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Jahr A (2019-2020)  
15. Februar 2020

Unangenehme Worte Jesu gehören nicht zur theologischen Sondermülldeponie

Kommentar zum Sonntag von Pater Théo Klein SCJ

Ich muss fair gestehen, dass mir beim Hören, Lesen und Verkünden der Worte Jesu ganz mulmig wird. Schon ein scheinbares leichtes Vergehen, wie „Idiot“ zu sagen oder eine Frau geil anzuschauen, kann katastrophale Folgen haben. Es kann doch nicht sein, dass Jesus zur Selbstverstümmelung aufruft! Wäre dies nicht eher eine fundamentalistische Interpretation einer zerstörerischen und pathologischen Religion als die frohmachende Botschaft, Worte des Lebens, Worte, die Leben spenden? Herumbasteln am Evangelium bringt auch nichts. Die unangenehmen Worte in eine theologische Sondermülldeponie liquidieren wäre ebenso fehl am Platz.

Jesus stellt einen hohen Anspruch. Für viele sind die Worte Jesu eine Utopie, ein unerreichbares Ziel. Wäre Jesu heute in einer Talkshow eingeladen, würde er von Leuten ausgebuht werden, die ihn überhaupt nicht verstehen wollten. Es ist wichtig, dass wir unser Denkmuster überprüfen. Niemand darf verteufelt werden. Es geht nicht um Selbstverstümmelung oder Leibfeindlichkeit. Der vorurteilslose Umgang Jesu mit Sündern, Ehebrechern und Huren zeigt, dass es ihm immer um Gottes Willen geht. Gott allein kann in die Herzen der Menschen schauen. Augustinus resümierte die evangelische Grundhaltung folgendermaßen: „Den Sünder lieben, aber nicht die Sünde.“

Das Herzensanliegen in der Bergpredigt Jesu ist die Herzensreinheit: „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ Das reine Herz steht in Zusammenhang mit dem Auge. Es gibt einen direkten Kanal, zwischen dem, was das Auge wahrnimmt und dem was das Herz aufnimmt. Bin ich bereit und offen für die geistliche Entwicklung rein im Herzen zu werden oder schütte ich es Tag für Tag mit Müll zu? Niemand bestreitet den negativen und verletzenden Einfluss von allem Obszönen auf die Persönlichkeitsreifung. Das Obszöne ist ein Übergriff auf die Innerlichkeit und die Würde des Menschen. Dadurch wird der Mensch fremdbestimmt und krank. Gianfranco Kardinal Ravasi zeigt in seinem Buch „Sünde - Versuche vom verfehlten Leben“ die Logik des Exzesses und der Schamlosigkeit auf, dass die virtuelle und gedruckte Pornographie, gepriesen und und geputscht von einer maßlosen Angebotsfülle zu Ekel, der letztlich zu einer kommunikativen Anorexie (Magersucht) führt (S.163). Diese Aussage bestätigte auch schon Sigmund Freud: „Der Verlust der Scham ist eine Form kulturellen Schwachsinns.“

Die Bergpredigt bildet die spirituelle Achse und formuliert, was in der Taufe vollzogen wird: die Absage an das Böse, d.h. wörtlich „sich fremd machen“ und die Hinwendung zu Christus. Das Evangelium lädt zur Weisung „Wende dich ab vom Bösen“ (Benediktinerregel, Prolog 17) in der Hinwendung zum Guten und macht deutlich, dass solches „fremd machen“ lebenslange Aufgabe eines Christen ist. Seien wir auf der Hut! Bestimmt können die klaren Worte des früheren Bischofs von Fulda, Johannes Dyba uns alle ein Hilfe sein: „Wenn jemand vor einem Abgrund steht, ist jeder Schritt zurück ein Fortschritt!“

Théo KLEIN s.c.j.
 
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