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13. Januar 2018

Alles beginnt mit der Sehnsucht

Kommentar zum Sonntag von Milly Hellers (14.1.2018)

Joh 1,35-42

Es gibt Ereignisse im Leben, die den persönlichen Weg zutiefst beeinflussen. Dies können schöne Erfahrungen sein, wie etwa die erste Begegnung des/der Geliebten, die Geburt eines Kindes, aber auch traurige Ereignisse, wie ein Unfall oder der Tod eines uns nahestehenden Menschen.

Im Evangelium vom Sonntag begegnen wir Menschen, deren Leben durch eine unerwartete Begegnung von Grund auf verändert wurde. Da ist zuerst einmal Johannes der Täufer, der Cousin von Jesus. Johannes der Täufer gibt ein bemerkenswertes Zeugnis davon, was es heißt ein missionarischer Wegweiser zu sein. Er selbst, ein Suchender – und Findender –, behält Jesus und die suchenden Menschen im Blick. Er bindet die Menschen nicht an sich, sondern zeigt ihnen den Weg – und lässt sie dann weiterziehen. Sind auch wir bereit, so großherzig und uneigensüchtig, für andere, einfach nur Wegweiser zu sein?

Diese unerwartete Begegnung mit Jesus wurde so wichtig im Leben der beiden Jünger, dass Ort und Zeit im Text festgehalten wurden. Auch uns haben Menschen in Familie, Pfarrei, Schule... den Weg zu Jesus gezeigt. Vielleicht kann auch ich mich an den Tag und den Ort erinnern, die mir zur persönlichen Entscheidung verhalfen.

Jesus begegnen bewegt – damals wie heute. Die Jünger folgten Jesus... Er stellt ihnen DIE Frage: „Was sucht ihr?“ Der Nachfolge Jesu geht persönliche Sehnsucht voraus. „Alles beginnt mit der Sehnsucht, am Anfang steht immer ein Traum. [1]“ Niemand genügt sich selbst. Nur „Gott allein genügt“, sagt die Heilige Teresa von Avila im Gedicht „Nada te turbe“. Wohl müssen wir essen und trinken, brauchen Haus, Beziehung usw., dennoch für die Bedürfnisse der inneren Sehnsucht gibt es keinen Laden.

Dies wissen auch die beiden Suchenden. „Meister – wo wohnst Du? Wir wollen Deine Jünger sein, das Leben mit Dir teilen.“ Und Jesus antwortet ihnen: Ihr seid frei, „kommt und seht“ und entscheidet selber. „Und sie gingen mit ihm und sahen wo er wohnte und blieben jenen Tag bei ihm, es war um die zehnte Stunde.“ Was mögen sie wohl gesehen haben? Wo sind heute in unserer Kirche die Orte, wo suchende Menschen „kommen und sehen“ können, wo sie Ihn finden – um bei Ihm zu bleiben? Ist dies nicht DIE Frage, die sich uns aufdrängt? Die Menschen suchen überall – nur kaum noch in der Kirche ... Warum? Ist Jesus nicht mehr da? Oder sind wir untaugliche Wegweiser, viel zu sehr beschäftigt mit uns selber und mit Mauern, aber wenig berührt von der Sehnsucht der Menschen nach Gott und von der Sehnsucht Jesu nach den Menschen?

Wie damals so auch heute ist die persönliche Begegnung mit Jesus prägend. Die Jünger waren derart betroffen, dass sie von Ihm erzählen mussten. Wie Johannes der Täufer wurden auch sie zu Wegweisern für andere. Andreas traf dann seinen Bruder und sagte zu ihm: „Wir haben den Messias gefunden.“ Und es steht weiter: „Er führte ihn zu Jesus“.
Aufgrund von Tradition, Geschichte und mancher Fehlinformation glauben heute viele Kirchenmitglieder, dass allein die Geweihten verantwortlich für die Verkündigung des Evangeliums sind. Auch 50 Jahre nach dem 2. Vatikanischen Konzil bleibt hier viel zu tun. Eines jedoch ist sicher: Wenn wir wollen, dass unsere Kinder und Enkel von Jesus hören, dann muss aus der „Komm-zu-uns-Kirche“ eine einladende „Geh-hin-Kirche“ werden. Dies geschieht nur mit/durch uns, der örtlichen Gemeinschaft! Nur so wird die Kirche von morgen – klein und arm – aber lebendig und sichtbar sein. Alles beginnt mit der Sehnsucht – lassen wir sie zu und packen wir’s an!

Quelle: Luxemburger Wort

[1Der Titel des Artikels und das Zitat beziehen sich auf ein Lied von Siegfried Fietz.

Milly HELLERS milly.hellers cathol.lu
 
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