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11. Juli 2017

„In der Nachfolge von Mutter Alphonsa“

150 Jahre Franziskanerinnen vom hl. Josef

Vor 150 Jahren zog Schwester Alphonsa Kuborn (1830-1897) aus Mertert von Luxemburg nach Schweich, um einen neuen Orden in der Tradition des heiligen Franziskus zu gründen. Am Sonntag kamen viele Franziskanerinnen aus drei Kontinenten zurück, um an ihre Ordensstifterin in ihrem Geburtsort mit einem beeindruckenden Fest zu erinnern.

Fotos: Bodo Bost

Ordensgründer/innen spielen in der Kirche eine herausragende Rolle, weil sie die Berufung und Aufgabe der Kirche in Ihrer Zeit verdeutlichen und wiederbeleben. Das 19. Jahrhundert hat einige solcher Berufungen erlebt, weil es eine Aufbruchphase der Kirche war und eine Zeit der Neubesinnung auf den eigentlichen Auftrag der Kirche. Die Luxemburger Mosel war ein besonders fruchtbares Pflaster für solche weitblickenden, charismatischen Persönlichkeiten, weil sie gleich zwei markante Ordensgründerinnen hervorgebrach hat. Maria Catherine Moes (1828-1899) aus Remich, die 1863 in Joliet in Illinois die „Sisters of St. Francis of Mary Immaculate“ gründete und später die Mayo Klinik in Rochester in Minnesota, eine der heute führenden Kliniken weltweit. 1867 tat es ihr Elisabeth Kuborn aus Mertert gleich. Auch sie gründete ihren Orden nicht in Luxemburg, sondern in Schweich in Deutschland, wo ihr Bruder als Trierer Seminarregens lebte. Auch Schwester Alphonsa, so ihr Ordensname, gründete einen Orden in der Nachfolge des Heiligen Franziskus im Dienst an den Armen und Ausgegrenzten der damaligen Gesellschaft. Durch politische Schwierigkeiten in Europa fand auch der Orden von Mutter Alphonsa sein heutiges zentrales Betätigungsfeld seit 1926 in Südamerika, in Brasilien, unter den Nachkommen deutschsprachiger Auswanderer im Süden des riesigen Landes, wo heute die überwiegende Mehrheit der weltweit 300 Franziskanerinnen des Heiligen Josef und auch ihr Mutterhaus seit 2011 zu Hause sind.

Zum 150. Jubiläum des Ordens kamen am 9. Juli vor allem brasilianische Franziskanerinnen des hl. Josef nach Mertert und trugen die Fahnen der Länder, in denen die Kongregation heute tätig ist, in die Kirche. Sie brachten frischen südamerikanischen Flair mit in das Gotteshaus, in dem Mutter Alphonsa einst getauft wurde und wo sie um ihre Berufung gerungen und ihren Glauben gefunden hat, wie es Dechant Claude in seiner Festpredigt ausdrückte. Dass sich die Franziskanerinnen seit 150 Jahren weiterentwickelt haben und auch heute noch den Nerv und die Bedürfnisse der Länder treffen, in denen sie arbeiten, davon konnten sich die zahlreichen Gottesdienstteilnehmer aus vielen Ländern anhand der feierlichen Liturgie mit vielen Elementen aus Brasilien und Afrika und den modernen mitreisenden Liedern überzeugen. Das Lob und das Andenken an Mutter Alphonsa Kuborn erklangen in Mertert zumeist in portugiesischer Sprache. So begann auch Dechant Claude Bache den Gottesdienst mit einem bereits gesungen Liedtext in portugiesischer Sprache: „Madre Alphonsa a tua fe nos motiva a caminhar“ (Mutter Alphonsa dein Glaube ermutigt uns auch heute, uns auf den Weg zu machen). Dieser Wahlspruch überzog wie ein Faden den gesamten Gottesdienst und die anschließende Feier. Die Franziskanerinnen machten für einen Tag die Kirche von Mertert zu einer Weltkirche, vieler Sprachen, Kulturen und Traditionen, sei es beim Tanz der Schwestern zum Evangelium oder beim Einzug der Opfergaben und Symbole, wozu auch ein Portrait der Ordensgründerin gehörte. Musikalisch wurde der Jubiläumsgottesdienst auch von der Mäerter Chorale unter der Leitung von Albena Petroviic und dem Organisten Emil Hau feierlich mitgestaltet.

Familienfest in weltweitem Rahmen

Die anschließende Feier im Festsaal der Gemeinde Mertert bot dann die Gelegenheit für viele Nachkommen der Familien Kuborn und Leonardy von nah und fern sich wieder mit den Franziskanerinnen zu treffen, die viele schon von vorherigen Besuchen in Mertert kannten, wo das Geburtshaus von Mutter Alphonsa in der rue du Port immer noch steht und von Verwandten bewohnt wird. Auch viele Elisabethschwestern aus ganz Luxemburg waren gekommen, weil Schwester Alphonsa, bevor sie ihren neuen Orden gegründet hatte, Mitglied im Elisabethorden war und seit damals eine tiefe Verbundenheit zwischen den beiden Kongregationen grundgelegt hat, die die 150 Jahre überdauerte.

Grußworte an die Schwesternkongregationen richteten der Merterter Schöffe Aly Leonardy, ein Nachkomme aus dem Kuborn Hause, Bürgermeister Jérôme Laurent von Mertert und sein Amtskollege Lars Rieger aus Schweich. Besonders begrüßt wurde auch der neu ernannte erste Luxemburger Botschafter in Brasilien Carlo Krieger, der auch aus Mertert stammt und im September seine Arbeit in Brasilien aufnehmen wird. Er freute sich in seiner Ansprache darüber, dass mit Mutter Alphonsa ihm schon bedeutende Merterter Spuren in Brasilien vorausgegangen sind. Mutter Rosa Ada Morelli, Generaloberin der Franziskanerinnen vom heiligen Josef, freute sich, dass Mutter Alphonsa in ihrem Heimatort unvergessen ist und dass ihre Schwestern hier immer mit offenen Armen begrüßt werden. Aly Leonardy überreichte ihr die Kollekte des Festgottesdienstes, 1400 Euro, die für das neueste Projekt des Ordens in Angola, dem Bau einer Mutter-Alphonsa-Schule, verwendet wird. Zum Abschluss tanzten die jungen Franziskanerinnen, die mehrheitlich aus dem Norden Brasiliens stammen, einen Tanz aus der Stadt Parintins am Amazonas, eine Stadt die 1669 von dem Luxemburger Jesuiten Johann Philipp Bettendorff gegründet worden war.

Bodo Bost

 
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