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Von Heilung, Sehen und der „Sehschule Jesu“

Kommentar zum 4. Fastensonntag des liturgischen Jahres A - Karsten H. Steil-Wilke (15.03.2026)

Der 1. Fastensonntag nahm uns mit in die Wüste, in die Stadt und auf den Berg der Versuchung. Am 2. Fastensonntag wurden wir mitgenommen auf den Berg der Verklärung, auf dem Jesus einen Lichtblick, einen Durchblick, einen Ausblick gewährte auf das Ziel seines menschlichen Lebens- und Leidensweges: Das Ziel ist das Licht, die Verwandlung, die Auferstehung, die Verklärung. Am vorigen Sonntag, dem 3. Fastensonntag, wurden wir mitgenommen an den Jakobsbrunnen und in die Begegnung Jesu mit der Samariterin. Es ging um das lebendige Wasser, das Jesus uns schenkt, besonders durch die Taufe. Am kommenden 4. Fastensonntag, dem Sonntag der freudigen Erwartung des Osterfestes (Laetare), werden wir mitgenommen an den Teich Schiloach, an dem ein Blindgeborener geheilt wird und wieder sehen kann. Hier bei uns in Luxemburg ist dieser Sonntag, die Zeit des sogenannten "Halleffaaschtens", an dem etwa an der Mosel in Remich und andernorts noch einmal karnevalistischer Lebensfreude gefröhnt wird. Der strengere Charakter von Entsagen und Abstinenz weicht für diesen Tag der geerdeten Lebensfreude. Wir haben jetzt schon drei Sonntage und Wochen hinter uns und noch drei vor uns bis zum Osterfest. In der groben weitverbreiteten Gliederung des Johannes-Evangeliums finden wir unseren heutigen Text im sogenannten "Buch der Zeichen", dort insbesondere von Joh 2,1 bis 12,50. Jesu Wirken in Galiläa, Judäa und Jerusalem in der Form von sieben Zeichen- oder Wundererzählungen sind dort das Thema. Das Heilungshandeln Jesu schlägt hohe Wellen. Für die Geheilten und Jesus-Begeisterten ist es ein Fest der Freude. Für das religiös-jüdische Establishment der Zeit Jesu wird es eine Nagelprobe, ein Ereignis, das Reibung erzeugt und Klarheit bringt.

Nagelprobe - Jesus wird mit der weitverbreiteten Auffassung konfrontiert, dass Behinderung oder körperliches Leid eine göttliche Strafe für Sündhaftigkeit in der Familie oder des Menschen selbst sei. Die Jünger fragen ihn deshalb, wer hier gesündigt hätte, der Blinde selbst oder seine Eltern. Jesus weist diese Auffassung zurück. Er antwortet in Joh 9,3: "Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden."

Reibung - Am Handeln Jesu und den heilsamen Konsequenzen reiben sich im Text die Augenzeugen und die Pharisäer. Es ist für sie schlicht nicht vorstellbar, dass Gott heilsam handelt und dabei über Gesetz und Tradition hinaus geht. Das ihnen schier ins Denken und Gewissen eintätowierte Zusammengehen von gesetzeswidrigem, sündhaftem Tun und körperlichen Leidenskonsequenzen vermögen sie nicht abzulegen ("Tun-Ergehen-Zusammenhang"). Sie lassen sogar seine Eltern kommen, um sich sagen zu lassen, dass der Mensch von Geburt an blind gewesen sei. Sie können es dann trotzdem nicht fassen und schmeißen den Geheilten kurzerhand raus. Das Handeln Jesu und seine erlösenden Konsequenzen scheint sie schlichtweg zu überfordern. Platzverweis. Rote Karte.

Klarheit - Danach begegnet der Geheilte erneut Jesus, der im Bilde darüber ist, dass der Mann von den Pharisäern ausgeschlossen wurde. Er wies ihn darauf hin, dass er, Jesus, der Menschensohn sei und fragte ihn, ob er dies glaube. Der ehemals Blinde bejahte dies aufgrund seiner gemachten Erfahrungen und ging vor Jesus vor gläubiger Ergriffenheit auf die Knie.

Der kleine Bruder Andreas Knapp schreibt zur Blindenheilung und Fähigkeit im umfassendem Sinne zu Sehen folgendes in einem seiner Gedichte:

"überlege es dir gut ob du wirklich sehen willst viel schreckliches kennst du bislang nur vom hörensagen

willst du wirklich fremdes leiden mit ansehen und der ungerechtigkeit der welt ins auge blicken

sehen will ich Herr augenblicklich dich anschauen und mit dir im blick fürchte ich nicht alles zu sehen " (aus: Andreas Knapp, Heller als Licht. Biblische Gedichte, Würzburg 2014, S. 61 )

Mehr als je zuvor brauchen wir uns vor der Abgründigkeit der Welt nicht zu fürchten. Es ist allerdings empfehlenswert in der gemeinschaftlichen "Sehschule Jesu" immer wieder unsere Antennen und Adapter an der neuen, in Jesus vollendeten Wirklichkeit von unendlicher Liebe, Heilung, Frieden, Verzeihung, Hoffnung und Leben über den Tod hinaus auszurichten und sie dann für alle Welt sicht-, spür- und berührbar zu bezeugen.

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