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Jahr A (2019-2020)  
24. Dezember 2019

Das nackte Leben im Fokus

Kommentar zu Weihnachten von Msgr. Leo Wagener, Weihbischof

Kennen Sie Alexander Gerst? Richtig: Es handelt sich um den deutschen Kommandanten der internationalen Raumstation ISS, der vor einem Jahr nach fast 200 Tagen im All sicher zur Erde zurückkehrte. Die Medien berichteten ausführlich über die erfolgreiche Landung und lieferten faszinierende Aufnahmen unseres blauen Planeten aus 400 Kilometer Höhe gleich mit.

So wichtig und interessant seine sechsmonatige Forschungsmission im All auch gewesen sein mag, in einem Interview sagt Gerst: „Jetzt merke ich, dass ich das vermisst habe… den Wald zu riechen, das Gras, und den Wind im Gesicht zu spüren… Was wären wir Menschen ohne die Erde? Unmöglich, sich das vorzustellen!“

Gerade aus der Distanz wird dem Wissenschaftler bewusst, wie kostbar (ihm) die Erde in der Vielgestalt des kreatürlichen Lebens ist.

„Was wären wir ohne die Erde?“ – Dieser spontane Ausruf des Astronauten kann uns in das Geheimnis des Weihnachtsfestes führen. An Weihnachten bedenken und bekennen Christen, dass Gott jegliche Distanz zu uns aufgibt und sich einlebt in seine herrliche Schöpfung und inmitten des kunterbunten Treibens der Menschen. Unsere winzige und doch so einmalige Weltkugel in den unvorstellbaren Weiten des Universums wird zur Biosphäre Gottes.

Wir feiern eigentlich ein Paradox: Der Ursprung des Seins, der allmächtige Schöpfer macht sich in Jesus Christus zum verwundbaren Mitgeschöpf. Er schränkt sich gleichsam selbst ein in der Ohnmacht eines neugeborenen Kindes, wie es Papst Benedikt XVI. einmal formulierte.

Es mag für uns verrückt erscheinen, zumal wir es ohnehin schwer haben uns selbst zu beschränken. Wir wollen meistens mehr: mehr Geld, mehr Freizeitangebote, mehr Kaufkraft, mehr Urlaub, mehr Abenteuer, mehr Komfort… Gott hingegen schränkt sich ein in seiner Machtfülle, um uns Raum zu geben. So ist Liebe. Sie macht sich wehrlos, um dem andern Raum zu geben.

Gott möchte nicht ohne Erde sein. Er wird aus Liebe im Kind von Betlehem zum „Gott-Immanuel“, zum „Gott-mit-uns“.

Erstaunlicherweise wird uns gegenwärtig immer mehr bewusst, dass wir unseren Planten und damit unsere natürliche Lebensgrundlage nur in dem Maße erhalten, wie wir es machen wie Gott: indem wir uns beschränken. Die wilde Expansion unserer Wohlstandsansprüche mit dem einhergehenden Verbrauch von Ressourcen bei gleichzeitiger Belastung und Zerstörung der biologischen Zusammenhänge kann zu einer gefährlichen Talfahrt für die gesamte Menschheit werden. Wir fangen an zu realisieren, dass Selbsteinschränkung ein Mittel zur Ermöglichung von Leben für alle wird. Geschieht sie aus Liebe, ist sie keine Ursache von Frustration, sondern Quelle von Solidarität und Lebensfreude.

Wenn Gott in Jesus Christus Mensch wird, dann um uns zu sagen, wie wichtig Ihm der Mensch ist, nicht nur der in Luxemburg, sondern auch der in Bangladesch. Weihnachten rückt das nackte Leben in den Fokus. Weihnachten ist das Treuebekenntnis Gottes zu seiner Welt. Er möchte nicht ohne uns sein. Ich selbst freue mich auf die Feier an Heiligabend und am Weihnachtstag. Mit den Mitfeiernden bekenne ich dem Sohn Mariens: „Ich möchte nicht ohne Dich sein: es geht um mein Leben!“

Quelle: Luxemburger Wort

Leo WAGENER

Weihbischof in Luxemburg

 
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