lb fr pt en de
 
4. August 2018

Das Brot des Lebens

Kommentar zum 18. Sonntag im Jahreskreis von Sr. Danièle Faltz (05.08.2018)

Jo 6,24-35

Nach der Brotvermehrung wollen die gesättigten Menschen Hand auf Jesus legen und ihn in eine politische Rolle zwängen. Er aber entzieht sich ihnen. Man sucht ihn und findet ihn schließlich am anderen Ufer des Sees. Doch Jesus durchschaut die Menschen: Sie suchen ihn nicht, weil sie das Zeichen des ausgeteilten Brotes verstanden haben, sondern weil sie satt geworden sind und fortan von ihm erwarten, dass er so schnell wie möglich die wirtschaftliche und politische Situation der Bevölkerung verbessern sollte.

Die Botschaft vom Reich Gottes, für die Jesus steht, ist allerdings eine ganz andere. „Der Mensch lebt nicht vom Brot 
allein“, sondern vom Wort Gottes, aus der Liebe Gottes.

Jesus ist das Wort Gottes, er ist in die Welt gekommen, damit die Menschen das Leben haben, das Leben in Fülle.

In ihm hat Gott alles gesagt, was uns Zugang verschafft zu seinem Wesen und zu seinem Ebenbild, dem Menschen. In ihm spricht Gott sein definitives Ja zum Menschen und gibt sich zu erkennen als den liebenden Vater. In ihm wird offenbar, was die letzte Bestimmung des Menschen ist, wo er letztlich beheimatet ist: in der Einheit des dreifaltigen Gottes, dort, wo Jesus versprochen hat, für die Seinen eine Wohnung zu bereiten.

Wer also von Gottes Wort lebt – und nicht allein vom Brot –, der kann vielleicht Jesus verstehen, wenn er von sich sagt: „Ich bin das Brot des Lebens, wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern. Wer aus meiner Botschaft lebt, wird leben in Ewigkeit.“ Diese Worte glaubend anzunehmen war damals nicht selbstverständlich und ist es sicher heute noch viel weniger. Für Johannes erwächst dieser Glaube aus der Auferstehungserfahrung. Das sechste Kapitel seines Evangeliums ist eine Meditation des schon alt gewordenen Johannes, in die er seine ganze innere Erfahrung mit dem auferstandenen Herrn einfließen lässt.

Damit macht Johannes uns auch klar, was des Menschen Aufgabe in der Welt ist, wie er zum Wachsen des Gottesreiches beitragen kann: durch den liebenden Dienst an den Menschen, die für Jesus Brüder und Schwestern sind. Daher ist in seinem Evangelium – beim Letzten Abendmahl – die Fußwaschung gleichbedeutend mit der Einsetzung der Eucharistie in den drei synoptischen Evangelien. Jesus wird zum Brot des Lebens, zur Nahrung für die Vielen, weil er die Menschen liebt bis zur Vollendung, bis zur Hingabe in seinem Leiden und seinem Tod. Diese endgültige Hingabe am Kreuz nimmt er voraus, sowohl in der Fußwaschung als auch in der Eucharistie.

Was von den Jüngern Jesu und von uns heute erwartet wird, sagt uns Johannes im Klartext: an Jesus, den Gesandten Gottes glauben. Um zu glauben, brauchen wir ein Zeichen, antworten sie, so als hätten sie die Brotvermehrung schon vergessen.

Wir werden kein anderes Zeichen erhalten als das Zeichen des Kreuzes, in dem sich die endgültige Liebe Gottes mitteilt. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15, 13). Im Kreuz gibt Jesus sein Leben aus reiner Liebe hin, und in der Eucharistie wird diese Hingabe zum greifbaren Geschenk für uns, die wir mit offenen Händen das Brot des Lebens empfangen.

Möge unser Herz offen sein für dieses Geschenk und unser tägliches Leben zum lebendigen Zeichen werden für die Liebe Gottes, der wir verpflichtet sind.

Quelle: Luxemburger Wort

Danièle FALTZ rdc
daniele.faltz cathol.lu
 
Ä e r z b i s t u m    L ë t z e b u e r g   .   A r c h e v ê c h é   d e   L u x e m b o u r g    .   
YouTube
SoundCloud
Twitter
Instagram
Facebook
Service Kommunikatioun a Press
Äerzbistum Lëtzebuerg

© Verschidde Rechter reservéiert
Dateschutz
5 avenue Marie-Thérèse
Gebei H, 1. Stack
L-2132 Lëtzebuerg
+352 44 74 34 01
com cathol.lu