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8. Juli 2018

Wer ist dieser Mensch?

Kommentar zum 14. Sonntag im Jahreskreis von Mathias Schiltz (08.07.2018)

Markus (6,1b-6)

„Wer ist dieser Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?“ (Mk 5,41). Das war vor 14 Tagen im Evangelium des zwölften Sonntags die verblüffte und zugleich bewundernde Frage der Apostel, nachdem Jesus dem stürmenden See Einhalt geboten hatte. Eine ähnliche Frage stellen heute seine Landsleute in der Synagoge von Nazareth, freilich unter andern Vorzeichen. In das anfängliche Staunen – „Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist“? – mischt sich alsbald Skepsis und Ablehnung.

Denn sie kennen ihn – glauben ihn zu kennen, nur allzu gut – den Zimmermann, den einfachen Handwerker, der nie eine rabbinische Schule besucht hat. Sie kennen seine Mutter, seine Verwandten und seine Vorfahren, unter denen es mehr als ein schwarzes Schaf gegeben hat. Sie hatten sich ein anderes Bild gemacht vom Propheten, vom Messias: einer der von weit herkäme, ein Hochgebildeter, ein Reicher und Mächtiger. Dieser ist ihnen zu nahe, zu alltäglich. Sie nehmen Anstoß daran und lehnen ihn ab.

Wer ist dieser Mensch, wer ist Jesus? Diese Frage durchzieht das ganze Markusevangelium wie ein roter Faden und ist die Spannkraft seiner Dramatik. Von Zeit zu Zeit deutet sich eine Antwort an: in den Zeichen die Jesus wirkt; in der einen oder anderen Selbstaussage. Aber gleich folgt das messianische Schweigegebot: „Sagt niemand etwas, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist“ (Mt 17,9 und andere). Der Widerschein des Lichts wird rasch wieder durch den Mantel des Gewöhnlichen und Alltäglichen zugedeckt. Jesus will ganz eintauchen in die Banalität und Tiefe der menschlichen Existenz. So hat er sich eingereiht in die Kette der Sünder und Büßer und ist mit ihnen hinabgestiegen in die Fluten des Jordans.

Aber gerade in diesem Augenblick der Erniedrigung erschallt die Stimme vom Himmel, die – in Anlehnung an Ps 2,7 und Jes 42,1 – erstmals den von Ewigkeit her gültigen Rang Jesu bezeugt: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“ (Mk 1,11).

Allerdings, bevor dieser Rang sich im vollen Glanz seiner Würde in der Gestalt des erhöhten Herrn offenbaren kann, muss sich der hier im Symbol der Johannestaufe angedeutete Weg der Erniedrigung existenziell bis zum Letzten vollziehen, wie es uns im uralten Christushymnus des Philipperbriefes (2,5-7) überliefert ist:

„Ausgeleert hat er sich selbst, Knechtsgestalt hat er genommen; in Menschengleichheit trat er auf und ward in der Art als Mensch erfunden. So hat er sich niedrig gemacht, ward gehorsam bis zum Tod – dem Tod am Kreuz. Darum hob Gott ihn überhoch und gab zugnaden ihm den Namen, der über allem Namen ist.“ (Übersetzung von Friedolin Stier).

Erst als die beim Abendmahl im sakramentalen Zeichen des gebrochenen Brotes verheißene und vorweggenommene Hingabe sich in der blutigen Wirklichkeit des Kreuzes unwiderruflich vollzogen hat, kann der römische Hauptmann, der Jesus auf diese Weise sterben sah, die Grundfrage des Markusevangeliums beantworten und bekennen: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn“ (Mk 15,39).

Der Hauptmann war ein Römer, ein Weltbürger. Er spricht im Namen des gesamten Menschengeschlechts. Ist sein Bekenntnis auch meine, auch deine Antwort?

Quelle: Luxemburger Wort

Mathias SCHILTZ
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