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20. April 2019

Ostern – kein leichter Stoff

Regard Protestant von Karl Georg Marhoffer (21.4.2019)

Schön, gesund, ewig neu! So scheint die Qualle „Turritopsis dohrnii“ zu leben. Ob sie in den Tiefen des Meeres das gefunden hat, wonach wir uns sehnen – das ewige Leben? Wollen wir das – ewig und immer weiterleben?

In „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ verfilmte Luc Besson im Jahre 2017 einen französischen Comic aus den 1960er- Jahren. Der Film wurde mit Schauspielern gedreht, aber am Computer überarbeitet, so dass er zwischen realer und gezeichneter Welt changiert. Die beiden „Helden“ sind teeniehaft jung, bezwingen die Welt mit Witz und coolem Charme. Welch eine Welt, welch eine Sprache – Ist Ostern eine andere Sprache in einer anderen Welt?

In einen süßlich leuchtenden Abendhimmel gleitet eine Raumkapsel. Darin Valerian und Laureline, die zuvor mit ihrem Raumschiff „Alpha“ das Universum von der Gewalt böser Mächte erlöst haben. Am Anfang stand die Zerstörung des Planeten Mül, auf dem sanfte Wesen, „Pearls“ genannt, in Harmonie mit kleinen vierbeinigen Wesen lebten, die als Transmutatoren in der Lage sind, Perlen zu vervielfachen, indem sie sie füttern. Eine Art Wertsteigerung durch Verdauung. Dass derartige Wesen das Ziel finsterer Gestalten sind, die sich ihrer bemächtigen wollen zum Zwecke ihrer Ausbeutung, gibt einen leicht verständlichen Stoff. Doch die Guten kommen und befreien die gefangen gehaltenen Pearls und stellen schließlich sogar ihren zerstörten Planeten wieder her. Ende gut, alles gut?

Apokalyptische Bilder, die von Untergang und Rettung erzählen, sind nach Art archetypischer Träume ein Selbstheilungsversuch der menschlichen Seele. Auch die Bibel bedient sich solcher Bilder. Die Glaubenszeugen der Bibel wussten es: „Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man’s nicht. Im Traum, im Nachtgesicht, wenn der Schlaf auf die Menschen fällt, wenn sie schlafen auf dem Bett, da öffnet er das Ohr des Menschen..." (Hiob 33,14f.)

Die Osternacht führt durch apokalyptische Bilder. Ihre sinnstiftende Erzählung ist die Wanderung des Menschen durch die Tiefen des Todes in ein ewiges, unzerstörbares Leben – seine Verwandlung von einem sterblichen zu einem unsterblichen Wesen. Die alten Bilder von der Überwindung der Pforten der Hölle durch Jesus Christus, von seiner Auferstehung aus dem Grab erzählen die Geschichte Gottes selbst, der diesen Weg gegangen ist und ihn für uns geöffnet hat. Es wird ein Triumph der Lebenden sein.

Die Reibung beziehungsweise Kritik der realen Welt an der Welt der Bilder wurde auch zu biblischen Zeiten empfunden. Es wurde genau nachgefragt: Was ist mit denen, die schon gestorben sind? Werden sie dabei sein, wenn wir, die wir die Wiederkunft Christi erleben, verwandelt werden?

Antwort: Ja, sie werden sogar die ersten sein, die verwandelt werden. Auch die Leiblichkeit der Auferstehung hat nicht erst der Vernunft der Neuzeit Fragen aufgegeben. Jesus wird von einem Sadduzäer (einer Gruppierung des Judentums, die nicht an eine Auferstehung glaubte) gefragt, was denn mit einer Frau ist, die auf Erden mehrere Männer gehabt hat. Wessen Frau wird sie in der Auferstehung sein?

Jesu Antwort: Solche „Vernunft“ irrt. Denn wir werden auferstehen wie die Engel im Himmel (Markus 12, 18-27). Paulus antwortet auf eine ähnliche Frage: „Du Narr!“ Der verwesliche Leib wird verwandelt werden in einen unverweslichen (1. Korinther 15, 35-53).

„Die Liebe Gottes findet ihren Gegenstand nicht vor, sondern schafft ihn sich erst. Menschliche Liebe entsteht an ihrem Gegenstand.“, so die 28. These, die Martin Luther für die Disputation in Heidelberg 1518 geschrieben hat. Sie führt die Verwandlung des Menschen auf Gottes Liebe zurück. Das Geheimnis der „Rechtfertigung aus Gnade“ besteht darin, dass Gottes Liebe uns verwandelt und uns dabei zu solchen macht, die der Liebe wert sind. Unsere Erlösung hat einen Grund. Aber diesen Grund legen nicht wir, sondern Gott. Auferstehung des Leibes von den Toten heißt: Wir werden verwandelt in solche, die liebenswert sind. Und die deshalb das ewige Leben haben.

Die unsterbliche Qualle „Turritopsis dohrnii“ wurde Gegenstand der Bewunderung, als Forscher in den 90er-Jahren herausfanden, dass diese Mittelmeer-Qualle die einzigartige Fähigkeit zur Wiederverjüngung besitzt. Altern ihre Zellen, lässt sie sich auf den Meeresboden sinken und erneuert sich. Als wieder junges Wesen steigt sie abermals empor. Genforscher glauben, dass in den Genen der Qualle der Schlüssel zum ewigen Leben liegt.

Ostern spricht eine andere Sprache. Ostern setzt der endlosen Wiedergeburt die Auferstehung entgegen. Im Lichte dieser Botschaft wird klar: Wir dürfen getrost alles loslassen, was ja doch nicht zu halten ist. Wir dürfen straucheln, altern und sterben. Alle werden wir vergehen. Und danach?

Jesus Christus sagt uns: „Ich lebe, und auch ihr werdet leben.“ (Johannes 14, 19). Das wollen wir uns sagen lassen im Glück und auch im Unglück: Der Tod hat nicht das letzte Wort! Frohe und gesegnete Ostern!

Der Autor ist Titularpastor der Protestantisch-Reformierten Kirche von Luxemburg, Esch/Alzette

Quelle: Luxemburger Wort

 
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