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Schwaarz Noutmuttergottes  
3. Februar 2015

Vom Rhein an die Alzette

Das Gnadenbild der Schwarzen Notmuttergottes stammt aus dem Kölner Raum

Besondere Verehrung während der Fastenzeit in Stadtgrund

Das aus dem 14. Jahrhundert stammende Gnadenbild der Schwarzen Notmuttergottes gilt als eine der schönsten Marienstatuen des Großherzogtums und wird seit über 200 Jahren insbesondere während der österlichen Bußzeit in der Sankt-Johann-Kirche in Luxemburg- Stadtgrund verehrt. Kleine Hommage an eine „schöne Madonna“, die im Rahmen einer Sonderausstellung [2010] in Bonn neu interpretiert [wurde].
Viele Parallelen gibt es zwischen der Luxemburgerin und den Madonnen, die [2010] im LVR-Landesmuseum in Bonn ausgestellt [waren]. Hier die „Madonna in der Sonne“ (um 1380). (Foto: LVR-Landesmuseum Bonn)
Die Marienverehrung in Luxemburg hat eine lange Tradition und reicht bis in die Merowingerzeit zurück. Kurze Zeit nach der Gründung der Stadt Luxemburg finden wir in der ersten Burg der Grafen von Luxemburg einen der Gottesmutter geweihten Altar (987). Die Klostergründungen im 12. und 13. Jahrhundert stehen unter dem besonderen Schutz Mariens. Die Stadtluxemburger benediktinische Münsterabtei trug den Titel „Unserer Lieben Frau“, während die Franziskaner, die um 1250 „anscheinend von Trier nach Luxemburg kamen“ [1], Maria in besonderer Weise verehrten.

Die einst im Franziskanerkloster auf dem hauptstädtischen Knuedler zwischen den Pestheiligen thronende „Mater Dei et Stella Coeli“ aus dem 14. Jahrhundert ist bis heute ein Andachtsobjekt, das seit 1805 in der St.-Johann-Kirche einen Ehrenplatz hat. Dieses als Schwarze Notmuttergottes bekannte Gnadenbild, das im Kontext der Sonderausstellung „Schöne Madonnen am Rhein“ [2010] im LVR-Landesmuseum Bonn neu interpretiert werden [konnte], stammt – wie die über 150 Jahre jüngere Statue der „Consolatrix Afflictorum“ – aus dem Kölner Raum.

Dass gleich zwei der wichtigsten Marienstatuten Luxemburgs aus dem künstlerischen Epizentrum Köln hervorgegangen sind, lässt darauf schließen, dass es zwischen dem Herzogtum Luxemburg und der Kunstschmiede Köln intensive Kontakte gab, die bis dato nicht genügend gewürdigt wurden.

Rheinische Kurfürsten gegen das Haus Luxemburg

Jüngere Forschungen ergaben, dass die drei rheinischen geistlichen Kurfürsten in Köln, Mainz und Trier im 14. Jahrhundert eine Art Gegenregierung zum böhmischen König und deutschen Kaiser Wenzel aus dem Hause Luxemburg betrieben. Das fand seinen Ausdruck nicht nur im rheinischen Münzverein mit dem rheinischen Gulden (florenus Rheni), der damals wohl verbreitetsten Fernhandelsmünze in Europa.

Es wirkte sich auch auf die Kulturpolitik aus. Die drei rheinischen Zentren tauschten sich enger miteinander aus und verfolgten eine gemeinsame Richtung [2]. Durch die Verlegung des Trierer erzbischöflichen Hofes nach Koblenz hatte die „Rheinschiene“ in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts an Bedeutung gewonnen, „alle drei rheinischen Erzbischöfe residierten in dieser Zeit am Rhein“ [3]. Da viele Abteien aus Kurtrier ihre größten Ländereien im Luxemburgischen hatten – der Abt von St. Maximin aus Trier war sogar Primas der Luxemburger Ständeversammlung –, und die Trierer (Weih)Bischöfe im deutschsprachigen Teil des Herzogtums Luxemburg für Weihehandlungen und Visitationen verantwortlich zeichneten, gab es einen regen, wenn auch nicht immer konfliktfreien Austausch zwischen Kurtrier und Luxemburg.

Beispielsweise mussten die Winzer aus Hof Mertert den „census vinus“ an den Abt von St. Maximin zahlen und ihm den Treueeid leisten: „Wir schwören, wenn der Herr Abt uns seinerseits bei unsern überbrachten Rechten und Gebräuchen im Hofbezirk belässt.“ [4] Die Einflüsse der von den drei geistlichen Kurfürsten verfolgten Kulturpolitik auf den damaligen Luxemburger Raum wurden allerdings noch nicht analysiert, obwohl eine Durchlässigkeit der Bistumsgrenzen auch in künstlerischen Dingen damals erkennbar war.

Erzbischof Kuno von Falkenstein als zentrale Figur

Eine Grande Dame an der Alzette: die Schwarze Notmuttergottes in der St.-Johann-Kirche in Stadtgrund. (Foto: Marc Jeck)Eine zentrale Figur dieser Durchlässigkeit war zwischen 1360 und 1388 der Trierer Erzbischof Kuno von Falkenstein, der zeitweilig als Administrator in Köln amtierte und seinem Großneffen Friedrich von Saarwerden – gegen den Willen Karls IV. – den Kölner Erzbischofsstuhl verschaffte. Kuno von Falkenstein, „der mächtigste Mann am Rhein“ [5], der Koblenz zur Residenzstadt erhob, gab sakrale Kunstwerke in Köln, Koblenz und Frankfurt in Auftrag. Sein Grabmal in Koblenz – ein Unikat in der Kunstgeschichte – verklärt die Trierer, Kölner und Mainzer Grabmalsspezifika. Kuno von Falkenstein ernannte auch den Benediktiner Matthias von Echternach 1365 zum Weihbischof von Trier. Viele in Trier amtierende Weihbischöfe hatten den (künstlerischen) Blick zum Rhein.

Als Mitglieder des Kölner Karmeliterkonvents und Doktoren der Universität Köln waren diese Trierer Weihbischöfe eng mit dem Nachbarbistum verwurzelt [6]. Gleich der Großhandelsmünze des florenus Rheni – ein starkes Symbol für die supraregionalen Wirtschaftsbeziehungen im 14. und 15. Jahrhundert – ist anzunehmen, dass auch rheinische Kunst in Luxemburg in Umlauf gebracht wurde. Die um 1360 bis 1380 datierte Schwarze Madonna aus der St.-Johann-Kirche in Luxemburg-Stadtgrund hat damals ihre Reise vom Rhein an die Alzette angetreten.

„Gerade weil das Gnadenbild zu einer Zeit geschaffen wurde, als die Luxemburger Dynastie mit dem in Prag residierenden Kaiser Karl IV. (1346-78) im Zenit ihrer politischen Macht stand, scheint es erstaunlich, dass eine Figur aus Köln ins Stammland dieser Familie importiert wurde. Bei den engen Verbindungen des Erzbischofs Balduin von Trier (1307-54) zum Kaiser in Prag, seinem Großneffen, der die Bischofsstadt an der Mosel häufig besuchte, hätte eigentlich auch die böhmische Bezugsquelle nahe gelegen“ [7], so formuliert es die Kuratorin Gude Suckale-Redlefsen im Begleitbuch zur Bonner Sonderausstellung.

Nahe gelegen ist auch die „Franziskanerschiene“, denn der Luxemburger Konvent gehörte bis 1569 zur Kölner Provinz. Durch die Zerstörung der Archivbestände der Franziskaner in der Mitte des 16. Jahrhunderts lässt sich luxemburgerseits keine eindeutige Kölner Spur mehr zurückverfolgen.

Wir wissen nur, dass „aufgeschlossene, joviale Franziskaner von Rhein und Mosel“ in Luxemburg wirkten, die als „Gaudentes“, die fröhlichen Brüder, bezeichnet wurden [8]. Und begegnet dem Betrachter der 1,20 m großen Marienstatue nicht ein diskretes Lächeln im Gesichtsausdruck?

Bonner Ausstellung [von 2010]

Die unter Karl IV. eingeführte Physiognomie des Gesichtes weist klare Parallelen zwischen der Schwarzen Notmuttergottes aus Stadtgrund und der um 1380 entstandenen „Madonna in der Sonne“ des Museums Schnütgen […].

Die Gesichter von Mutter und Kind der Schwarzen Madonna sind auch mit der Statue der heiligen Katharina in Herkenrath (um 1380) vergleichbar. „Die Mutter schaut halb auf den Betrachter und halb auf das Kind, das ehemals wohl in seinem rechten Händchen einen Vogel hielt und sich ihr zuwendet“, schreibt Gude Suckale-Redlefsen in ihrem rezenten Beitrag über die Schwarze Madonna aus Luxemburg [9].

Wenn die Schwarze Madonna die Reise nicht an den Rhein angetreten hat – anders als 1978 anlässlich der großen Ausstellung des Schnütgen-Museums „Die Parler und der schöne Stil 1350-1400. Europäische Kunst unter den Luxemburgern“ in der Kölner Kunsthalle –, so ist die Bonner Sonderschau für die Interpretation der über 600 Jahre alten Statue von großer Bedeutung. Die Ausstellung „Schöne Madonnen am Rhein“ will die bisher nicht genügend gewürdigte und zum Teil falsch eingeordnete Kerngruppe der rheinischen Marienstatuen um 1400 zusammenstellen und zu ihrer Neubewertung beitragen. Die mehr als 60 hochkarätigen Kunstwerke zeigen, wie sich die damaligen politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen des Rheinlandes auch in den Madonnendarstellungen abzeichnen.

Die Luxemburger Schwarze Madonna muss zudem auch im Rahmen der vielschichtigen Beziehungen zwischen dem Herzogtum Luxemburg und dem Rheinland als Wiege der „schönen Madonnen“ verstanden werden.

Wenn sich die Geschichte des Bildes aus den bisher bekannten Quellen nur bis in das Franziskanerkloster zurückverfolgen lässt, so ist die schwarze Farbe an den Körperteilen der Madonna und ihres Kindes ungeklärt. Ist das Gnadenbild von Anfang an schwarz gewesen oder ist es mit der Zeit durch die Feuchtigkeitsschwankungen und den Kerzenrauch dunkler geworden? Auf jeden Fall hat die schwarze Farbe der Statue eine große Akzeptanz beim Volk gehabt. „Seit Jahrhunderten wird sie gegen die Pest, den ,Schwarzen Tod’ angerufen; ein Umstand, der glaubwürdig erklären dürfte, wieso Gesicht und Hände von Mutter und Kind im Laufe der Jahrhunderte einmal geschwärzt wurden“ [10]. 1954 restauriert Albert Hames die Polychromie, die die im Laufe der Zeit entstandene bräunlich-schwarze Tönung des Inkarnats berücksichtigt.
Eine Sondermarke: Anlässlich des Millenniums der Stadt Luxemburg im Jahre 1963 gibt die Luxemburger Post eine Briefmarke mit dem Motiv der Schwarzen Madonna heraus.
Anlässlich des Millenniums der Stadt Luxemburg im Jahre 1963 wird eine Briefmarke mit dem Motiv der Schwarzen Madonna in Umlauf gebracht. Symbolträchtig ist die Entscheidung, anlässlich der Tausendjahrfeiern der Hauptstadt die aus dem 14. Jahrhundert stammende Statue philatelistisch zu verklären.

Alljährlich finden an den Freitagen der Fastenzeit die Pilgerfahrten zur Schwarzen Muttergottes statt, die dieses marianische Kultzentrum erneut in den Mittelpunkt der Luxemburger Volksfrömmigkeit stellen.

Eine besondere Stellung der Wallfahrt

In der Wallfahrtsgeographie und Wallfahrtsvolkskunde nimmt die Pilgerfahrt zur Schwarzen Notmuttergottes allerdings eine besondere Stellung ein. Auch wenn sich keine überlieferten Legenden um die als „wundertätig“ geltende Statue ranken – eine oft mit dem Kultobjekt zusammenhängende Legende ist hier nicht klar ersichtlich –, so erfreuen sich die Parler-Statue und die damit verbundene Wallfahrt bei den Marienverehrern einer großen Beliebtheit.

Ricardo Montesilva alias Jean-Pierre Reichling schreibt 1936, dass „an jedem Freitag der heiligen Fastenzeit seit urdenklichen Zeiten ein Hochamt zu Ehren der schwarzen Not-Muttergottes abgehalten wird zur Erflehung einer glücklichen Sterbestunde. (…) Und kommen ihre Verehrer auch nicht mehr in Prozessionen, so sieht sie doch jedes Jahr Tausend von Pilgern, die zu ihren Füßen beten, um ihren Schutz anzuflehen. Die vielen Votivgeschenke in Wachs, Silber und Gold, die sich jedes Jahr vermehren, beweisen, daß man sie nicht vergebens anruft“ [11]. Dieser Text stammt aus einer Zeit, wo das Herkunftsland der Schwarzen Madonna noch nicht wissenschaftlich analysiert worden ist. Das Tageblatt spricht 1926 von einer „origine ibérique“ [12] und zehn Jahre später schließt Jean-Pierre Reichling „das Morgenland“, aus dem die Kreuzfahrer das Gnadenbild mitgebracht hätten, als Ursprungsland nicht völlig aus.

Die Tradition der Freitagsgottesdienste geht auf die Franziskaner zurück [13] wie auch die 36 Strophen des Liedes zum Bittern Leiden Christi, die noch immer alljährlich während der Wallfahrt zur Schwarzen Madonna erklingen. Ob mit der Schwarzen Madonna im gleichen Zuge auch Musik vom Rhenus superbus, wie die Römer den Rhein nannten, nach Luxemburg kam, bleibt ebenfalls zu klären. Wie auch immer: Am 8. März 1398 beauftragt Wenzel II. den Luxemburger Gouverneur, 550 Gulden an die „Stadtpfeifer“ auszuzahlen und das erste Volkslied in moselfränkischer Sprache, aus der das Luxemburgische hervorging, stammt wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert und beschreibt… den Rhein!

Lieder zur Schwarzen Notmuttergottes komponierte Abbé Laurent Drees, der ehemalige Pfarrer von Stadtgrund, auf Texte aus der Feder von Mathias Feider […] – die musikalische Verklärung einer kunsthistorisch interessanten Madonna, die glanzvoll im Alzettetal am Saum des Bockfelsens thront und nun erneut zu einer besonderen Auszeit inmitten der Fastenzeit einlädt.

Marc JECK, „Das Gnadenbild der Schwarzen Notmuttergottes stammt aus dem Kölner Raum. Vom Rhein an die Alzette“, in: Luxemburger Wort, Die Warte Nr. 7/2285, 25. Februar 2010, S. 4-5.


Den Historiker Alex Langini stellt d’Abteikierch Neimënster an engem kuerze Video vir


[1REUTER Joseph: Die Franziskaner in Luxemburg. In: Hémecht. Zeitschrift für Luxemburger Geschichte 4/1966. Luxemburg 1966, S. 408.

[2Siehe dpa zur Ausstellung „Schöne Madonnen am Rhein“.

[3KESSEL Verena: „Zur Politik der Kurfürsten am Rhein in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts“. In: SUCKALE Robert (Hg.): Schöne Madonnen am Rhein. Leipzig 2009, S. 21.

[4Vgl. GIESSMANN Thomas: Besitzungen der Abtei St. Maximin vor Trier im Mittelalter: Überlieferung, Gesamtbesitz, Güterbesitz in ausgewählten Regionen. Trier 1990.

[5KESSEL Verena. Leipzig (Anm. 3).

[6Siehe SEIBRICH Wolfgang: Die Weihbischöfe von Trier. Trier 1998.

[7SUCKALE-REDLEFSEN Gude: Schwarze Madonnen. In: Schöne Madonnen am Rhein. Leipzig 2009, S. 161.

[8REUTER Joseph: Luxemburg 1966 (Anm. 1).

[9SUCKALE-REDLEFSEN Gude: Schwarze Madonnen. (Anm. 7).

[10DREES Laurent (Hg.): Pilgerbüchlein zur Schwarzen Muttergottes. Luxemburg 1983.

[11MONTESILVA Ricardo, Das Marianische Luxemburg. Luxemburg 1936, S. 35-41.

[12Tageblatt vom 15. Dezember 1926, Seite 1.

[13Joseph Reuter schreibt: „An den Freitagen wurde in der Kapelle ein feierliches Hochamt gesungen zu Ehren der Gottesmutter.“

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