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Jahr B (2017-2018)  
10. Februar 2018

Ein Gott der Sünder

Kommentar zum Sonntag von Abbé Claude Bache (11.2.18)

Mk 1,40-45

Der Aussatz war zur Zeit Jesu eine schlimmere Krankheit als heute der Krebs. Aussatz zerstörte den Menschen in seiner ganzen Existenz: leiblich, seelisch, sozial und religiös. Die Haut war mit eitrigen Geschwüren und Flecken bedeckt. Muskelschwäche und Lähmung verursachten unerträgliche Schmerzen. Die Glieder faulten und starben ab. Aussätzige wurden aus der Familie und der Gesellschaft ausgeschlossen. Sie durften sich nicht mehr in Dörfern und Städten aufhalten. Religiös waren sie vom Kult ausgeschlossen und sozusagen exkommuniziert. Aussätzige galten als unrein, als Sünder. Man hatte sie abgeschrieben. Sie waren so gut wie tot. Niemand durfte sie berühren.

Im Evangelium, das an diesem Wochenende in unseren Kirchen vorgelesen wird, streckt Jesus seine Hand aus und berührt den Aussätzigen. Dadurch gibt er zu verstehen, dass ihm der Aussätzige mehr wert ist als das Gesetz. Er berührt ihn, weil er mit seinem Los und Schicksal Mitleid hat. Dieses Mitleid war bei ihm keine momentane Gefühlsregung, sondern eine tiefe Betroffenheit und Erschütterung. Markus will in seinem Evangelium durch diese Perikope verkünden: So ist Jesus, so ist Gott! Er ist ein Gott der Sünder.

Ein Gott der Sünder – das ist eine ganz neue Offenbarung. Gott ist also ganz anders, als wir ihn uns

vorstellen und zurechtmachen. Jesus identifiziert sich mit dem Aussätzigen, so dass er selbst ein Aussätziger

ist, ein Mann der Schmerzen, an dem weder Gestalt noch Schönheit ist (vgl. Jes 53). Der Apostel Paulus hat diesen Gedanken auf den Punkt gebracht, wenn er im 2. Korintherbrief schreibt: „Lasst euch mit Gott versöhnen. Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden“ (5,21). Was für ein Tausch: Ein Unschuldiger wird schuldig, damit wir, die wirklich Schuldigen, gerecht und geheiligt werden. Das, was da gesagt wird, will uns nicht in den Kopf, und auch unser Herz tut sich schwer, es zu verstehen. Und doch ist es so: Gott ist ein Gott der Sünder.

Wir erkennen es an Jesus, der nicht im Tempel in Jerusalem stirbt, sondern außerhalb der Stadtmauern, da, wo sich die Aussätzigen aufhalten. Jesus stirbt am Kreuz zwischen zwei Verbrechern.

Jesus streckt seine Hand aus und berührt den Aussätzigen. Was tun wir heute als Christen für die, die

in unserer Gesellschaft Aussätzige sind, die man ausgrenzt und abgeschrieben hat?

Konkret: Was tun wir für die Menschen in den Slums der Großstädte, für die Straßenkinder, die Suchtkranken, die körperlich und geistig Behinderten, für die alten, gebrechlichen Leute, die oft verwirrt sind und abgeschoben werden, für die ungeborenen Kinder, die man nicht haben will und die abgetrieben werden?

Überwinden wir als erstes unsere Berührungsängste! So wie Jesus es uns vorgelebt hat. Und erfahren wir dann, dass dieser Gott auch uns seine Liebe und Barmherzigkeit schenkt!

Quelle: Luxemburger Wort

 
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