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30. Juli 2018

Wolfgang Sauer: Die Mitte des Lebens finden - Im Geheimnis des Glaubens

Religiöses Buch des Monats August 2018

Machen wir einen Test. „Erhebet die Herzen!“ – Hören Sie die Antwort „Wir haben sie beim Herrn.“ schon innerlich? Verspüren Sie gar den Impuls, aufzustehen?

Im Guten wie im Schlechten ist die Heilige Messe den meisten Katholiken zur Routine geworden. Wolfgang Sauer stellt sie in diesem Buch in Frage – nicht, um es besser zu wissen, sondern um den Leserinnen und Lesern zu einem tieferen Verständnis des Geschehens zu verhelfen. Auf persönliche, konkrete und durchaus auch emotionale Weise teilt er mit ihnen die Einsichten, die ihm im Laufe seiner inzwischen 45 Dienstjahre als Priester zugewachsen sind, u.a. als Seelsorger für Priesteramtskandidaten, Hochschulseelsorger in Heidelberg und Direktor der katholischen Journalistenschule ifp in München. Seine Gedanken ordnet er unter Überschriften wie „Unser tägliches Brot“, „Herr, ich bin nicht würdig“, „Zu seinem Gedächtnis“.

Christsein bedeutet in Sauers Augen, sein Leben in der Grundhaltung der Dankbarkeit zu führen. Diese „eucharistische Existenz“ wurzelt im Staunen über das Leben selbst und in der Dankbarkeit für die liebende Zuwendung Gottes zu allen Menschen – mit ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten.

Im Bewusstsein dieser Unzulänglichkeit liegt im Übrigen auch der tiefere Sinn des Gebets „Herr ich bin nicht würdig ...“. Nicht Selbsterniedrigung, sondern Selbsterkenntnis und Selbstannahme finden darin ihren Ausdruck, ist Sauer überzeugt. Darin liege „eine ganz besondere Form von Würde und Selbstachtung“, weil der Mensch in der Eucharistie erfahre, dass Gott ihn trotz „der Brüchigkeit seiner Existenz und der scheinbar vergeblichen Auflehnung gegen das Ungeordnete in seinem Leben“ liebe.

Eucharistische Existenz bedeutet darüber hinaus „ein Leben mit ausgebreiteten Armen“ zu führen, um diese grenzenlose Liebe Gottes empfangen und weitergeben zu können. „Christen sollen Künstler des Teilens sein“, fordert Sauer deshalb. Der Gedanke, dass der Alltag des Christen eine Fortsetzung der Eucharistiefeier mit anderen Mitteln sein muss, zieht sich daher wie ein roter Faden durch das Buch. Jesu Aufforderung „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ bezieht sich Sauer zufolge eben nicht nur auf die Wiederholung des letzten Abendmahles, sondern fordert zur Nachahmung seines Lebens auf, dazu, zu lieben, bis es wehtut.

So klar Sauer auch seine Gedanken zu verschiedenen Aspekten der eucharistischen Existenz formulieren kann, so bewusst ist er sich doch, dass die Eucharistie auch ein Mysterium ist. Das Geschehen entzieht sich letztlich der begrifflichen Festlegung. Oder mit Thomas von Aquin: „Gottheit tief verborgen, betend nah‘ ich dir“. Dennoch darf diese Einsicht nicht zur Ausrede werden, meint Sauer, auf eine denkerische Annäherung an das Geheimnis der Eucharistie zu verzichten.

Dazu lädt er ausdrücklich auch seine Leserinnen und Leser ein, die seine Gedanken kreativ weiterdenken sollen. Auf diese Weise kann aus Routine wieder ein Gefühl für die tröstende Kraft und das befreiende Geheimnis der Eucharistie wachsen.

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.

 
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