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23. April 2021

Richtig hören, um die Zeichen der Zeit zu erkennen

Kommentar zum 4. Ostersonntag von P. Théo Klein scj (25.4.2021)

Die Zeichen der Zeit erkennen gilt als etwas sehr Notwendiges, besonders wenn es im Leben Situationen gibt, die regelrecht alles auf den Kopf drehen. Es geht darum, alles zu tun, dass der Mensch nicht auf der Strecke bleibt. Die Zeichen der Zeit erkennen ist wichtig, aber für die Kirche nur die eine Seite. Dazu muss etwas anderes kommen, etwas, was dem voraus liegt, wie wir die Worte Jesus hören. „Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie und sie folgen mir nach.“

Aber wie kann man die Stimme des guten Hirten aus dem Evangelium hören? Was bedeutet das, auf die Stimme Jesu zu hören?
In einem allerersten Schritt geht es darum, das anzunehmen, was von Gott kommt. Für katholisch geübte Ohren klingt das nach Schicksalsergebenheit. Es heißt aber nicht, dass alles, was uns begegnet und widerfährt, von Gott kommt. Das allererste und wichtigste, was von Gott kommt, ist der, den er gesandt hat: Jesus Christus.

Das, was von Gott kommt, sollen wir annehmen. Durch das Evangelium nehmen wir Gott in unserem Leben an. So sagt der heilige Augustinus, dass die Worte des Evangeliums nur äußerlich bleiben, solange „der von innen her lehrende Meister“ nicht redet. Im Prolog der Benediktinerregel steht das Wort „hören“ in Verbindung mit dem Wort „das Ohr deines Herzens“, um die Beziehung zu Gott auszudrücken. Damit ist das ganze Innere des Menschen, sein Tun und Wollen, sein Erkennen, Streben und Fühlen gemeint. Solches Hören steht in Zusammenhang mit ethischer Beurteilung und verantwortlichem Handeln und richtet es auf die Beziehung zu Christus.

Die Mystikerin Adrienne von Speyer kommentiert dieses Evangelium mit einem tröstlichen Satz: „Kein einziges Schaf folgt so, wie es folgen sollte.“ Wir folgen stolpernd und kriechend. Wir hinken dem Ruf des Evangeliums immer hinterher. Trotzdem bleiben wir in dem Ruf des Guten Hirten geborgen. Diejenigen, die diese Stimme hören, sich diesem Ruf anvertrauen gehen nicht verloren. Wenn wir auf die Stimme des Guten Hirten hören, werden wir immer wieder die Erfahrung machen, dass jemand nach uns sucht, uns nachgeht, uns mit seinem Ruf nicht loslässt.

Wenn wir nicht nachlassen auf ihn zu hören, unser Sensorium zu schärfen, diese Stimme zu hören, dann werden wir auch die Zeichen der Zeit erkennen wie Pater Alfred Delp uns vorbildlich vorgelebt hat: „Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen. Wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und in den bösen Stunden hängen und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen. Das gilt für alles Schöne und auch für das Elend. In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort. Dann wird das Leben frei in der Freiheit, die wir oft gesucht haben.

Für uns Christen geht es darum, mit seiner Stimme im Ohr und Herzen die Zeichen der Zeit zu erkennen. Nur so können wir uns den Herausforderungen des Lebens in der richtigen Richtung glaubwürdig stellen. Die Stimme des Guten Hirten lässt uns immer geborgen sein.

Théo KLEIN s.c.j.
 
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