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12. Mai 2018

Der Wurm und der Keim der Spaltung

Der Kommentar zum Sonntag von P. Théo Klein SCJ (13.5.2018)

Joh 17,6a.11b.-19

„Heiliger Vater, bewahre sie in meinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.“ Jesus betet am letzten Abend seines irdischen Lebens, um die Einheit seiner Jünger, die an ihn glauben. Die Einheit im Apostelkreis ist an diesem Abend auseinandergebrochen: Einer der zwölf ist weggegangen und hat seinen Meister verkauft.

Von Anfang an besteht die Gefahr, dass der Kreis der Zwölf auseinanderbricht. So wird im Evangelium berichtet, dass der Wurm und der Keim von Beginn an im Christentum stecken. Einheit im Sinne Jesu bedeutet nicht politisch korrekt sein oder Überlegungen anzustrengen, wie man sich durchsetzen kann, wie es beispielsweise manche Partei tut, in Hinblick auf Wahlen. Nein, diese Einheit muss vielmehr von innen her erbetet werden. Es fällt auf, dass Jesus keine Konzepte ausarbeitet, damit Einheit schlussendlich funktionieren könne. Jesus debattiert auch nicht darüber. Vielmehr betet er um die Einheit. Gerade heute in einer Zeit, in dem wir dem Trend des Funktionierens oft verfallen sind und uns auf das Machen konzentrieren, bringt eben dieses Gebet um die Einheit zum Ausdruck, dass wir die Einheit nicht alleine machen können. Einheit lässt sich vielmehr schenken, sie ist ein Geschenk Gottes. Auch wenn es an uns ist, uns auf den Heiligen Geist vorzubereiten.

Anderseits reicht es aber auch nicht, dass wir bloß um die Einheit beten und uns nicht um die Praxis des Glaubens kümmern. Ökumene-Kardinal Kurt Koch schreibt in seinem Buch „Dass alle eins seien - ökumenische Perspektiven“: „Der Verweis auf das Gebet als Quelle der Ökumene wird heute gern als Alibi verdächtigt, um die Hände in den Schoss zu legen, so dass letztlich alles beim Alten bleibt.“ (S.145). „So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollten; der Geist selber jedoch tritt für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können“ (Röm 8,26).

Wir sind Bettler Gottes (Augustinus). Wir brauchen eine Einheit, die von innen her ersehnt, empfunden, gedacht und erbetet wird. Ökumene ist keine Fassade. Wir brauchen außerdem eine Ökumene nach innen mehr als eine Ökumene nach außen. Wie sieht es bei uns im Innen aus? Das ist doch das Problem. Die innere Spaltung ist oft größer als die äußere, die uns aber sofort auffällt. Diese Ökumene, diese Bekehrung ist das Wichtigste, sonst werden nur Symptome behandelt. Wir finden nur zur Einheit, wenn wir selber zuerst in Christus bleiben.

Diese Ökumene nach innen, diese Bekehrung ist die Voraussetzung für alle anderen Schritte, die wir dann tun können – um den Wurm und den Keim der Spaltungen zu bekämpfen, damit Jesu Anliegen auch unser Anliegen in allem ist: „Damit sie eins sind wie wir“ – und dies auch glaubwürdig bezeugt wird.

Quelle: Luxemburger Wort

Théo KLEIN scj
 
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