lb fr pt en de
 
10. März 2018

Kann Gott zaubern?

Regard Protestant von Volker Strauss (11.03.2018)

Wenn Kinder sich Gott mit ganz menschlichen Zügen vorstellen, dann wird Gott gerne eine Wohnung im Himmel zugewiesen, die er verlässt, um zu den Menschen zu kommen, und dann wird auch sein Wirken ganz konkret gedacht – aber auch mit Überzeichnungen, die schon bei seinem Aussehen in Kinderbildern auffallen: Gottes Wirken ist nicht den Begrenzungen menschlichen Handelns unterworfen, und da kann es vorkommen, dass Gott gerade in manchen Wundergeschichten oder bei der Auferstehungsgeschichte auch als Zauberer verstanden wird. Zugleich erfahren Kinder, dass ein konkret gewünschtes Handeln Gottes ausgeblieben ist. Sie erfahren die gleiche Spannung wie die Erwachsenen, und stellen berechtigte Fragen.

Zwar stellen die Erwachsenen sich Gottes Handeln nicht mehr so handgreiflich vor, aber der Gegensatz von Gottes Macht und seiner „Tatenlosigkeit“ angesichts des Unrechts und des Leidens in der Welt oder persönlich erfahrenen Unrechts und Leidens bricht genauso auf. Die „Warum?“-Fragen der Kinder sind auch die „Warum?“-Fragen der Erwachsenen. Die Ratlosigkeit der „Kleinen“ trifft auf die der „Großen“. Darum ist im Umgang mit Kindern besondere Sensibilität gefordert, denn es existieren Antworten, die Kinder zwar anzunehmen bereit sind, die die Erwachsenen, die sie geben, für sich selber aber nicht akzeptieren würden. Sei es, dass das Ausbleiben von Gottes Hilfe als erzieherische Maßnahme gedeutet oder auf einen verborgenen Sinn verwiesen wird. Oder sei es nur so, dass das grenzenlose „kindliche“ Vertrauen den Erwachsenen deshalb so berührt, weil er selbst sich dazu nicht mehr in der Lage sieht.

Dagegen soll das Leiden auch an Gottes ausbleibendem Eingreifen nicht vorschnell weggetröstet werden, denn es drängt zur Auseinandersetzung und darauf, eigene Antworten zu finden. Allenthalben kann und sollte die Antwort der Erwachsenen darauf hinweisen, dass es in den meisten Fällen zu einem Ineinander von Gottes Handeln und der Verantwortung des Menschen kommt, bei dem sich beide nicht immer eindeutig voneinander abgrenzen lassen.

Das Leiden an dem verborgenen Gott findet sich vielfältig auch in der Bibel (z. B. Psalmen). In der Deutung des Geschicks Jesu findet sich dann auch die Vorstellung von dem leidenden Gott: Gott setzt sich den Verhältnissen dieser Welt und dem Leiden aus, die vielfach daher rühren, dass sich der Mensch seiner Verantwortung für gelingendes Leben nicht stellt. Er fährt nicht wie ein Blitz dazwischen, und er kann die Leiden dieser Welt auch nicht wegzaubern, aber er leidet mit denen, die an diesen Verhältnissen leiden.

Volker Strauss

 
Ä e r z b i s t u m    L ë t z e b u e r g   .   A r c h e v ê c h é   d e   L u x e m b o u r g    .   
YouTube
SoundCloud
Twitter
Instagram
Facebook
Service Kommunikatioun a Press
Äerzbistum Lëtzebuerg

© Verschidde Rechter reservéiert
Dateschutz
5 avenue Marie-Thérèse
Gebei H, 1. Stack
L-2132 Lëtzebuerg
+352 44 74 34 01
com cathol.lu