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15. März 2018

Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation - Wie aus Brüchen Aufbrüche wachsen können

Sehen Sie jetzt das Video und die Fotoimpressionen der Konferenz mit Dr. theol. Georg Plank über Innovation im kirchlichen Raum

„Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation - Wie aus Brüchen Aufbrüche wachsen können“ war eine Konferenz mit Dr. theol. Georg Plank am 14. März im Centre Jean XXIII überschrieben. Innovation im kirchlichen Raum: Wie kann das gelingen? Und was ist damit gemeint? Welche neue Denkimpulse und -ansätze braucht es, um Innovation und Tradition miteinander zu verbinden? Ein spannendes und herausforderndes Thema.

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Im Vorfeld der Konferenz auf Einladung der Luxembourg School of Religion & Society und des Service de la Pastorale hatte der Gründer von „Pastoralinnovation“ in Österreich auf unsere Fragen geantwortet.

Georg Plank: „Bereite ich dem Wirken Gottes, dem Heiligen Geist, in meinem Leben und in meinem Arbeitsbereich einen Landeplatz oder nicht? Lasse ich zu, dass die erneuernde Kraft Gottes ’hic et nunc’ wirken kann, in Kirche und Gesellschaft?“

cathol.lu: Herr Dr. Plank, Sie werden am 14. März in Luxemburg zum Thema „Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation - Wie aus Brüchen Aufbrüche wachsen können“ sprechen. Ohne Ihrem Vortrag inhaltlich vorgreifen zu wollen, aus Ihrer Erfahrung heraus, tut Kirche sich generell mit Innovation schwer? Wenn ja, ist sie zu sehr in der Tradition verhaftet oder hat Sie einfach Angst vor Neuem?

Georg Plank: Sind Bewahren und Verändern, Tradition und Innovation Feinde oder Geschwister? Die Kirche hat in ihrer langen Geschichte verschiedenste Erfahrungen mit diesen Polaritäten gemacht. Immer dann, wenn diese Pole kreativ gelebt wurden und werden, entsteht Entwicklung und Lebendigkeit. Nach der antimodernistischen Abkapselung in der sogenannten pianischen Epoche hat die katholische Kirche mit dem II. Vatikanum gewaltige, ja unerhörte und aufregende Innovationsimpulse gesetzt. Papst Franziskus mahnt zu Recht ein, diese Impulse auf allen Ebenen noch viel mutiger, kreativer und geistvoller aufzugreifen und zu konkretisieren als es bisher der Fall war.

cathol.lu: Geht es in einer innovativen pastoralen Arbeit eher um eine neuen methologischen Ansatz oder eher um eine neue inhaltliche Sichtweise, also mehr um Form oder um Inhalte? Verändert sich der Content nicht automatisch durch neue Vermittlungswege und -methoden?

Georg Plank: Mit Pastoralinnovation verfolgen wir einen integrativen Ansatz von Innovation. Wir versuchen, die fachlichen, theologischen und geistlichen Dimensionen dieses Begriffs so zu verbinden, dass kirchliche Verantwortliche entdecken können: Innovation ist nicht etwas von Außen Kommendes, keine neue Mode, die wir auch noch mitmachen sollen, sondern eine Frucht des Heiligen Geistes, die zutiefst kirchlich ist. Die Geburtsgeschichte der Kirche in der Pfingsterzählung von Apg 2 beschreibt diese Dimension anschaulich, drastisch und wirkungsvoll. Mit dieser inhaltlichen Ausrichtung verändert sich auch die Frage von Formen, Strukturen und Gestalten. Es geht dann darum, wie die konkreten Formen und sichtbaren Organisationen das Wesen des Christseins, die Offenbarung der Liebe des Vaters in Jesus Christus durch den Heiligen Geist, sichtbar und erlebbar machen können.

Nicht Druck machen, sondern Sog erzeugen

Cathol.lu: Kann man einer Kirche oder einer einzelnen Gemeinde Innovation oder Kreativität verordnen oder wo bzw. bei wem muss man ansetzen, damit neue Ideen auf fruchtbaren Boden fallen?

Georg Plank: Nicht Druck machen, sondern Sog erzeugen. Das war auch in meinen diözesanen Aufgaben immer mein Motto. Wer glaubt, mit bloßem Anschaffen etwas verändern zu können, gibt sich einer verführerischen Selbsttäuschung hin. Nach meiner Erfahrung kann eine behutsame, mutige und kreative Veränderung der Rahmenbedingungen bewirken, dass Skeptiker neugierig werden, Frustrierte neuen Mut fassen und Resignierte wieder aufblicken können. Wir unterschätzen, wie frustrierend manche Gewohnheiten, Regelungen oder Prozeduren für motivierte Leute sein können. Daher sollten wir alles tun, damit Menschen ihre intrinsische Motivation, ihr innerliches Drängen, genau genommen: dem Heiligen Geist in ihrem Wirken Raum geben können. Meist passiert dies nicht spektakulär, sondern in kleinen Schritten, aber es ist dennoch wunderbar.

Cathol.lu: Ist Innovation im kirchlichen Raum immer auch eine Generationenfragen oder können im gleichen Maße alle von neuen Projekten und Aufbrüchen profitieren?

Georg Plank: Jugendlichkeit im Sinne von Offenheit für Neues und Erneuerung ist keine Frage des Alters. Jeder Mensch trifft willentlich und durch seine konkreten Handlungen laufend eine Entscheidung: Bereite ich dem Wirken Gottes, dem Heiligen Geist, in meinem Leben und in meinem Arbeitsbereich einen Landeplatz oder nicht? Lasse ich zu, dass die erneuernde Kraft Gottes „hic et nunc“ wirken kann, in Kirche und Gesellschaft? Natürlich bringt zunehmendes Lebensalter mit sich, dass man Neues kritischer hinterfragt, nicht gleich jeder Mode hinterherläuft oder sich von Strohfeuern verführen lässt. Aber es ist auch ein Kennzeichen aller spirituellen Traditionen und innovativer Kulturen, dass man neugierig bleibt, aufmerksam ist und sich nie als fertig sieht.

Macht eure Augen auf und blickt umher und ihr werdet viele Spuren von Erneuerung kennenlernen

Cathol.lu: Herr Dr. Plank, Länder und Diözesen unterscheiden sich sicher in ihrer Fortschrittlichkeit. Gibt es Regionen oder Diözesen, die besonders entwicklungsfreudig sind und die der Kirche in Luxemburg als Vorbild dienen können?

Georg Plank: Ist jeder Fortschritt innovativ? Ich plädiere für eine klare Kriteriologie, um dem Geist der Unterscheidung Raum zu geben. „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“, sagte Jesus. Nach meiner Erfahrung finden sich in jeder Ortskirche Beispiele für Innovation, für neue Lebendigkeit, für jene Früchte, die laut Bibel Hinweise für das anbrechende Gottesreich mitten unter uns sind. Die meisten unserer Innovationsprozesse beginnen damit, dass die TeilnehmerInnen neu sehen lernen und entdecken, was neben Defiziten und Rückgängen an Potentialen und Möglichkeiten bereits vorhanden ist. Für mich ist es nicht verwunderlich, dass Blindenheilungen zu den häufigsten Zeichenhandlungen Jesu gehören! Ich warne daher davor, nach Modellen zu suchen, sondern lade ein: Macht eure Augen auf und blickt umher - bei euch, bei euren Geschwistern im Glauben und in der pluralen Welt von heute - und ihr werdet viele Spuren von Erneuerung kennenlernen, die euch inspirieren und bestärken.

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