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25. Mai 2018

Das S-Wort

Ein ganz persönlicher Kommentar zum Pfingstdienstag

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Wer hören kann, auch!
Das Wort „Sauerei“ ist bei denen, die es gehört haben, hängen geblieben.

Da hat sich der Erzbischof doch am Pfingstdienstag bei der Eröffnung der Springprozession tatsächlich erdreist, das S-Wort zu benutzen... Die Reaktionen auf diese deutliche, ja harsche Kritik blieben nicht aus, in den Medien wie in den Netzwerken, ja selbst einzelne Minister sahen sich genötigt zu zwitschern... Die echauffierte Wortwahl in manchen Reaktionen ging zum Teil weit über die Qualität des S-Wortes hinaus. Sogar von Fake-News und Scheindebatte war die Rede. Interessant, aber leider scharf an der Wahrheit vorbei.

Doch, was hatte der Bischof gesagt? Das S-Wort bezog sich (manche Medien nehmen es da nicht ganz so genau) nur auf den Umstand, dass Kinder, die am Pilgertag ihrer Pfarrei teilnehmen, benachteiligt würden, wenn an demselben Tag in der Schule eine Prüfung angesetzt wird. Welche verantwortlich handelnden Eltern werden da ihrem Nachwuchs eine Entschuldigung schreiben, wenn sie wissen, dass ihr Kind nicht nur den Lernstoff, sondern auch einen Test verpasst. Das beliebte Jeder-kann-teilnehmen-Mantra aus Bildungskreisen ist nicht mehr als eine theoretische Floskel ohne jede Substanz - und wenn sie ehrlich sind, wissen jene, die so etwas sagen, es selbst. Und haben wir das nicht schon gehört... bei anderen Gelegenheiten in der rezenten Vergangenheit? Mit der billigen, rein rhetorischen Frage „Wo ist das Problem?“ wird jede Kritik routiniert retourniert.

Und, es kommt noch besser: eine Ministerin weist sogar ausdrücklich darauf hin, dass es verboten ist am ersten Schultag nach einer Urlaubswoche, einen Test zu schreiben (ergo wäre der Pfingstdienstag 2019 sowieso prüfungsfrei) und veröffentlicht das entsprechende Reglement praktischerweise gleich mit. Ach hätte sie sich doch wenigstens die Mühe gemacht, ihren Kalender zu konsultieren. Dann hätte sie gemerkt, dass vor dem Pfingstdienstag 2019 schon eine ganze Woche Schule ist (Pfingstferien vom 25. Mai bis 2. Juni)... demnach an besagtem 11. Juni 2019 durchaus Prüfungen stattfinden können. Es wird einfach zu viel getwittert...

Das Problem bleibt, dass Kinder, die zwar teilnehmen dürfen, faktisch benachteiligt werden, wenn sie es denn tun. Das sind keine Fake news. Man könnte dem entgegen halten: Sie haben ja die Wahl! Aber jetzt mal ehrlich: Was ist das für eine Wahl?

Dass es sich hier tatsächlich um eine Frage der Religionsfreiheit handelt, wollen viele nicht wahrhaben oder es ist ihnen egal. Ist aber so. Keiner sollte benachteiligt werden, wenn er an diesen einzelnen, besonderen Tagen im Jahr an einer religiösen Feier teilnehmen will; weder am Pilgertag während der Oktave noch bei der Springprozession. Wenn einzelnen Politikern (es gibt auch andere) Jahrhunderte alte Traditionen, die Land, Stadt und Leute geprägt haben und auch heute noch von Gewicht sind, egal sind, dann sollten sie auch den Mut haben, es so zu sagen... und nicht die Öffentlichkeit mit Alles-Kein-Problem-Geschwafel zu blenden. Dass mit dem Unesco-Statut auch Auflagen verbunden sind, dürfte ihnen nicht unbekannt sein. Doch was tun sie...?

Ja, das liebe S-Wort - man kann es nun mögen oder nicht - es wird nachhallen. Es hat eine Diskussion entfacht, vielleicht auch Polemik provoziert. Aber, wo ist das Problem, wäre ich geneigt zu sagen. Man muss auch heute deutliche Kritik äußern dürfen, auch einem Bischof sollte man dieses Recht nicht absprechen; besonders wenn es um grundlegende Fragen zu Religionsfreiheit und gelebter Volksfrömmigkeit geht, steht er in der Pflicht. Dass es zudem um nationales Kulturgut, das wir gerne an ahnungslose Touristen „verkaufen“, bedeutende Traditionen und Landesgeschichte geht, macht die Sache nicht weniger wichtig.

Vielleicht hatte das S-Wort ja sein Gutes. Zumindest hat es aufhorchen lassen und eine Debatte angestoßen, die sicher nötiger ist, als manch einer glauben mag.

 
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