ebenso wie sie nichts besitzen, das Leiden ertragen, das ihnen infolge Abweisung, Unverständnis, Widerstand und Gewalt zuteilwurde. Sie wollten ebenso wie Jesus selbst und die Apostel, auf Lateinisch „peregrini“ sein, das heißt Fremde oder Pilger. Ihr Ideal war es, ebenso wie Jesus und die Apostel als Fremde ohne festen Wohnsitz die Frohbotschaft weiterzugeben, seinem Aufruf gemäß: „Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen“ (Mt 19, 29).

Willibrordus und seine Gefährten wollten diesen Aufruf befolgen, dadurch dass sie ihr Vaterland mit seinen schon ausgebauten und weit verbreiteten christlichen Strukturen verließen, um im Festland Europas bei uns als peregrini Christus und sein Evangelium zu verkünden. Willibrordus hat empfunden, was es heißt mit Jesus unterwegs zu sein ohne sich auf feste Strukturen verlassen zu können. Er und seine Gefährten hatten dieselbe Empfindungen wie Jesus während seines irdischen Lebens. Sie begegneten auch Unverständnis und Verfolgung. Sie haben empfunden, was es heißt, dass ein Jünger nicht über seinem Meister steht (Mt 10, 24).

Willibrordus hatte natürlich auch versucht sich auf Strukturen zu stützen: er hat die Beschützung vom Fränkischem Königshaus gesucht und Klöster gegründet, um die Mission zu unterstützen. Aber am Anfang gab es gar keine Strukturen. Und was er an Strukturen gegründet hat, wurde öfters wieder vernichtet, zum Beispiel während einer Rebellion der Friesen unter ihrem König Radbod. Dies bietet auch eine der Deutungen für die Weise, in der die Springprozession bis 1947 gehalten wurde: abwechselnd drei Schritte nach vorne und zwei rückwärts. Dies widerspiegelte die Missionierung, die im Großen und Ganzen viel Frucht gebracht hat, aber nicht ohne Periode ernsthafter Rückschläge.

Weil Willibrordus und seine Gefährten sich am Anfang nicht auf feste christliche Strukturen stützen konnten und die Strukturen, die sie aufgebaut hatten öfters wieder vernichtet wurden, war ihre Iro-schottische Spiritualität nicht nur ihre Triebfeder, sondern auch das wichtigste Mittel ihrer Missionierung. Die direkte Nachahmung Jesu in ihrem Lebensstil gab ihnen eine starke persönliche Ausstrahlung als Jünger Jesu. Dies kam gut an: schon bald schlossen sich ihnen Missionare aus den missionierten Gebieten selbst an, beseelt mit demselben Feuer – so der heilige Liudger, der Gründer des Bistums Münster, geboren in Zuilen, einem Dörfchen in der Nähe von Utrecht und jetzt ein Viertel dieser Stadt.

Können wir hier nicht einen Vergleich ziehen mit was sich auch später mehrfach in der Kirche ergab? Während der Französischen Revolution und der Nachrevolutionszeit zum Beispiel verlor die Kirche in Westeuropa viele ihrer Strukturen und sie machte verschiedene Schritte nach hinten. Im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts aber machte die Kirche wieder viele Schritte nach vorne.

Leider sollten wir feststellen, dass die Kirche in den letzten fünfzig Jahren wieder ziemlich viele Schritte nach hinten gemacht hat. Die Weitergabe des Glaubens ging bis in die fünfziger Jahre fast von selbst durch unsere starken Pfarreien, katholischen Schulen und andere Strukturen getragen, die in der Vergangenheit dabei eine große Rolle spielten. Für uns gilt noch mehr als in der Vergangenheit der Rat: denkt an eure Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben. Willibrordus und seine Gefährten sind für uns ein Beispiel durch ihren festen Willen, gegründet auf die Spiritualität der Iro-schottischen Mönche, um mit Jesus unterwegs zu sein, auch ohne große Strukturen, auch bei Gegenwind. Das befähigte sie Unverständnis, Kritik, Widerspruch und Rückschläge zu ertragen und gab ihnen die Ausstrahlung, die die Jünger Jesu in dessen irdischen Leben hatten. Dies war es eben, wodurch ihre Missionierung – trotz der öfters notwendigen Schritte rückwärts – sehr fruchtbar war.

Wir haben jetzt Schritte rückwärts gemacht und können uns auf immer weniger Strukturen verlassen. Wir können den heiligen Willibrordus nicht buchstäblich nachahmen, aber uns wohl von seiner Spiritualität inspirieren lassen. Sie weisen uns nicht nur einen Weg zur Selbstheiligung, sondern lehren uns zugleich, wie wir auch ohne Strukturen jeder Art den Glauben verkünden können. Seine Spiritualität, gerichtet auf die Entwicklung einer überzeugenden persönlichen Ausstrahlung als Jünger Jesu, ist dabei mehr als wir uns vielleicht bewusst sind, wegweisend für die Neuevangelisierung von Westeuropa. Ich bin gar kein Prophet, aber wir können vorhersehen, dass unsere heutige säkulare Kultur auch nicht für immer bleiben wird und irgendwann in der Zukunft wieder durch eine andere Kultur ersetzt werden wird. Und wer weiß, vielleicht können wir dann auch in Bezug auf unsere christlichen Strukturen wieder einige Schritte nach vorne machen. Amen.

Pfingstdienstag, 17. Mai 2016

05.15 Uhr: Eintreffen der Teilnehmer der Route-Echternach-Sternwallfahrt
05.30 Uhr: Messe für die Teilnehmer der Route-Echternach
06.45 Uhr: Gemeinschaftsmesse in der Krypta
07.20 Uhr: Messe für die Pfarreiengemeinschaft Schweich
07.30 Uhr: Echternacherbrück:
Empfang der Pilger von Großprüm und Waxweiler durch den Vorstand des Willibrordus-Bauvereins. Die Pilger werden in geschlossener Prozession zur Basilika geleitet.

08.00 Uhr: PONTIFIKALKONZELEBRATION IN DER BASILIKA

Ab 08.30 Uhr: Aufstellen der Prozession für die Gruppen A-J und 1-10 im Ehrenhof der Abtei

09.15 Uhr: Ansprache von Mgr. Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg

09.30 Uhr: BEGINN DER SPRINGPROZESSION

Die Springgruppen 11-40 finden sich im Abteihof ein und stellen sich zu den ihnen zugeordneten Musikgesellschaften auf.

13.00 Uhr: Voraussichtliches Eintreffen der letzten Springergruppen in der Basilika
SCHLUSSANDACHT

Anschließend: HL. MESSE IN DER BASILIKA

15.15 Uhr: Lof en zegen van’t Sacrament
(St. Willibrordus parochie Eisden en Willibrordus Vrienden van Limburg)
16.15 Uhr: Hl. Messe in der Krypta (Abtei Kornelimünster)

Foto: by Roger Nilles [cc by-nc-dc] via phototheque.cathol.lu

Kirchliche Würdenträger bei der Springprozession

Mit dem Erzbischof von Luxemburg, Mgr. Jean-Claude Hollerich, und mit seinem Vorgänger Mgr. Fernand Franck werden folgende kirchliche Würdenträger an der diesjährigen Springprozession teilnehmen:

  • S.Em. Kardinal Willem Jacobus Eijk, Erzbischof von Utrecht (NL)
  • S.E. Mgr. Giacinto Berloco, Apostolischer Nuntius in Luxemburg
  • S.E. Mgr. Frans Wiertz, Bischof von Roermond (NL)
  • S.E. Mgr. Felix Genn, Bischof von Münster (D)
  • S.E. Mgr. Jean-Christophe Lagleize, Bischof von Metz (F)
  • S.E. Mgr. Stephan Ackermann, Bischof von Trier (D)
  • S.E. Mgr. Everardus Johannes De Jong, Weihbischof in Roermond (NL)
  • S.E. Mgr. Jörg Michael Peters, Weihbischof in Trier (D)
  • S.E. Mgr. Theodorus Hoogenboom, Weihbischof in Utrecht (NL)
  • S.E. Mgr. Wilfried Theising, Weihbischof in Münster (D)
  • S.E. Mgr. Franz Vorrath, ehem. Weihbischof in Essen (D)
  • Rev. Dom Michel Jorrot OSB, Abt von Clervaux (L)
  • Rev. Dom Ignatius Maaß OSB, Abt von Sankt Mathias, Trier (D)
  • Rev. Dom Friedhelm Tissen OSB, Abt von Kornelimünster (D)
  • Rev. Dom Johannes Müller OCist, Abt von Himmerod (D)
  • Dom Albert Sieger OSB, Administrator von Maria Laach (D)

Alle Infos zur Aufstellung, zur Springprozession, zur Geschichte der Prozession und zum hl. Willibrord auf www.willibrord.lu

 
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