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7. Oktober 2018

Der ursprüngliche Wille Gottes

Kommentar zum 27. Sonntag im Jahreskreis von Claude Bache (7.10.18)

Mk 10,2-16

Angesichts unserer Ehescheidungsrate ist das Evangelium, das an diesem Wochenende in unseren Kirchen verkündet wird, – salopp ausgedrückt – eine harte Nuss. Jesus wendet sich sehr deutlich dagegen, dass ein Mann oder eine Frau aus der Ehe aussteigt und eine neue Beziehung eingeht. Was bewegt Jesus dazu?

Er möchte das Leben so wiederherstellen, wie es ursprünglich von Gott in seiner guten Schöpfung gemeint war: dass Mann und Frau ganz zueinander gehören und sich ganz aufeinander verlassen können. In unserer menschlichen Schwäche möchte er uns dadurch stärken, dass er uns die Botschaft vom Reich Gottes verkündet: Der liebende Vater wendet sich uns neu zu, nimmt uns an mit all unseren Grenzen. Damit ruft er uns auf, über unser Unvermögen hinauszuwachsen. In der Kraft der Liebe, die wir von Gott und von Jesus her erfahren haben, können wir von uns selbst absehen und Gott und den Nächsten, ganz konkret den Ehepartner, in den Mittelpunkt stellen. Damit fügt Jesus unseren menschlichen Möglichkeiten Entscheidendes hinzu.

Auch die Radikalität Jesu, mit der er seine Meinung äußert, erscheint nun in einem anderen Licht: Sie ist nicht Ausdruck irgendeiner Gesetzlichkeit oder Unverständnis für das Leben. Sie ist die Aufforderung an die Eheleute, in Krisenzeiten an die Wurzel ihrer Gemeinschaft zurückzukehren, zu ihrer einst so lebendigen Liebe. Zudem enthält sie die Herausforderung, auf Flucht und Ausweg zu verzichten. Gerade das kann ermöglichen, wieder zueinander zu finden, einander zu verzeihen und einen neuen Anfang zu wagen. Dabei dürfen wir auf Jesu Wort nach seiner Auferweckung vertrauen: „Ich bin bei euch alle Tage“ (Mt 28,20).

Was würde Jesus uns heute sagen? Vielleicht Folgendes: Werdet Menschen, die das Geschenk des Reiches Gottes als der Gegenwart der Liebe Gottes unter euch ernst nehmen. Rechnet damit, dass ihr in der Liebe wachsen könnt. Wenn Gottes Reich auf diese Weise in euch lebendig ist, werdet ihr auch erkennen, welcher Mensch als Lebenspartner zu euch passt und welcher nicht. Wenn es schwer wird in der Ehe, erinnert euch daran, dass Gott selbst eure Ehe zusammengefügt hat und dass er gerade auch in Schwierigkeiten und Krisen bei euch ist. Kommt wieder mir ihm in Kontakt, und findet von daher die Kraft, Missverständnisse und Schwierigkeiten zu klären, Verfehlungen zu vergeben, um einen neuen Anfang zu ringen. Das kann auch mit allen „natürlichen“ Mitteln geschehen, wie z.B. einer Eheberatung. Und wenn es gar nicht mehr geht, erinnert euch des Wortes: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten!“ (Mk 2,17).

Claude BACHE
 
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