lb fr pt en de
 
11. April 2020

Den Wohnsitz Gottes in uns verteidigen

Ein Beitrag von Sr Petronella (Nelly) Maria Boonen über ein besonderes Kreuz und über uns

Als bei einem verheerenden Brand im Jahr 1519 die Kirche San Marcello al Corso zerstört wurde und das Kruzifix dieser Kirche unversehrt blieb, sah das römische Volk darin ein Zeichen des Himmels. Drei Jahre später, als die Stadt von der Pest heimgesucht wurde, wurde genau dieses Kruzifix 16 Tage lang in einer Prozession durch die Straßen von Rom getragen. Jeden Tag ging die Ansteckung zurück und als das Kreuz zurück in die Kirche kam, war die Pest zu Ende.

Das gleiche Kruzifix wurde am Freitag, dem 27. März 2020, von Papst Franziskus auf dem Hintergrund der Corona-Pandemie vor dem Petersdom aufgestellt. Die Kameras verweilten lange über der alten Christusbüste, die von den Regentropfen durchtränkt wurde. Allein in Italien waren an diesem Abend rund 8 Millionen Fernseher angeschlossen. Die Bilder zeugten von einer perfekten Inszenierung. In ihren Kommentaren sprachen die Reporter davon, dass sich die Tränen des Himmels mit denen des Volkes vereinten. Ein tragisches Schauspiel!

Leider sieht es so aus, als ob dieses wertvolle Holzkreuz während dieser besonderen Liturgie schwer beschädigt wurde, vielleicht sogar hoffnungslos beschädigt. Das Kreuz, das Feuer und Pest überwunden hat, konnte nach den Aussagen der Männer mit den Masken, die es transportiert haben, dem römischen Regen Ende März wohl nicht standhalten. Beim Nachdenken über diese traurige Nachricht ist mir ein Gedanke von Etty Hillesum in den Sinn gekommen, jener jüdischen Frau, die 1914 in den Niederlanden geboren wurde und im November 1943 im Konzentrationslager Auschwitz grausam ums Leben kam.

Es ist das einzige, auf das es ankommt: ein Stück von dir in uns selbst zu retten, Gott

„Ich will dir helfen, Gott, dass du mich nicht verlässt, aber ich kann mich von vornherein für nichts verbürgen. Nur dies eine wird mir immer deutlicher: dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen, und dadurch helfen wir uns letzten Endes selbst. Es ist das einzige, auf das es ankommt: ein Stück von dir in uns selbst zu retten, Gott. Und vielleicht können wir mithelfen, dich in den gequälten Herzen der anderen Menschen auferstehen zu lassen. Ja, mein Gott, an den Umständen scheinst auch du nicht viel ändern zu können […]. Ich fordere keine Rechenschaft von dir, du wirst uns später zur Rechenschaft ziehen. Und mit fast jedem Herzschlag wird mir klarer, dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen und deinen Wohnsitz in unserem Inneren bis zum Letzten verteidigen müssen“ (vgl. Das denkende Herz, 149).

Vielleicht ist es in diesen Zeiten wirklich notwendig Gott zu helfen, das Kreuz zu tragen; ihm zu helfen, seine Anwesenheit in jedem von uns zu verteidigen. Wir sind aufgerufen ihm zu helfen, dass sich die Welt an ihn erinnert und seine Gegenwart erfährt. Wir sollen ihm helfen, dass der menschliche Körper als Teil des Kosmischen wieder in seiner Würde und Heiligkeit verstanden wird.

Mögen diese Zeiten der Isolation uns helfen, Gott zu helfen, jedem und auch uns selbst näher zu kommen. So werden wir uns dem Göttlichen nähern.

Sr Petronella (Nelly) Maria Boonen, Steyler Missionarin in Brasilien

 
Ä e r z b i s t u m    L ë t z e b u e r g   .   A r c h e v ê c h é   d e   L u x e m b o u r g    .   
YouTube
SoundCloud
Twitter
Instagram
Facebook
Flickr
Service Kommunikatioun a Press . Service Communication et Presse
Äerzbistum Lëtzebuerg . Archevêché de Luxembourg

© Verschidde Rechter reservéiert . Certains droits réservés
Dateschutz . Protection des données
Ëmweltschutz . Protection de l'environnement
5 avenue Marie-Thérèse
Bâtiment H, 1er Étage
L-2132 Luxembourg
+352 44 74 34 01
com cathol.lu