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8. Juli 2018

Urlaub: Die Kunst des Abschaltens

Der Regard protestant von Karl Georg Marhoffer (8.7.2018)

In wenigen Tagen ist es wieder soweit: Kofferpacken, Abreise, Urlaub.

Eine Städtetour, ein Kurztrip in die Berge, der mehrwöchige Strandurlaub oder vielleicht eine Auszeit für Monate. Ruhezeiten von Job und Alltag haben die unterschiedlichsten Formen. Doch nicht jedes Urlaubsmodell erfüllt die gleichen Wünsche und Sehnsüchte: Ausschlafen und lesen, Spaziergänge, Massage, Sauna und gutes Essen – fernab von Job und Alltagsstress oder ganz allein, auch von der Familie. Wer fühlt sich nicht ausgepowert, möchte nicht mal so richtig ausspannen und neue Kraft tanken? Aber geht das? In drei bis fünf Tagen?

Ein Kurzurlaub ist großartig, aber er ist eben nur ein Tapetenwechsel. Frage ich nach dem Erholungswert – und der Urlaub soll ja eine Regenerationszeit sein -, da taugt der Kurzurlaub nicht, auch wenn die Tendenz zum Kurzurlaub stark zugenommen hat.

Nur noch rund 14 Prozent der Bevölkerung buchen einen dreiwöchigen Urlaub. Die Gründe sind vielfältig: Ein dreiwöchiger Urlaub muss unter anderem auch finanziell bewältigt werden. Viele Arbeitgeber genehmigen nicht mehr als zwei Wochen Urlaub am Stück. Aber der Hauptgrund für das veränderte Urlaubsverhalten hat wohl mit dem Zeitgeist zu tun: Unsere Schnelllebigkeit und die fehlende Gelassenheit. Nach dem Motto „Viel gibt viel!“ wird uns vorgegaukelt, dass wir viel erleben müssen. Das verhindert eine Tiefenerholung.

Die Urlaubsforschung bestätigt: Die erste Woche brauchen wir, um aus dem Alltag heraus- und im Urlaub anzukommen. In der zweiten Woche nehmen wir wahr, was wir überhaupt möchten. Erst in der dritten Woche stellt sich langsam die Erholung ein. Entschleunigung! Gott hat sich etwas dabei gedacht, dass der siebte Tag ein Ruhetag ist.

Da wird auch im Freizeitbereich so viel getan, dass sich Tiefenentspannung, die Energie für die neue Woche gibt, nicht mehr einstellt. Und deshalb gibt es viele Menschen, die ausbrennen: körperlich und seelisch erschöpft, burn out.

Urlaubszeit ist Regenerationszeit: Körper, Geist und Seele sollen sich erholen, der Mensch als Ganzer neue Kraft schöpfen. Wie wichtig das ist, wusste schon Jesus. Wenn er den Kopf frei kriegen wollte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu sein, im Gebet zur Ruhe zu kommen und Gott als Kraftquelle nah zu sein. Gar nicht so einfach – denn schon brauchen ihn die Jünger wieder, weil ihr Boot in Seenot gerät (Matthäus 14,23).

Allein sein und zur Ruhe kommen ist auch für uns Urlauber heute nicht einfach – auch nicht im Familienurlaub. Wie viel Mühe haben Menschen, sich im Urlaub zu erholen, weil sie aus dem Alltagstrott und der Schnelllebigkeit nicht rauskommen! Wie wäre es, einfach mal nichts machen, auszuschlafen, miteinander zu essen, einen Ausflug zu machen – aber nicht dieses Durchgestylte, sondern einfach: Hier bin ich! Ich in dieser Zeit. Oder auch mal hinein zu spüren: Wer von uns braucht eigentlich was und wie können wir das hinkriegen?

Urlaub mit weniger elektronischen Geräten wäre ein Anfang. Nicht nur die Väter liegen am Strand mit Smartphone und Tablet! Abschalten, im wahrsten Sinne des Wortes, das ist eine gute Idee für den Urlaub. Sich eine feste, kurze Zeit am Tag zu nehmen, um Nachrichten und Mails zu checken – und ansonsten bleibt das Handy aus. Dann entdecke ich mehr Zeit für meine Familie und mich, Zeit für mich und Gott. Da kann ich durchatmen und Kraft tanken – das ist Urlaub!

Quelle: wort.lu

 
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