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16. April 2021

„Täglich grüßt das Murmeltier“ oder die begründete Leichtigkeit des Seins

Kommentar zum 3. Ostersonntag von Karsten Steil-Wilke (18.4.2021)

Mitten in sämtlichen Corona-Szenarien dieser Tage fühlen sich viele Menschen wie im Gleichnis von Hase und Igel.

Der Igel wusste, dass er keine Chance gegen den schnellen Hasen haben würde und stellte deswegen seine Frau ins Ziel. Als der Hase in Sichtweite war, rief die Igelfrau: „Ich bin schon da!“ Dies erzürnte den Hasen so sehr, dass er einfach noch einmal lief, aber auch hier rief der Igel wieder kurz vor dem Ziel dem Hasen zu: „Ich bin da!“
Dies setzte der Hase noch so oft fort, bis er beim vierundsiebzigsten Mal nicht mehr ankam und überfordert und entkräftet an Körper, Seele und Geist kurz vor dem Ziel tot umfiel.

Und heute!?
Immer wenn wir meinen, das Virus durch den nächsten Lockdown in die Knie gezwungen zu haben und auf die Zielgeraden einbiegen wollen, scheint es uns, als ob das Virus uns wie der Igel dem Hasen zuruft: „Ich bin schon da!“

Dieses ganzheitlich an uns nagende Szenario hinterlässt trübe Spuren und dunkle Gedanken. Unser Alltag erscheint vielen gerade wie die tägliche Wiederholung des immer wieder Desselben im Kinoklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Ein Ablauf der Ruhe, inneren Frieden und Gelassenheit nicht kennt und schlussendlich, wie beim Hasen, ein Wiegenlied des Todes und der Dunkelheit zu singen scheint.

Das Evangelium diesen Sonntages ist hingegen von österlichen Anklängen an Licht und Hoffnung getränkt. Der Evangelist Lukas schreibt: „Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren, erzählten …was sie unterwegs erlebt und wie sie Jesus erkannt hatten, als er das Brot brach.
Während sie noch darüber redeten, 
trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! …Fasst mich doch an. …Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.

Jesus ist, um mit dem Autor Martin Grunwald zu sprechen ein „Homo Hapticus“, ein Mensch des Tastsinnes par excellence. Bereits in dieser Welt sind körperliche Berührungen lebensnotwendig. Denn durch sie erleben wir Liebe, Trost und Heil. Jesus berührt die Menschen und Herzen und er will angepackt und berührt werden.
Ganz konkret, leiblich, im Hier und Jetzt. Er hilft uns unsere Tastsinne zu schärfen für die Konturen des unvergänglich Wirklichen. Garantiert und beglaubigt durch sein eigenes Leben, seinen auferstandenen Körper.

Das neue Leben im Licht, erlöst, frei, leicht und erfüllt ist da. Eine begründete Gewissheit die zu Freude und Zuversicht einlädt. Depression, Krankheit und Vergänglichkeit sind nicht der letzte Ton.
Wir sollten, um aus dieser Zuversicht leben zu können, immer wieder den scheinbaren Aschefilm der abbremsenden Gewissheiten und Klarheiten ablegen um „Kinder des Lichtes“ zu werden und zu bleiben.

Karsten STEIL-WILKE
karsten.steil cathol.lu
 
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