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2. Juli 2021

Propheten in den eigenen Reihen?

Kommentar zum 14. Sonntag von Claude Bache (4.7.2021)

Es muss für Jesus eine böse Enttäuschung gewesen sein. Er kommt in seine Heimat, und die Leute lehnen ihn ab. Zunächst wird er bestaunt, doch Jesus beginnt bei ihnen nicht mir wunderbaren Dingen, sondern mit dem Gottesdienst in der Synagoge. Er liest das Wort Gottes und macht es allen verständlich. Er tut es mit großer Kraft und Überzeugung, so dass die Leute ganz anders zuhören. Wenn Jesus das Wort verkündet, dann spürt man das Leben darin. Es geschieht wirklich, was in diesen Worten gesagt wird. Plötzlich ist Gott nicht mehr nur Wort, sondern der Vater, der alles in seinen guten Händen hält.

Es ist für die Leute offensichtlich, dass hier einer von ihnen von Gott ergriffen wurde und in dessen Namen spricht. Jesus sagt den Leuten, dass eine neue Zeit angebrochen ist: Das Reich Gottes ist euch nahe. Gott ist euch ganz nahe wie ein Mensch. Gott ist den Menschen vertraut geworden wie Jesus, der Sohn des Zimmermanns.

Aber genau das ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden.

Man würde lieber von einem Propheten hören, der von weither kommt. Viele Dinge, die in der Ferne passieren, hält man gern für wunderbar und schön. Und viele Menschen pilgern lange Wege, um große Leute zu treffen oder wunderbare Dinge zu erleben.

Es ist ein bisschen wie in dem Lied, wo vom Glück gesungen wird: „Das Glück, das laufet immer fort, an einen andern Ort.“ Ja, bei uns zu Hause ist es nicht. Immer ist es woanders. Und vorbildliche Leute, die gibt es viel eher weit weg von uns als mitten unter uns. Da sieht man sie nicht oder will es gar nicht wahrhaben, dass in dem täglichen Einerlei unseres Lebens unglaubliche Dinge geschehen. Es scheint, dass man den Propheten, der woanders herkommt, leichter anhören kann. Da kann man sagen: Der kennt uns nicht, der weiß nicht, was bei uns möglich oder unmöglich ist. Wir können uns aussuchen, was wir von ihm annehmen wollen.

Das spielt wohl auch eine Rolle bei den Leuten aus Nazareth, die mit Jesus, dem Propheten aus den eigenen Reihen, nicht einverstanden sind. Sie fühlen sich nicht wohl bei dem Gedanken: Dieser Jesus weiß genau, wovon er redet, bei dem können wir uns nicht herausreden. Es ist fast ärgerlich, wie der uns kennt und sagen kann, was wir ändern müssten und auch ändern könnten. Bei einem solchen Propheten kann man nicht nur zuhören und wieder vergessen, da müsste man eigentlich handeln und Dinge zum Besseren verändern.
Und da ist dann der Punkt, wo die Leute sagen: Wie kommt der dazu, so etwas von uns zu verlangen? Er soll doch nicht so tun, als wüsste er es besser als wir. Er ist doch auch nur von hier, der Sohn des Zimmermanns.
Und es heißt: Es konnten keine großen Dinge passieren, weil die Leute nicht wahrhaben wollten, dass Gott mitten unter ihnen sein wollte. Sie wollten Gott anrufen und ehren, aber dass er ihnen so nahe war wie dieser Jesus, das konnten sie nicht annehmen.

Aber genau das wäre ihr Heil gewesen: Gott annehmen mitten in ihrem Leben in Nazareth … und anderswo.

Claude BACHE
 
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