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6. April 2019

„Auch ich verurteile dich nicht ...“

Kommentar für den 5. Fastensonntag “Iudica” von Claude Bache (7.04.2019)

Joh 8, 1-11

Ehebruch ist kein Kavaliersdelikt! Auch wenn uns fast jeder Krimi suggeriert, dass man sich in der Ehe mal eine Abwechslung gönnen muss, dass es die Prominenten auch so machen, so haben andererseits viele junge Menschen hohe Erwartungen an Liebe und Treue. Ein Kavaliersdelikt war Ehebruch auch zur Zeit Jesu nicht, sondern für die verlobte oder die verheiratete Frau – gemäß dem Gesetz des Mose – Grund zur Todesstrafe. Von dem Mann, der dazu gehört, war hier nicht weiter die Rede. Aber die Frau hatte ihren Stempel; sie ist die Sünderin, sie ist die Schuldige.

Man will Jesus eine Falle stellen. Wenn er hier Milde und Verständnis walten lässt, stellt er sich klar gegen das Gesetz des Mose. Dann haben die Schriftgelehrten etwas in der Hand, um ihn der Gesetzlosigkeit anzuklagen. Wenn er aber die Steinigung mit vollzieht, dann widerspricht er seiner Predigt vom barmherzigen Gott. Sie lauern aufmerksam darauf, wie Jesus sich jetzt aus der Affäre ziehen wird.

Doch Jesus ist clever. Er lässt sich nicht in die Falle locken, er schreibt stumm mit dem Finger in den Sand. Sie fragen hartnäckig weiter. Dann sagt er: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.“ Er schreibt wieder in den Sand – und sein Satz verfehlt nicht seine Wirkung. Einer nach dem anderen geht betroffen weg. Schließlich bleiben nur noch Jesus und die Frau übrig. Jesus schaut sie an: „Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?“ Als sie verneint, fährt Jesus fort: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige nicht mehr!“ Auch ich schreibe dich nicht ab als Gottes Geschöpf und Ebenbild, daran ändert auch deine falsche Tat nichts. Aus solchem Angenommen-Sein entsteht ihre Chance zu einem neuen Anfang.

Müssen wir nicht noch viel von Jesus lernen? Bei uns wird schnell – mir scheint, immer schneller – verurteilt, besonders dann, wenn etwas besonders Schlimmes geschehen ist wie etwa, dass jemand sich an einem Kind vergangen hat. „Das Tier“ und „der Unmensch“ lauten dann die Überschriften in den Zeitungen. Natürlich sind solche Übergriffe verwerflich – umso mehr, wenn sie von Personen begangen werden, die eigentlich Vorbildcharakter zeigen müssten! Und dennoch: „Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein!“ Müssen wir da nicht alle still weggehen, bevor auch wir Steine werfen!

Mit Vorurteilen ist unsere Gesellschaft schnell bei der Hand – Gott sei’s geklagt! – über Ausländer, auch über Bosse, Politiker, Diener der Kirche und wen auch immer. Wer aber will ihnen überhaupt noch in die Augen schauen, wo solche Vorurteile die Welt so furchtbar einfach machen, viel zu einfach? Weil wir das nicht können, einem ertappten und verletzten Menschen ehrlich in die Augen zu schauen, deshalb tappen wir so oft in die Falle der schnellen – zu schnellen! – Vorverurteilung.

Sogar der verlorene Sohn durfte umkehren und heimkehren. Davon haben wir im Evangelium vom letzten Sonntag gehört. Er wurde nicht abgeschrieben und ausgemerzt, obwohl er alles in seinem Leben falsch gemacht hatte. Haben wir wirklich von Jesus und seines Vaters Liebe gelernt, die den Sünder nicht vernichtet, auch wenn er seine böse Tat ablehnt?

Quelle: Luxemburger Wort

Claude BACHE
 
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