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14. April 2018

Zeuge sein

Kommentar zum Sonntag von P. Jean-Jacques Flammang SCJ (15.4.18)

Lk 24,35-48

Im sonntäglichen Gottesdienst stärken und vertiefen die Christen ihren Glauben. Sie erinnern sich an die ersten Begegnungen des Auferstanden mit seinen Jüngern, an das Teilen des Brotes und das Hören der Heiligen Schriften. Denn beide gehören eng zusammen. Bei fast allen Erscheinungen des Auferstandenen, von denen uns die Evangelien berichten, findet ein Essen statt, wo Jesus das Brot mit seinen Jüngern teilt und an sein Letztes Abendmahl mit ihnen erinnert und wo er ihnen dann auch den Sinn seines Todes nochmals anhand der Bibel zu deuten versucht.

Damals, vor Jesu Festnahme, war das alles für sie sehr geheimnisvoll. Sicher sprach er zu ihnen von Tod und Auferstehung, und verwies sie darauf, dass so wie er ihnen das Brot bricht und zum Essen verteilt, so werde ihnen auch sein Leib gebrochen und neues Leben geschenkt. Aber erst nach der Auferstehung beim Essen mit dem Auferstandenen und bei der Lesung der Heiligen Schriften konnten die Jünger besser begreifen, was er ihnen beim Letzten Abendmahl in Aussicht gestellt hat und wie er dann auch wirklich Großes an uns getan hat.

Zu begreifen ist nämlich, dass trotz Leiden und Tod, Jesus lebt, und dass somit Leiden und Tod im Grunde überwunden sind. Die Wunden an Jesu auferstandenem Leibe geben Zeugnis dafür ab, und mit Hilfe der Heiligen Schriften kann dieses Zeugnis tiefer verstanden werden. Deshalb verweist auch Jesus stets bei seinen nachösterlichen Erscheinungen auf sie, für deren Verständnis er den Jüngern die Augen öffnet.

Mit den Heiligen Schriften ist das gemeint, was wir das Alte Testament nennen und was die vollständige hebräische Bibel ist. Sie redet über Gott, Leben und Tod und trägt dazu bei, auch das österliche Geschehen zu deuten. Doch gibt Jesus keine genauen Texte an, was sicher einen tieferen Sinn für uns heute haben kann.

Denn dem Verweis Jesu getreu, lesen auch wir noch heute im Gottesdienst die hebräische Bibel. Sie darf aber nicht so gedeutet werden, dass man in ihr nur nach passenden Verheißungen sucht, die sich dann im Neuen Testament erfüllt hätten. Früher ist das öfters versucht worden, und man hat das Alte Testament nur noch im Lichte des Neuen verstanden. Bezeichnenderweise aber überliefern uns die Evangelisten keine genauen Zitate der Heiligen Schriften; sie berichten nur, dass Jesus auf sie verweist, um sein Leiden und Sterben zu deuten.

Vielleicht kann dies uns ein Zeichen dafür sein, dass die Hebräische Bibel als Ganzes zum Wort Gottes gehört, genauso wie das Neue Testament, und dass wir eventuelle Gegensätze nicht einfach im Sinne des Neuen Testamentes wegdeuten sollten, sondern sie produktiv nutzen zum Religionsdialog, auch mit unsern älteren jüdischen Mitbrüdern und –schwestern. Denn Jesus will von seinen Jüngern, dass sie Zeugen sind, und zum Zeugnis gehört nun auch ein auseinandersetzendes Gespräch ganz im Sinne Jesu.

Quelle: Luxemburger Wort

Jean-Jacques FLAMMANG scj
jjflammang belgacom.net
 
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