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16. Juli 2021

Mach mal Pause!

Kommentar zum 16. Sonntag von Abbé Henri Hamus (18.7.2021)

Mach mal Pause!

Sie kommen freudestrahlend zurück! Mission accomplie! Die Apostel überfallen Jesus mit ihrem Erzählen. Er hatte sie zum ersten Mal alleine zu den Menschen geschickt. Sie hatten ja bei ihm gelernt, was wie zu sagen ist; und sie hatten gesehen, wie mit den Menschen umzugehen ist.

Nach getaner Arbeit, nach Abschluss eines ersten Praktikums wird normalerweise Bilanz gezogen, findet die Nachbesprechung bzw. Manöverkritik statt. Aus dem kritischen Betrachten und Beurteilen des Erfahrenen werden Konsequenzen für ein verbessertes und effektiveres Engagement in der Zukunft gezogen.

Eben, so geschieht es normalerweise. Bei Jesus ist es anders! Er lädt ein an einen einsamen Ort um auszuruhen! Kommt erst mal an, kommt zur Ruhe, atmet einfach mal durch, lasst die Seele baumeln, kommt zu euch...

Entschleunigung

Harmut Rosa, Soziologieprofessor in Iena, rät zu „Entschleunigung“. Er beschreibt die moderne Gesellschaft als eine, in der es zum Erhalt des Status quo immer mehr Wachstum geben muss. Alles muss mehr werden: mehr produzieren, mehr leisten, mehr verbrauchen - und der Mensch gerät in Gefahr, unter die rollenden Räder zu geraten. Er kommt sich ausgebrannt vor (burn-out), er hat das Gefühl, die Zeit rennt ihm davon...

Entschleunigung! Bleib mal stehen, gönne Dir Zeit zum Nichtstun, komme wieder in Einklang mit dir und deinem Leben, mit der Natur, mit den Mitmenschen, sei Mensch, machs wie Gott: er ruhte am siebten Tag! Lausche mal wieder auf das Echo, das das Leben in dir hervorruft, auf das Echo der vielen Eindrücke des Tages. Lausche mal wieder den leisen, so oft unterdrückten Klängen deiner Seele...

Hartmut Rosa spricht von der Resonanz, vom Schwingen-Lassen des Lebens in der Seele. Er ist kein Theologe, auch kein spiritueller Begleiter. Was er sagt berührt zutiefst Menschliches; was er sagt, möchte Menschen vor fatalen Irrwegen bewahren, nämlich zerrieben zu werden vom „immer höher, immer weiter, immer schneller“.

Unterbrechung

Jesus ist im tiefsten berührt von den Menschen, die wie Schafe ohne Hirten sind. Sie rennen und rennen, suchen Weide, finden keine Ruhe und sind sich selbst und allen Gefahren überlassen.

Die letzten Monate haben viele verwirrt. Virus und Restriktionen haben verunsichert, haben oft vergeblich auf erhellende Worte gewartet. Kardinal Hollerich sagt, dass die Kirche „für die meisten Menschen wenig von Bedeutung“ war, und fügt hinzu: „Zudem haben wir nicht die eigentliche Botschaft verkündet... Wir als Kirche hätten mehr über Tod und Auferstehung von Jesus Christus sprechen müssen - in Worten, die die Leute verstehen.“

Die Diagnose ist hart, aber klar. Danach kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Die Einladung Jesu aus dem Sonntagsevangelium gilt der ganzen Kirche, auch in Luxemburg: kommt mal an einen einsamen Ort! Die Sommer- und Ferienzeit bietet sich an für ruhiges Nachdenken, für einfach Distanz zum Gewohnten und Üblichen, für „religiöse“ Vertiefung: „die kürzeste Definition von Religion ist Unterbrechung“, so Johann Baptist Metz.

Jesu Einladung an einen einsamen Ort unterbricht das aktive Apostelengagement. Innehalten, sich zurückbesinnen auf den Auftrag: ohne Geld und Brot und zweites Hemd zu den Menschen gehen, allein mit dem Guten Wort!

Jesus lässt die unsicher herumirrenden Menschen Ruhe finden: er selber kommt aus dem Ausruhen beim Vater im Gebet und spricht lange zu ihnen. Langes langsames Reden träufelt wie Balsam auf die geschundene Seele. Das Zusprechen von Gottes Liebe, die jeden ohne Vorbedingung annimmt, gibt den Menschen Heimat, lässt sie Nähe und Zuversicht spüren.

Im Verweilen bei Jesus, im Hören auf sein gutes Wort finden wir hoffentlich Energie und Phantasie, um das eigene Leben unter neuer Perspektive zu ‚lesen‘, uns neu zu orientieren, und als Christen und Kirche die guten Worte für die Menschen heute zu finden.

abbé Henri Hamus

 
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