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25. März 2020

100 Jahre Bischofsweihe von Pierre Nommesch

Ein Beitrag von Georges Hellinghausen

Vor hundert Jahren brach mit der Bischofskonsekration von Pierre Nommesch eine Periode von Friede und Aussöhnung in Land und Bistum Luxemburg an. Sie beschloss eine lange Zeit von Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Staat, die in der Politik und in der Bevölkerung tiefe Spuren und Wunden hinterlassen hatten.

Das ist das historische Verdienst von Pierre Nommesch, dritter Bischof von Luxemburg (1920-1935). Von Charakter, Überzeugungen und Weltanschauung her auf Versöhnungskurs, läutete er Jahrzehnte der Eintracht inner- wie ausserkirchlich ein. Dass der Katholizismus, bedingt durch bedeutende Eckpfeiler in der Gesellschaft wie Rechtspartei (Vorgänger der CSV), „Luxemburger Wort“, die religiösen Kongregationen und die Caritas, die katholischen Vereine, den christlichen Gewerkschaftsbund LCGB, zur hauptsächlichen politisch-gesellschaftlichen Kraft im Großherzogtum wurden, kam ihm dabei entgegen und wurde von ihm gefördert.

Eine staatspolitische Affäre

Konsekriert wurde Bischof Nommesch vor einem Jahrhundert, am 25. März 1920, in der Luxemburger Kathedrale. Vorausgegangen war eine Sedisvakanz von 15 Monaten – sein Vorgänger Jean-Joseph Koppes hatte am 29. November 1918 das Zeitliche gesegnet. Die Ernennung fiel in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die politische Eigenständigkeit Luxemburgs zur Debatte stand, ebenso der Fortbestand der Monarchie, und die Nachbarstaaten Frankreich und Belgien ein begierliches Auge auf das Großherzogtum warfen. So mischten die Siegermächte eifrig mit bei der Bestellung eines neuen katholischen Oberhirten, dabei besonders der Frage seiner politischen Einstellung, um sich abzeichnenden Eventualitäten Rechnung zu tragen. Auch Rom konnte sich diesen Ansprüchen nicht entziehen.

All das zögerte Wahl und Ernennung hinaus, bis sich schließlich Ende 1919 der 56-jährige Pfarrdechant aus Bettemburg Pierre Nommesch als politisch neutral, pro-luxemburgisch, weder nach Belgien noch Deutschland hin präjudiziert und auch innenpolitisch tragbar, herauskristallisierte. Nommesch stammte aus einer Greiweldinger Winzerfamilie und war am 16. Dezember 1864 dort geboren. Nach seinem Studium in Rom hatte er zunächst als Kaplan an der Kathedrale, dann als Pfarrer in Kayl gewirkt. Die Bischofsernennung erfolgte am 8. März 1920. Bei der Konsekration gut zwei Wochen später – weihender Bischof war Internuntius Sebastiano Nicotra – waren neben großen Menschenmassen und der politischen Prominenz viele Prälaten aus dem Ausland anwesend, was die hohe Bedeutung und Verantwortung des neu Ernannten im Nachkriegs-Luxemburg dokumentierte.

Marianisch und patriotisch

Nommesch war durch und durch marianisch. Sein Bischofswappen trägt das Bild der Consolatrix Afflictorum auf einer Wolke über der alten, während der Französischen Revolution abgerissenen Glaciskapelle. Auch sein Wappenspruch war an die Gottesmutter gerichtete: „Tuus sum ego. Dein bin ich.“

Nommesch setzte sich ein für die Muttergottes-Oktave. 1921 wurde die 250-Jahrfeier der Erwählung der „Trösterin der Betrübten“ zur Stadtpatronin nachgefeiert (1916 im Krieg war das nicht möglich gewesen). Nun wurde auch die nationale Wallfahrtszeit verlängert: von 10 auf 14 Tage, so dass die Oktavzeit seither und bis heute zwei Wochen umfasst. Der Plan, den wachsenden Pilgerstrom durch eine neue, großräumigere Wallfahrtskirche zu kanalisieren, wurde schließlich nur in der Kleinvariante durchgezogen: Der Ausbau der Kathedrale (1935-1938) wurde noch unter ihm in die Wege geleitet, aber erst nach seinem Tod vollendet.

Nommesch bekannte sich zu Volksfrömmigkeit und Luxemburger Eigentraditionen, war patriotisch und dynastisch eingestellt, dabei genauso romorientiert wie seine Vorgänger. Pilgerreisen in die Ewige Stadt begleitete er ebenso wie die regelmäßigen Wallfahrten nach Lourdes.

Katholische Aktion

Der seit Jahrzehnten schwelende Schulkonflikt wurde dank seiner einvernehmlichen Haltung dahingehend gelöst, dass das von Bischof Koppes verworfene Schulgesetz von 1912 leicht abgeändert wurde. So konnte der in die Pfarreien verlegte Religionsunterricht wieder in der öffentlichen Schule seinen Platz einnehmen.

Weitere Achsen seines bischöflichen Wirkens waren: ein Eucharistischer Nationalkongress 1924, die Förderung der Herz-Jesu-Verehrung, der Einsatz für Priesterberufe und der Umzug des Priesterseminars nach Limpertsberg 1930.

Ein besonderes Anliegen war ihm die Einführung der auf Pius XI. zurückgehenden Katholischen Aktion mit dem Ziel, durch Laienapostolat das Reich Christi in der Gesellschaft zu vergegenwärtigen. In diesem Sinn führte er ab 1929 die bestehenden katholischen Vereine zusammen.

Msgr. Nommesch starb 70-jährig am 9. Oktober 1935 und wurde als erster Bischof in der noch nicht fertiggestellten Krypta der Kathedrale beigesetzt.

Fotos: Privatarchiv
Georges HELLINGHAUSEN
georges.hellinghausen cathol.lu
 
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