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Jahr A (2016-2017)  
17. Juni 2017

Das fleischgewordene Wort

18.06.2017

Joh 6,51-58

Es ist sozusagen immer der Testfall für die kirchliche Eucharistielehre, die alte Frage: „Wie sage ich es meinem Kinde – und auch Erwachsenen?“ Was empfangen wir in der Eucharistie?

Es geht um das fleischgewordene WORT, das sich uns mitteilt und das man – wovon in der Heiligen Schrift so oft die Rede ist – essen muss, weil es für uns, unter den Umständen, in denen wir leben, die intensivste Begegnung ist – es geht um Aufnahme und Einswerden.

Beim Propheten Ezechiel besteht der Auftrag Gottes darin, eine Schriftrolle zu essen: „Menschensohn, nähre deinen Leib und erfülle dein Inneres mit dieser Buchrolle, die ich dir reiche! Ich aß sie und sie ward in meinem Mund süß wie Honig (3,2).“ Es bleibt eine Zumutung, aber wir kommen nicht darum herum. Es geht nicht um viele bunte Geschichten und Symbole, die oft genauso unverständlich sind wie das Johannesevangelium, wenn man es ohne Erklärungen hört oder liest. Dabei taucht unweigerlich die Frage auf: Was glauben die, die den Kindern die Eucharistie erklären? Das ist eine viel spannendere Frage. Es klingt gut, wenn gesagt wird, die Katechese in der Pfarrei wäre eine Chance und die Zeit wäre gekommen, endlich auf die Laien zu setzen. Zudem betont dies der Papst ja auch immer wieder. Man darf nicht vergessen, was Papst Franziskus mit Recht sagt, dass man Laien zunächst befähigen muss. Das gilt genauso für den Klerus.

Was empfangen wir in der Eucharistie? Über diese Frage gibt es heute oft Streit – wie damals im Evangelium. Sie stritten sich und wahrscheinlich ist heute die gängige Meinung, dass man den Kindern nicht sagen kann, „dass Jesus den Seinigen sein Fleisch zu essen gegeben hat“. Was sagt man den Kindern, wenn man das nicht sagen kann? An die Stelle der Eucharistielehre ist in den letzten Jahren alles Mögliche oder eher Unmögliche getreten.

Niemand bestreitet, dass uns die Sätze im Evangelium schwerfallen. Bei allen Fragen und Schwierigkeiten sollten wir auf die innere Dynamik dieses Abschnitts besonders achten, in dem vor den Augen Jesu in der Synagoge von Kafarnaum Streit entsteht über diesen Satz: „Wie kann er an uns sein Fleisch zu essen geben?“ Jesus gibt bei diesem Satz aber auch keinen halben Millimeter Ermäßigung. Vielmehr wiederholt er beharrlich diesen Satz. Immer wieder spricht er davon: „Mein Fleisch essen, mein Blut trinken“. Muss uns das nicht nachdenklich machen? Führen diese Worte nicht vielmehr in die Tiefe des Geheimnisses der Inkarnation, der Menschwerdung, der Fleischwerdung Gottes hinein, über das Zerbrechen am Kreuz!

Dieser Streit in der Synagoge von Kafarnaum ist wichtig. Er ist für uns als Kirche ein Lehrstück, denn er fragt uns als erster, was wir glauben. Das 6. Kapitel des Johannesevangeliums ist voller Fragen. Als die Menschen zu Beginn dieser Auseinandersetzung zu 
Jesus kamen, werden sie gefragt – werden wir gefragt -: Warum kommt ihr? Warum sucht ihr Jesus überhaupt? Warum wollt ihr ihn begegnen? Welche Motive habt ihr? Immer mehr werden wir in diese enge Frage hineingezogen: Wie haben wir Gemeinschaft mit Jesus?

Laut dem Johannesevangelium: Nur über dieses Mahl. Warum ist es wichtig? Weil nur diejenigen, die an diesem eucharistischen Mahl teilnehmen, das ewige Leben in sich haben. Es geht darum, durch Jesus zu leben und zwar nur durch ihn. Es geht um bleibendes Leben. Ob es sich nicht lohnt, Kindern und Erwachsenen diese Botschaft zu vermitteln und durch das eucharistische Leben zu bezeugen?

Quelle: Luxemburger Wort

Théo KLEIN scj
 
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