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Sprangprëssessioun . Procession dansante  
25. Mai 2015

„Wir Gläubigen müssen heute bereit sein Zeugen des Leidens Christi zu sein!“

Festpredigt von Kardinal Antonio Maria Rouco Varela bei der Echternacher Springprozession

Predigt des Hochw. A. M. Kardinal Rouco Varela, Erzbischof em. von Madrid, in der Klosterkirche Echternach am 25.5.2015

Meine lieben Brüder und Schwester in Christus, der auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist und seinen Jüngern am Pfingstfest den vom Vater kommenden Geist gesandt hat.

Es ist für mich eine besondere Ehre an der Springprozession zum Grab des Hl. Willibrord in der Klosterkirche in Echternach im neuen Jahr 2015 teilzunehmen. Eine zugleich kirchliche und persönliche Ehre, die mir durch die sehr brüderliche Einladung des Hochwürdigen Herrn Erzbischofs von Luxemburg, Seine Exzellenz Jean-Claude Hollerich, zuteilwurde. Lassen Sie mich, lieber Herr Erzbischof, gleich jetzt Ihnen dafür einen sehr herzlichen Dank sagen. Denn es handelt sich bei Ihrer sehr freundlichen Einladung mehr als um eine Ehre. Man darf dabei von einer großen Freude und einer unverdienten Gnade sprechen.

Seit vielen Jahrhunderten – seit über tausend Jahren vielleicht – pilgern die Gläubigen des altchristlichen Landes – Luxemburg, mit den von allen Himmelsrichtungen her umliegenden europäischen Gebieten – zu diesem ehrwürdigen Ort, wo das Grab des Heiligen Willibrord, ihres ersten Boten des Evangeliums am Ende des siebten Jahrhunderts des christlichen Zeitalters und ersten Bischofs ihrer Partikularkirche, sich befindet: nämlich die Kirche des Klosters Echternach, die von einer Heiligen, der Hl. Irmina gegründet und von ihr dem großen angelsächsischen Missionar Willibrord übertragen wurde. Die frühe Evangelisierung der Friesen und des ganzen nordwestlichen europäischen Raumes im frühen Mittelalter wäre undenkbar ohne das Kloster Echternach und ohne jenen Missionar Willibrord, den Mönch der von Irland aus auf das Festland kam und bald nachher von Papst Sergius I. als Bischof geweiht und zum Erzbischof von Utrecht ernannt wurde und welcher unter dem Schutz der karolingischen Könige die heidnischen Stämme und Völkerschaften an der nordwestlichen Meerküste Europas zum Glauben an Christus den fleischgewordenen ewigen Sohn Gottes und Heiland der Menschen und der Welt bekehrte. Nicht zufällig hat die spätere Kirchengeschichte in zustimmender Verbindung mit den frommen Gefühlen und der Verehrung der neuen christlichen Völker den Hl. Willibrord als „Apostel der Friesen“ anerkannt. Was mag diesen jungen angelsächsischen Mönch und seine elf Gefährten dazu bewegt haben, die eigene Heimat zu verlassen und eine damals sehr gefährliche Seefahrt zu unternehmen, um fremden und feindseligen Ländern und Leuten die Frohe Nachricht des Evangeliums zu verkündigen? Es war mit aller Sicherheit eine blühende Liebe zu Jesus Christus, den Herrn, den Bruder, den Freund und Heiland – und damit einhergehend – eine echte selbstlose Liebe zu den Menschen, die ihn noch nicht kannten, die sie bewegte. Dies geschah in der iroschottischen Zeit der Kirche auf den britischen Inseln, wo eine mönchische Spiritualität sich entfaltete, deren geistige Mitte die persönliche Begegnung mit dem Herrn Jesus Christus und das kontemplative Erlebnis seiner Gegenwart in der Kirche und in der Seele war und einen apostolischen Eifer entfachte, dem die jungen Mitglieder der iroschottischen mönchischen Gemeinschaften (unter welchen auch der Hl. Bonifatius zu rechnen ist) nur mit einer unbedingten Bereitschaft zur Evangelisierung der heidnischen Völker auf der gegenüberliegenden nordwestlichen Küste Genüge tun könnten. Die Kirche, die tief in die menschliche und religiöse Welt jener heidnischen Sippschaften und ihrer adligen Familien eingepflanzt wurde, wuchs jung und frisch in der Kraft des Heiligen Geistes. Es handelte sich um den wahren Geist, der einen neuen Sinn für die Wahrheit, die Güte und die Schönheit einer Welt und einer Menschheit, die Gott geschaffen und von der Sünde und von dem Tod erlöst hatte. Mensch und Welt sind wahrhaft durch das Pascha-Mysterium des auferstandenen Christus neue Kreaturen geworden. Ein licht-, hoffnungsvoller Horizont hat sich damit geöffnet, um in diesem Geist eine neue Kultur und ein geheiltes und gesundes Menschentum und eine tief erneuerte Ordnung der Gesellschaft und des friedlichen Zusammenlebens der Weltvölker und Nationen gestalten zu können. Das christliche Europa fing an, geistig und kulturell in seiner nordwestlichen Seite geboren zu werden und sich zu entwickeln, gerade zu einem Zeitpunkt an welchem im Mittelmeerraum der Islam in den religiösen und politischen Ebenen der Weltgeschichte auftrat, gerade also in den Gebieten der apostolischen und frühchristlichen Mission in Asien, Afrika und Südeuropa, wo die Evangelisierung der südeuropäischen Völker mit der Mission der zwölf Apostel des Herrn – mit Petrus an der Spitze, und mit Paulus dem Heidenapostel – unmittelbar und direkt nach dem Ereignis von Pfingsten begonnen hatte. Es war ein Auftreten, welches mit einem äußerst dynamischen Expansionsdrang lief und sowohl in religiösen und politischen wie in militärischen Formen sich ausdrückte. Gerade in den apostolisch wirkungsvollsten und fruchtbarsten Jahren des Hl. Willibrord, d.h. in der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts unseres Zeitalters, fanden der Beginn und die ersten militärischen Erfolge des Islams mit der Eroberung der iberischen Halbinsel statt. Somit öffnete sich eine islamische Herrschaft auf dem westgotischen „Hispania“, die fast acht Jahrhunderte (bis zum Jahre 1492) dauern würde. Das altspanische westgotische Reich brach fast vollständig zusammen und die alte frühchristliche Kirche, die schon zu Zeiten des römischen „Hispania“ gegründet wurde und sehr fruchttragend aufgewachsen war – die Kirche der Konzilen von Toledo und von den spanischen Kirchenvätern, unter denen die vorbildliche Figur des Hl. Isidorus groß überragt –, ging schrittweise in die Verfolgung. Die Geschichte der so genannten „mozarabischen Kirche“ ist in dieser Hinsicht von einer außerordentlichen Beredsamkeit.

Die Springprozession, die uns ein neues Mal im Jahr 2015 zum Grab des Hl. Willibrord als Pilger des Glaubens führt, erlaubt uns – besser noch – verpflichtet uns – auf die christlichen Ursprünge von Europa zurückzublicken, um auf ihrer geschichtlichen Betrachtung die geistigen und ethischen Möglichkeiten für eine solid begründete und fruchtreiche Lektüre seiner Gegenwart zu gewinnen. Von der Krise in den europäischen Gesellschaften zu reden, ist heute beinahe ein Gemeinplatz geworden sowohl in den Medien, in den intellektuellen und politischen Kreisen wie auch allgemein in der öffentlichen Meinung die Kirche auszuschließen. Man unterstreicht bei der Schilderung ihrer äußeren Erscheinung und in deren soziologischen und kulturellen Analysen besonders das Gewicht der wirtschaftlich-finanziellen und der gesellschaftspolitischen Ursachen. Nun die Fakten sprechen eine viel nuanciertere Sprache. Die fortschreitende Alterung der europäischen Bevölkerung, der wachsende Verfall von Ehe und Familie mit seinen zum Teil dramatischen Folgen für die Kinder – die Kinder sind die ersten, die unschuldigsten und die schwächsten leidtragenden Hauptopfer der Zerrüttung der Ehe ihrer Eltern und ihrer Familien –; das Problem der Abtreibung und der Euthanasie, die unter vielen unserer jungen Leute grassierende ideologische Verwirrung, der so genannte Multikulturalismus und der religiöse Pluralismus unserer Gesellschaften, die Zunahme eines entmutigenden Skeptizismus angesichts der europäischen Zukunft, usw. sind unausweichliche, die europäische Gegenwart kennzeichnende, machtvolle Realitäten, die sich nicht in der Begriffs- und Sachwelt der wirtschaftstechnischen und sozialpolitischen Kategorien unterbringen lassen. Die wahren und ersten Hauptursachen der europäischen Krise liegen viel tiefer. Ihr nicht zu übersehender Hintergrund ist geistesgeschichtlicher Art. Mit Benedikt XVI. müsste man die heutige europäische Problematik als eine Frage „des inneren Menschen“ bezeichnen, welche die Problemstellung nach dem Seelenbegriff und nach dem entsprechenden Seelenerlebnis einschließt (cf. Benedikt XVI. Caritas in Veritate, 76). Der Papst zweifelte nicht sogar von einer Krise der Kirche in Europa zu sprechen, in den an die römische Kurie gerichteten Worte am 22.12.2011: „Der Kern der Krise der Kirche in Europa – sagte er – ist die Krise des Glaubens“. Sollte nicht unsere Springprozession in diesem Jahr auf eine ganz ausgesprochene Weise als eine Wallfahrt des Glaubens aufgefasst und begangen werden? Sicher Ja!

Der Heilige, den wir verehren, der Hl. Willibrord war einer der ersten und erfolgreichsten Missionare in dem in seinen nordwestlichen Ländern werdenden christlichen Europa, der sich nicht scheute unermüdlich und tapfer das Evangelium sogar bis zum Opfer seines Lebens, d.h. bis zum Martyrium um Christi Willen zu verkünden. Wie es im Falle seines bischöflichen Mitbruders des Hl. Bonifatius geschehen würde. Willibrord, der erste Erzbischof von Utrecht, der bald nach seinem Tod und seit damals bis heute ohne Unterbrechung von dem christlichen Volk als „Apostel der Friesen“ ausgerufen und verehrt wurde, fordert uns die heutigen Katholiken auf – gleich wie oft unsere Vorfahren in sehr schwierigen Zeiten unserer Kirchengeschichte –, tapfere und missionseifrige Zeugen des Glaubens an Jesus Christus, unsern Erlöser und Heiland, zu sein. Willibrord öffnete mit einem unglaublich feurigen apostolischen Eifer seinen Zeitgenossen vor allem in Friesland, im ganzen Rheinmündungsgebiet und in Thüringen den goldenen Weg des wahren christlichen Glaubens. Der Glaube, den Romano Guardini schön und trefflich als „die Antwort des Menschen an den Christus kommenden Gott“ kennzeichnete (cf. Romano Guardini, Vom Leben des Glaubens, Regensburg 1963 (5), 32). Einen Weg, den unsere Väter Jahrhunderte hindurch nicht verlassen haben. Es war seine wertvollste Hinterlassenschaft, die wir nicht vergeuden dürfen und welche wir an die nachkommenden Generationen unversehrt weiterleiten sollen. Man spricht heute sehr oft und sehr viel von den europäischen Werten, die in dieser krisenhaften Stunde der europäischen Zivilisation nicht verloren gehen dürfen. Muss man nicht unter diesen Werten den auch in seiner menschlichen Fruchtbarkeit sehr kostbaren Wert des katholischen Glaubens rechnen? Wenn man die Stimme des Gewissens sprechen und hören lässt, bleibt uns keine andere Wahl als die positive bejahende Antwort. Man darf nicht daran zweifeln, dass es um die schwerste Verantwortung geht, welche die Kirche – bzw. alle ihre Kinder und ganz besonders ihre Hirten – den europäischen Mitbürgern und den europäischen Gesellschaften gegenüber heute schulden.

Wir haben gehört in der Lesung des ersten Briefes des Hl. Petrus, wie die Ältesten der Gemeinde – Bischöfe und Priester – dringend und zugleich herzhaft ermahnt wurden, für die ihnen „anvertraute Herde Gottes zu sorgen“. Er schrieb den Brief in Zeiten der Verfolgung und des Leidens für Christus. „Schau auf den Durchbohrten“, zugleich jedoch auf den Auferstandenen war für jene verfolgte kirchliche Gemeinde das Gebot der Stunde. „Die Zeichen der Zeit“ bedeuteten für die Gläubigen und ihre Hirten in jener Stunde der Verfolgung, gerade als die frühchristliche Gemeinde sich zu bilden anschickte, die gläubige Anforderung zu einer christlichen Tapferkeit, die von den theologischen Tugenden der Hoffnung und der Liebe getragen werden müsste.

Auch heute geht es den Christen in vielen Teilen der Welt und sogar in bestimmten Milieus unserer abendländischen Gesellschaften nicht anders. Wir Gläubigen und in ganz besonderer und qualifizierter Weise die Hirten müssen heute bereit sein „Zeugen des Leidens Christi“ zu sein, die auch an der Herrlichkeit teilhaben sollen, die sich offenbaren wird und zwar „als Vorbilder für die Herde“ (cf. 1 Petr 5, 1-4).

Der Schutz unseres Hl. Patrons Willibrord wird uns in dieser schicksalhaften Stunde der Kirche in Europa angesichts unserer Zukunft nicht versagt bleiben. Umso weniger wird uns der mütterliche Beistand Marias, Mutter des Herrn und Mutter der Kirche, „Trösterin der Betrübten“ fehlen. Nun lassen sie mich mit den Worten des Hl. Johannes Paulus II. in seinem Schreiben „Ecclesia in Europa“ für die Kirche und das Volk von Luxemburg und Europa ihre mütterliche Fürbitte anflehen: „Zeige dich Mutter der Hoffnung und sorge für uns“: für die Alten, die Kranken, die Kinder, die Arbeitslosen, die Emigranten, die Verfolgten, die Sünder, für diejenigen, denen zu glauben schwer fällt…; „beschütze die Menschheit des dritten Jahrtausends“; „Gib uns Jesus“. Es klingt auch sehr schön zu beten in der Weise wie Benedikt XVI. zu Ihr seine Bitte in der Enzyklika Deus Caritas est gerichtet hat: „Zeige uns Jesus. Führe uns zu Ihm. Lehre uns Ihn kennen und lieben, damit auch wir selbst wahrhaft Liebende und Quelle lebendigen Wassers werden können inmitten einer durstenden Welt“.

Nur so, auf dem Weg des Gebetes wird es der Kirche im heutigen Europa, ihren Gläubigen und Hirten möglich und sogar leicht Zeugen der Freude des Evangeliums für seine Bürger, seine Familien, seine Völker zu sein, wie unser Heiliger Vater Franziskus es sich wünscht (cf. Johannes Paul II., Ecclesia in Europa, 125; Benedikt XVI., Deus Caritas est, 42; Papst Franziskus, Evangelii Gaudium, 1).

(Inoffizielle Abschrift der Predigt von S.E. A. M. Kardinal Rouco Varela. Es gilt das gesprochene Wort!)

Pfingstdienstag, den 26. Mai 2015

05.15 Uhr: Eintreffen der Teilnehmer der Route-Echternach-Sternwallfahrt
05.30 Uhr: Messe für die Teilnehmer der Route-Echternach
06.45 Uhr: Gemeinschaftsmesse in der Krypta
07.20 Uhr: Messe für die Pfarreiengemeinschaft Schweich
07.30 Uhr: Echternacherbrück:
Empfang der Pilger von Grossprüm und Waxweiler durch den Vorstand des Willibrordus-Bauvereins. Die Pilger werden in geschlossener Prozession zur Basilika geleitet.

08.00 Uhr: PONTIFIKALKONZELEBRATION IN DER BASILIKA

Ab 08.30 Uhr: Aufstellen der Prozession für die Gruppen A-J und 1-10 im Ehrenhof der Abtei

09.15 Uhr: Ansprache von Mgr. Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg

09.30 Uhr: BEGINN DER SPRINGPROZESSION

Die Springgruppen 11-40 finden sich im Abteihof ein und stellen sich zu den ihnen zugeordneten Musikgesellschaften auf.

13.00 Uhr: Voraussichtliches Eintreffen der letzten Springergruppen in der Basilika
SCHLUSSANDACHT

Anschliessend: HL. MESSE IN DER BASILIKA

15.15 Uhr: Lof en zegen van’t Sacrament
(St. Willibrordus parochie Eisden en Willibrordus Vrienden van Limburg)
16.15 Uhr: Hl. Messe in der Krypta (Abtei Kornelimünster)

Alle Infos zur Springprozession, zur Geschichte und zum Ablauf hier

 
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