Nach dem Abschied Stille!
Kommentar zum Christi Himmelfahrt - Fränk Strock, diacre-éducateur (14.05.2026)
Welche Gefühlswallungen müssen die Jünger Jesu durchlebt haben an diesem Festtag? Zuerst die Angst, dann die Trauer am Karfreitag, werden durch die Freude der Auferstehung ersetzt. Und nun, 40 Tage später, ist Jesus wieder nicht mehr da. Wieder eine Zeit der Leere? In Jerusalem verstecken sie sich dann in einem Haus. Es scheint, dass Angst und Trauer noch immer überhand haben.
In der Apostelgeschichte sagen ihnen 2 Menschen in Weiß gekleidet: „Was starrt ihr da noch in den Himmel?“ (1,11) Es ist eine menschliche Reaktion, beim Abschied noch einige Zeit, dem hinterherzuschauen, der uns gerade verlassen hat. Als wollten wir ihn zurückholen? Oder nachlaufen? Oder einfach nur die Erinnerung tief in uns eingraben? Den Moment festhalten, da er nicht wiederkommt? Heute schießen wir noch schnell ein Foto! Und dann nur noch Stille!
Wie halten wir Stille aus? In einem Taizégebet sagte mir eine Jugendliche nach einigen Minuten stilles Gebet: „So lange war ich noch nie ruhig!“ Unsere Welt ist voll mit Geräuschen, Aktivitäten, Ablenkungen. Wenn es dann mal still um uns wird, machen wir das Radio oder den Fernseher an, greifen nach dem Handy, dem Tablett oder PC, gehen auf Social Media, oder lesen Zeitung oder ein Buch. Auch in einem guten Buch lesen hält uns davon ab uns mit Stille abzugeben.
Und dabei kann die Stille soviel in uns bewirken. Ein deutscher Journalist erzählte, dass er mit seiner kleinen Gebetsgrupp eingeführt hat, dass jedes Mitglied für sich selbst in seinem Terminkalender jeden Tag eine fünfminütige Stille eingesetzt hat. Viele sind nicht lange bei 5 Minuten geblieben und haben sie bald auf 10 und mehr ausgeweitet. Es hat ihnen gutgetan, und erlaubt in Allem produktiver zu sein. In der Stille hat so mancher sicher auch die Nähe Gottes gespürt, vielleicht auch Gottes Stimme. Oder einfach nur das erlebt, was der heilige Curé d’Ars gesagt hat, als er befragt wurde nach den vielen Stunden, in denen er ruhig in der Kirche saß: „Er sieht mich an und ich Ihn!“
In der Stille hören wir vielleicht dann auch die Worte Jesu aus dem Matthäusevangelium dieses Festes: „Darum geht … denn ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (28,19a + 20b) Jesus beauftragt die Jünger (und auch uns Gläubige) nicht stehen zu bleiben und in den Himmel zu starren (oder sonst wohin), sondern uns zu bewegen. Bewegen dürfen wir uns in Richtung der ewigen Freude, die schon hier und jetzt anfängt. Jesus lebt! Es gibt eine Hoffnung für jeden. Wir dürfen Zeugen sein, dass Jesus bei uns ist, durch unser Wesen, unsere Präsenz, unser Handeln, durch Stille sein, und vielleicht auch durch Worte.
Etwa 80% der Kommunikation zwischen Menschen ist laut Experten nicht verbal, nicht gesprochenes Wort.
Durch die Stille und gelebter Glaube wird Gottes Geist in uns wirken. Er macht uns zu lebendigen Zeugen seiner Liebe. Er schenkt Menschen Freude am Leben durch uns. Wir dürfen uns darauf einlassen und Er ist bei uns bis ans Ende der Welt.
Und so dürfen wir beten, damit der Heilige Geist auf uns kommt, und uns nach seinem Bild verändert.