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10. November 2017

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Kommentar zum Sonntag von Théo Klein scj (12.11.17)

Mt 25,1-13

Situationen wie diese, sind uns nicht fremd: Der Bus ist abgefahren, der Zug ist schon raus … Pech! Und es gibt auch Menschen, die nehmen es mit der Pünktlichkeit nicht so ernst; sie kommen immer zu spät und oft ohne sich dabei zu entschuldigen.

Im Gleichnis von den zehn Jungfrauen geht es Jesus darum, dass wir wachsam mit unserer begrenzten Lebenszeit im Angesicht Gottes umgehen. Es handelt davon, dass das Licht ihrer Lampen nicht ausgehen soll, solange sie warten. Jesus spricht von Lampen, die zu seiner Zeit überall im Römischen Reich einfache Tonschalen waren. Der Schnabel der Lampe besaß ein Loch für den Docht, die anderen Löcher sind für das Nachfüllen des Öls bestimmt. Es brauchte damals viel Aufmerksamkeit und Fürsorge, damit diese Lampen nicht ausgingen. Man kann das heute mit der regelmäßigen Pflege von Wohnungspflanzen vergleichen. Immer wieder müssen wir Wasser nachfüllen, damit sie nicht austrocknen und sterben.

Vom göttlichen Funken

In der Sprache Jesu heißt Lampe „botsina“. Der Begriff „botsina“ erhält später in der Kabbalistik (eine mystische Auslegungstradition mittelalterlicher Juden) auch die Bedeutung von Funke, Licht. Die Lampen im Gleichnis können wir also auch als Symbol für den göttlichen Funken in uns verstehen. So meinen es auch die Mönchsväter: Schau in dein Herz. Welche Hoffnungen sind es denn, die in deinem Leben lebendig sind? Der göttliche Funke in uns zeigt den Raum in uns, über den niemand Macht hat, den Raum, in dem Gott in uns wohnt. „Dort wo Gott in uns wohnt, kommen wir in Berührung mit unserem wahren Selbst. Dort wächst unser Selbstwertgefühl und wir werden mehr und mehr eins mit uns selbst“ (Anselm Grün).

Die Frage ist: Wie oder womit nähren wir unseren Funken? Welche inneren Kraftreserven legen wir an, damit auch in der Dunkelheit der Nacht das Licht der Lampe nicht erlischt?

Ohne das Öl kann das Licht in der Lampe nicht brennen. Es entspricht einer bestimmten Lebenshaltung, nämlich der Fürsorge und Pflege des Lebendigen in uns. Das Öl ist das im Leben verwirklichte Evangelium und in uns brennt dieser göttliche Funke. Dieses Licht brauchen wir, um die dunklen Momente im Leben aufzuhellen. Töricht sind die, die diesem bescheidenen Lämpchen keine Chance geben und stets nach größerem Licht Ausschau halten.

Wie steht es mit dem Evangelium in unserem Leben? Wie steht es mit dem Öl in unseren Lampen? Öl in den Lampen zu haben, bedeutet für uns Christen, die größere Kraft des Glaubens zu bewahren. Diejenigen, die Öl in den Lampen haben, bewahren ihre Zuversicht, trotz mancher Schwierigkeiten im Leben. Zuverlässigkeit, kleine freundliche Worte, ein Gedanke an andere, unsere Art und Weise zu schweigen, zu schauen, zu sprechen und zu handeln – das sind die „kleinen Tropfen Öl“ wie Mutter Teresa sagte.

Etwas ist in diesem Gleichnis im ersten Moment befremdlich: Die fünf klugen Jungfrauen wollen nicht mit den anderen das Öl teilen. Dies ist kein Egoismus, sondern Stilmittel des Gleichnisses, um zu zeigen: Genügend Öl zu haben ist unlöslich an jeden Einzelnen gebunden. Keiner kann für mich oder für Sie einspringen. Keiner kann sich den Fragen entziehen: Wie steht es mit meinem Öl? Bin ich klug oder töricht?

Quelle: Luxemburger Wort

Théo KLEIN scj
 
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