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2. September 2017

Im Sinne Gottes

Kommentar zum Sonntag von Sr. Danièle Faltz (03.09.2017)

Mt 16, 21-27

Im Auszug des Evangeliums vom letzten Sonntag machte Petrus gute Figur. Auf die Frage nach der Identität Jesu wusste er die treffende Antwort und wurde von seinem Herrn und Meister gelobt. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm sogar die Verantwortung der Kirche übertragen: Jesus nennt ihn „Fels“, auf den er seine Kirche bauen will.
Wahrscheinlich gab das ihm das nötige Selbstbewusstsein, mit dem er – zwei Verse weiter – Jesus vor seinem Leiden und Sterben bewahren will. Er will wissen, was gut ist für Jesus, und da er gerade erst bestätigt wurde, tut er seine Meinung klar und deutlich kund. „Das darf nicht geschehen!“ Damit handelt er sich eine klare Abfuhr ein: „Weg mit Dir, Satan, Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“
Petrus denkt sehr menschlich, und gerade deshalb können wir uns gut mit ihm identifizieren. Denn wer von uns sagt freiwillig „Ja“ zu Leiden und Tod, wer rechnet von vorn herein mit Opposition und nimmt auch Schwieriges, sogar das Schlimmste in Kauf? Wer hält still, wenn Gegenwehr eine legitime Option ist? Sind wir nicht alle ständig damit beschäftigt, Probleme zu umgehen, Leiden und Tod aus unserem Blickfeld zu verbannen? Wer hat nicht schon kluge Strategien entwickelt, um sich an beängstigenden Situationen vorbeizuschlängeln?
Auch Jesus ist Mensch, auch er geht nicht unbeschwerten Herzens den Weg des Kreuzes. Erinnern wir uns an sein Gebet im Ölgarten: Lass diesen Kelch an mir vorbeigehen. Übrigens hatte Petrus auch in diesem kruzialen Moment eine Strategie des Wegschauens: anstatt mit dem Freund und Meister zu wachen, flüchtete er in den Schlaf.
In der Ölgartenszene wird deutlich, was das ganze Leben Jesu bestimmt, nicht nur in der letzten Etappe, sondern in jedem Moment: nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Nicht was ich will, sondern was Du, Vater, willst. Jesus hat das im Sinn, was Gott will. Seine Nahrung ist es, den Willen des Vaters zu tun.
Nun wäre es ein falscher Schluss, zu denken, dass das, was Gott im Sinn hat, notwendigerweise für uns Menschen schwierig, belastend, ja „Kreuz“ bedeutet. Wahr ist, dass Gott uns zum Glück bestimmt hat, was Jesus ja auch in den bekannten Seligpreisungen zum Ausdruck bringt. Doch ist das erfüllende Glück, das er verspricht, nicht gleichzusetzen mit dem, was wir geläufig, recht oberflächlich, Glück nennen.
Spätestens seit seiner vierzigtägigen Wüstenerfahrung ist für Jesus klar: nicht Geld, Ruhm, Erfolg oder Macht sind letzten Endes Glücksbringer, sondern allein das Hören auf Gottes Wort, das Eingehen auf Gottes Willen.
Und da Gott Liebe ist, nur Liebe, kann sein Wille auch nur Liebe sein. Reine Liebe, uneigennützige Liebe. Jesus versteht seine ureigene Berufung darin, Zeuge zu sein von diesem liebenden Gott. Das macht er deutlich durch seinen Umgang mit den Menschen, durch seine ausgeprägte Vorliebe für die Kranken, Armen, Schwachen und für die Sünder. Das erklärt er in seinen Geschichten und Parabeln. Und dadurch stößt er an bei der herrschenden und klerikalen Schicht seines Volkes. Ein solcher Gott könnte gefährlich werden für die Mächtigen der Welt. Also darf er nicht sein. Also muss sein Zeuge zum Stillschweigen gebracht werden.
Darum muss Jesus sterben. Weil er sein Gottesbild nicht aufgeben kann, geht er den Weg des Leidens bis zum Ende. Durch seine Liebe bis in den Tod wird er zum Zeugen des liebenden Gottes, der allein vom Tod befreien kann.
Aus seiner Lebenserfahrung dürfen wir lernen, genau wie Petrus, dass der Weg der uneigennützigen Liebe uns in Schwierigkeiten versetzen kann, ja sogar das Leben kosten kann. Die gute Nachricht vom liebenden Gott stößt auch heute nicht selten auf heftigen Gegenwind. Das darf uns nicht davon abhalten, stets das zu tun, was Jesus getan hat: festhalten am Glauben an den liebenden Gott, aus dieser Liebe leben und sich einsetzen für alle, die dieser Liebe am meisten bedürfen.

Quelle: Luxemburger Wort

Danièle FALTZ rdc daniele.faltz cathol.lu
 
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