lb fr pt en de
 
4. Oktober 2017

Die Kirche liebt Europa und glaubt an seine Zukunft

Schlussbotschaft der Vollversammlung der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) in Minsk, Weißrussland, 27. September – 1. Oktober 2017

Die Kirche liebt Europa und glaubt an seine Zukunft: Europa ist nicht nur ein Kontinent, sondern eine spirituelle Aufgabe. So haben wir denn auch auf der Vollversammlung im weißrussischen Minsk unseren Willen zu einer engagierten Teilhabe an dem Weg Europas bekräftigt, denn unter dem Aspekt der Gegenseitigkeit hat Europa allen etwas Großes zu bieten.

Es ist die Aufgabe unseres Rates, die Gemeinschaft der Hirten aus den verschiedenen Nationen zu fördern und Wege zu finden, damit die Stimme unseres Herrn Jesus wieder im Herzen des „europäischen Menschen“, der Kultur und der Gesellschaft widerhallt, denn woran lässt sich die Menschenwürde sicher verankern, wenn nicht am Mensch gewordenen Sohn Gottes? Dies ist der spezifische Beitrag des Christentums zur europäischen Identität, und davon legen zweitausend Jahre Barmherzigkeit, Kunst und Kultur ein lebendiges Zeugnis ab.

Voller Zuneigung wünschen wir uns mit Papst Franziskus einen „neuen kräftigen Schwung für diesen geliebten Kontinent“. Im Bewusstsein, die Überbringer einer guten Nachricht zu sein, dürfen wir bei diesem Schwung nicht fehlen. Die Botschaft, die zu übermitteln wir der Welt schuldig sind ist stark, bedient sich aber eines einfachen Instruments: Das Evangelium Jesu Christi ist die immerwährende Quelle der Geschichte Europas und seiner humanistischen Tradition, seiner Demokratie ebenso wie der Rechte und Pflichten seiner Menschen. Und es ist deren sicherste Garantie!

Trotz mancher Bewegungen, die dazu tendieren, die Menschen zu isolieren, glauben wir an jene Einheit der spirituellen und ethischen Ideale, die seit jeher die Seele und das Schicksal Europas ausmacht. Und wir glauben an einen kontinuierlichen Weg der Versöhnung, der nicht nur Teil der Geschichte, sondern des Lebens an sich ist und der zur Achtsamkeit gegenüber den verschiedenen Traditionen und Religionen führt, zu ihrer Aufwertung jenseits aller Extremismen.

Die Öffnung hin zu Religion und Transzendenz, zu Gemeinschaft und Solidarität der Beziehungen hat im Evangelium ihr lebendiges Gesicht; hier zeigt sich die einzigartige Würde eines jeden Menschen, an ihr inspiriert sich der nicht immer einfache Weg Europas, der durchaus auch Grenzen und Irrtümer kannte. Auch das Phänomen der Migration ist von dieser Seele erleuchtet und steht trotz aller Schwierigkeiten und Befürchtungen im Zeichen von Aufnahme, Integration und Legalität, im Bewusstsein der Notwendigkeit, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Wir wollen Völker und Nationen ermutigen, auch den starken Versuchungen des Säkularismus entgegenzutreten, der Gott aus dem Leben verbannen oder Ihn auf das rein Private beschränken will und damit den Keim des Individualismus nährt und Einsamkeit schafft. Außerdem ist ja bekannt, dass die Öffnung dem Leben – in jeder seiner Phasen – gegenüber ein Zeichen der Hoffnung ist, und dass die Anzahl der Geburten der beste Indikator für die Gesundheit einer Gesellschaft sind.

Und so stand eben die Jugend – im übrigen Thema der nächsten Kirchensynode – als das zweite Thema der Vollversammlung im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit. Hier war eine große Sympathie seitens des europäischen Episkopats zu verzeichnen, eine Sympathie, die sich im Gebet ausdrückt, in größerer Nähe, im Wunsch zuzuhören und die Jugendlichen mit Geduld und Liebe zu begleiten.

Die Kirche glaubt fest an die jungen Leute, sie schätzt sie und vertraut ihnen wie eine Mutter ihren Kindern. Im Lauf der Arbeiten traten auch Besorgnisse zutage, darunter die „flüssige“ Kultur, die wir alle atmen, die allgemein verbreitete, auf die Spitze getriebene Individualität, welche Unsicherheit und Einsamkeit schafft, sowie Konflikte und Ungerechtigkeiten, die auch heute noch das hohe Gut des Friedens gefährden. Dies alles bestätigt unseren Willen, an der Seite der Jugendlichen zu stehen und mit ihnen zu gehen, ihnen zu vermitteln, dass das Evangelium ein deutliches Ja zum Leben, zur Liebe, zur Freiheit und zur Freude ist: Es bedeutet, Ja zu Christus zu sagen.

Auf diesem Wege sind unsere Gemeinschaften mit uns und mit unseren Priestern; damit sind sie ein Zeichen der Hoffnung, der Gemeinsamkeit und des tätigen guten Willens – und die tiefe, lebendige Wurzel von allem ist Christus, der zum Herzen und zum Verstand eines jeden ebenso wie des Kontinents spricht, auf dass er sich selbst finde, jenseits von Politik und Wirtschaft.

Wir wünschen uns, dass dieses Wort Jesu das Herz Europas erreichen möge: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir“. Fürchte dich nicht, altes Europa, du selbst zu sein, mach dich wieder auf den Weg der Väter, die von dir als dem gemeinsamen Haus der Völker und Nationen geträumt haben, als der fruchtbaren Mutter von Kindern und Zivilisation, als dem Land eines offenen, umfassenden Humanismus. Fürchte dich nicht, hab Vertrauen! Die Kirche, Expertin in Menschlichkeit, ist deine Freundin und geht, den Blick fest auf Christus gerichtet und das Evangelium in der Hand, mit dir zusammen in eine Zukunft der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens.

Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) umfasst die derzeit 33 Bischofskonferenzen Europas. Sie werden repräsentiert durch ihre jeweiligen Vorsitzenden, durch die Erzbischöfe Luxemburgs und des Fürstentums Monaco, durch den Erzbischof der Maroniten Zyperns, den Bischof von Chişinău (Rep. Moldawien), den Eparchen von Mukatschewe und den apostolischen Verwalter Estlands. Der derzeitige Präsident des CCEE ist Kardinal Angelo Bagnasco, Erzbischof von Genua, Vizepräsidenten sind Kardinal Vincent Nichols, Erzbischof von Westminster und Mons. Stanisław Gądecki, Erzbischof von Posen. Der Generalsekretär ist Mons. Duarte da Cunha; das Sekretariat hat seinen Sitz in St. Gallen (Schweiz).

www.ccee.eu

 
Ä e r z b i s t u m    L ë t z e b u e r g   .   A r c h e v ê c h é   d e   L u x e m b o u r g    .   
© Äerzbistum Lëtzebuerg . Archevêché de Luxembourg
verschidde Rechter reservéiert . certains droits réservés
4 rue Genistre, L-1623 Lëtzebuerg
Postkëscht 419, L-2014 Lëtzebuerg
+352 46 20 23
archeveche cathol.lu