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9. April 2021

„Ich glaube erst, wenn ich sehe.“

Kommentar zum 2. Ostersonntag von Sr. Danièle Faltz (11.4.2021)

Der ungläubige Thomas ist uns sympathisch, er spricht aus, was wir denken: ich glaube erst, wenn ich sehe. Wenigstens in Bezug auf Religion ist das so, in vielen anderen Gebieten nehmen wir so manches ohne kritische Fragen hin.

Übrigens war Thomas gar nicht so ungläubig. Im 11. Kapitel des Johannesevangeliums wird erzählt, wie er sich mutig und energisch mit Jesus auf den Weg macht „um mit ihm zu sterben“. Dass er in der reellen Gefahr schließlich doch weggelaufen ist, wer von uns wird ihm dafür den ersten Stein werfen?

Thomas war abwesend als Jesus am Abend nach seiner Auferstehung den verängstigten Jüngern erschien. Brauchte er Distanz und innere Freiheit um den Tod Jesu zu verarbeiten, war er enttäuscht von sich, von seinen Freunden und wollte abschließen mit dieser Etappe seines Lebens, neue Wege gehen, wollte er einfach beweisen, dass er sich nicht fürchtet und sich auch nicht einsperren will?

Es gab auf jeden Fall ein Wiedersehen mit der Gruppe. Seine Freunde erzählten ihm ihre Begegnung mit dem auferstandenen Herrn, dass er plötzlich da war, bei verschlossenen Türen, dass er ihnen zweimal Frieden wünschte, da er ihre Angst spürte, dass er ihnen die Wunden seiner Hände und Seite zeigte, dass er ihnen den Auftrag gab, in die Welt zu gehen, um seinen Frieden und seine Versöhnung zu verkünden und ihnen dazu seinen Hl Geist schenkte.

Aber Thomas glaubte nicht. Er wollte sich nicht auf ihre Erfahrung einlassen. Er wollte selbst sehen.

In dieser Episode wird klar, dass der Glaube zwar in der Gemeinschaft weitergegeben wird, dass es dann aber eine persönliche Begegnung und Beziehung mit Christus braucht, um zum gläubigen Bekenntnis zu kommen.

Jesus macht den ersten Schritt, er geht auf Thomas zu, er nimmt ihn ernst, in seinen Fragen, in seinem Zweifel, in seinem Unglauben. Er fordert Thomas auf, seine Wunden zu berühren, damit er im auferstandenen Herrn seinen gekreuzigten Freund erkennt. Diese Einladung allein genügt, um dem ungläubigen Thomas das kürzeste und zugleich treffendste Glaubensbekenntnis zu entreißen: „Mein Herr und mein Gott“. Plötzlich wird klar, was Jesus vor seinem Tod dem Thomas sagte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Auch wir brauchen diese persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Christus. Auch wir können von ihm im Innersten berührt werden. Natürlich nicht so wie die Evangelien diese Begegnungen erzählen. Denn auf uns trifft zu, was Jesus einmal sagt: „Glücklich, die nicht sehen und doch glauben“.

Wie geschieht Begegnung mit dem lebendigen Christus? Vor allem ist es ein unverdientes Geschenk, alleinige Initiative des Herrn. Auf unserer Seite hilft ein ehrliches, offenes Suchen nach der Wahrheit, das tiefe Verlangen Gott zu erfahren und ein menschliches Herz, das nicht von sich selbst erfüllt ist, sondern bereit, dem Herrn die eigene Leere und Schwachheit anzubieten.

Es ist wichtig, sich manchmal zu erinnern: wann und wo wurde mir im Glauben eine persönliche Begegnung mit Christus geschenkt? In normalen Christenleben kommen intensive Gottesbegegnungen eher selten vor. Dabei geht es uns oft wie den Emmaus- Jüngern: „Sie erkannten ihn, und schon verschwand er“.

Vielleicht geschah es draussen in der Natur oder bei einer interessanten Lektüre, in einem stillen Gebet, in einem erhabenen Konzert, in einer gemeinschaftlichen Eucharistiefeier. Ebenso in der Begegnung mit einem Menschen, der die Freude des Glaubens ausstrahlt. Auch im aktiven und solidarischen Einsatz für Gerechtigkeit kann Christus sich zu erkennen geben, und vielleicht besonders im konkreten Dienst an Menschen, denen das Leben Wunden geschlagen hat. Mit Thomas verstehen wir dann, dass Kreuz und Auferstehung zusammengehören.

Wie wissen wir, ob es sich bei unseren spirituellen Erfahrungen um „Christus-Begegnung“ handelt, da wir ja nicht sehen? In den Ostererzählungen zeigt sich, dass der innere Frieden ein sicheres Zeichen dafür ist. Er ist das Geschenk, mit dem Jesus seine Begegnungen einleitet. Auch die Freude ist ein Merkmal, genau wie die Liebe, die Geduld, die Bescheidenheit. Alles, was Paulus „Früchte des Heiligen Geistes“ nennt. Auf unserer Seite gilt als sicheres Zeichen die resolute Entscheidung, in der Welt Zeuge zu sein vom auferstandenen Herrn, verfügbar, den Menschen seine Liebe weiterzuschenken.

Danièle FALTZ r.d.c.
daniele.faltz cathol.lu
 
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