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19. Januar 2019

Hochzeit in Kana – nicht nur eine lustige Geschichte

Der Kommentar zum 2. Sonntag im Jahreskreis von P. Jean-Jacques Flammang SCJ (20.01.2019)

Joh 2, 1-11

In Kana fehlte auf einmal etwas Wesentliches für die Hochzeitsfeier. An wen sollte man sich wenden, um Hilfe zu bekommen? Maria wusste die Antwort. „Was Jesus euch sagt, das tut“, riet sie den Dienern. Diese hörten auf Jesus, und so konnte geholfen und ein richtiges Hochzeitsfest gefeiert werden.

Von Wunder ist im Evangelium hier nicht die Rede, wohl aber von Zeichen. Johannes kommentiert: „So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.“

Zeichen zeigen immer auf etwas anderes hin. Nur der Einfältige betrachtet den Finger, wenn man ihm den Mond zeigt, sagt das Sprichwort.

In Kana geht es Jesus also nicht so sehr um Wasser und Wein als vielmehr um eine gelungene Hochzeit. Das Fest der Neuvermählten selber aber wird zum Zeichen der neuen Gemeinschaft, die zwischen Gott und den Menschen entstehen soll durch Jesus, der dazu in die Welt gekommen ist.

Gleich zu Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu zeigt der Wein in Kana also auf Golgota hin, wo Jesus, als alles vollbracht war, durch sein Blut den neuen Bund zwischen Gott und den Menschen endgültig beschließt.

Der Evangelist Johannes vergisst nicht zu berichten, dass sowohl in Kana als auch auf Golgota, Maria, die Mutter Jesu, dabei ist und ihr Jawort zur Neugestaltung der Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen gibt.

Über Jahrhunderte hat Luxemburg sich für dieses Zeichen in Kana und das Geschehen auf Golgota dankbar erwiesen. Der in schweren Zeiten oft geprüfte und in Frage gestellte Glaube wurde bei Maria, der Trösterin im Leid, stets gestärkt und erneuert.

Luxemburg hatte erfahren, dass ohne die Verbindung zum lebendigen Gott, den Menschen etwas Wesentliches fehlt, und dass der christliche Glaube immer auch Garant für wirkliche Freiheit ist.

Europa und die Welt haben das ebenfalls erkannt, als sie vor 70 Jahren in die Erklärung der Menschenrechte, das Recht auf Freiheit, seine Religion öffentlich ausüben zu können, eingeschrieben haben. „Wer gegen Religion ist, ist gegen die Freiheit des Menschen“, hat vor kurzem der Schweizer Philosoph Michael Rüegg in seinem Buch „Krise der Freiheit“ geschrieben. Und die zerstörerischen Kräfte der totalitären Staaten im 20. Jahrhundert und darüber hinaus geben ihm wohl kaum Unrecht.

Vor einigen Jahren hat sich Luxemburg nun dafür entschieden, dass in den öffentlichen Schulen anstelle der Religionen allein der Staat die Vermittlung und Diskussion von Werten und Weltanschauungen übernimmt. Damit ist sicher Trennung von Religion und Staat, aber auch Trennung von Religion und Gesellschaft angepeilt, soll doch eine neue religionsfreie Kultur entstehen, welche die Verbindung mit Gott in der Privatsphäre verschwinden lassen will.

Das Evangelium der Hochzeit in Kana ist nicht eine lustige Geschichte aus dem Erinnerungsalbum der Neuvermählten. Es ist der Aufruf festzustellen, was der Menschheit heute fehlt und zugleich der Hinweis, dass Gemeinschaft mit Gott pflegen, immer auch bedeutet, sich gegen Totalitarismus zu schützen und wirkliche Freiheit im Sinne des Evangeliums zu fördern.

Quelle: Luxemburger Wort

Jean-Jacques FLAMMANG s.c.j.
 
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